Kampf gegen die Inflation

Die Leitzinsen steigen

AFP,dpa,BZ

Von AFP, dpa & BZ-Redaktion

Do, 22. September 2022 um 19:46 Uhr

Wirtschaft

Die Notenbanken der USA, Schweiz und Großbritanniens verschärfen den Kampf gegen die Inflation. Die Leitzinsen werden kräftig erhöht.

Die US-Notenbank Fed stemmt sich mit der dritten kräftigen Zinserhöhung in Folge gegen die extrem hohe Teuerungsrate. Auch die britische Notenbank erhöht den Leitzins. Er steigt um 0,5 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hebt den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 0,50 Prozent an. Die Euro-Währungshüter bekräftigen unterdessen ihre Entschlossenheit zu weiteren Zinsanhebungen.

"Die Menschen können sich auf die EZB verlassen, die Inflation wird wieder sinken", versicherte Isabel Schnabel, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). In den USA liegt der Leitzins nach der erneuten Anhebung um 0,75 Prozentpunkte nun in einer Spanne von 3 bis 3,25 Prozent. Das ist der höchste Stand seit 14 Jahren. Doch der Chef der Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, machte nach der Entscheidung vom Mittwoch deutlich, dass mit großen Zinsschritten noch lange nicht Schluss sei: "Ohne Preisstabilität funktioniert die Wirtschaft für niemanden."

Die Fed hat beginnend im März bereits fünf Mal im laufenden Jahr die Zinsen erhöht. Erhöhungen des Leitzinses verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage. Das hilft, die Inflationsrate zu senken, kann aber auch das Wirtschaftswachstum bremsen, da sich zum Beispiel Kredite verteuern. Mit der Straffung der Geldpolitik wächst das Risiko, dass die Wirtschaft so stark ausgebremst wird, dass Arbeitsmarkt und Konjunktur abgewürgt werden. "Ich wünschte, es gebe einen schmerzlosen Weg", sagte Powell. "Den gibt es nicht."
Ausnahme Türkei

In der Türkei sollen trotz der starken Inflation im Land die Zinsen für Haushalte und Unternehmen weiter sinken. Die Zentralbank senkte den Leitzins am Donnerstag von 13 auf 12 Prozent. Im August hatten die Zentralbanker die Märkte bereits mit einer Leitzinssenkung von 14 auf 13 Prozent überrascht. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan weist die gängige Lehrmeinung zurück, dass Zentralbanken bei hoher Inflation die Zinsen anheben sollten.

Auch unter den Euro-Währungshütern war lange die Sorge groß, mit einer zu schnellen Normalisierung der seit Jahren ultralockeren Geldpolitik die Konjunktur abzuwürgen. Die EZB hatte nach langem Zögern im Juli die Wende hin zu höheren Zinsen eingeleitet. Nach einer weiteren Zinsanhebung im September liegt der Leitzins im Euroraum mittlerweile bei 1,25 Prozent. "Ich gehe davon aus, dass der EZB-Rat in seiner nächsten Sitzung die Zinsen weiter anheben wird", bekräftigte Schnabel.

Während der Dollar von der straffen Geldpolitik der Fed profitiert, gerät der Euro weiter unter Druck. In der Nacht auf Donnerstag fiel die europäische Gemeinschaftswährung bis auf 0,9809 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit etwa 20 Jahren.

Auch andere Notenbanken stemmen sich gegen die Inflation. Die SNB beispielsweise hob ihren Leitzins ebenfalls an. Damit beendete die SNB nach fast acht Jahren ihre Phase der Negativzinsen. Es sei nicht auszuschließen, dass weitere Zinserhöhungen nötig seien, um die Preisstabilität in der mittleren Frist zu gewährleisten, teilte sie mit.

Die britische Zentralbank erhöhte ihren zentralen Leitzinssatz am Donnerstag um weitere 0,5 Prozentpunkte auf nunmehr 2,25 Prozent. Zugleich verkündete sie den Beginn einer Rezession. Im dritten Quartal werde erneut mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent gerechnet, erklärte die Bank of England. Ein Abschwung in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen gilt als Rezession.