Die Monate Jaguar, Pony und Zehenbär

Marion Klötzer

Von Marion Klötzer

Do, 04. Februar 2021

Literatur & Vorträge

Ein ganz anderes Jahrbuch von Heinz Janisch, inspiriert von Christian Morgenstern.

"Im Monat Jaguar bewege ich mich mit großer Geschmeidigkeit. Leicht und kraftvoll gehe ich durch die Stadt. Ich fühle mich groß und stark, und nichts entgeht meinen scharfen Augen. Im Monat Jaguar behandeln mich alle Leute mit Respekt": So fabuliert der preisgekrönte Wiener Autor Heinz Janisch zum ersten Monatsnamen, der mehrfach ausgezeichnete Illustrator Michael Roher bebildert mit einer kraftvoll geschmeidigen Riesenfrau, die mit Siebenmeilenschritten durch eine ockerfarbene Landschaft pflügt, auf ihrem schwarzen Kleid leuchten viele Raubtieraugen. So assoziativ surreal geht es weiter: Im Zebra haben auch die hellsten Gedanken schwarze Streifen, im Nerz wird es kuschelig und im Mandrill wird zuhause viel erzählt und getanzt.

Entlang an Christian Morgensterns rätselhaftem Zwölf-Wort-Gedicht "Wie sich das Galgenkind die Monatsnamen merkt" fängt Janisch in seinen Texten ganz unterschiedliche Stimmungen ein: Warum braucht das Herz im Monat Pony jeden Tag eine Umarmung? Weshalb mache ich mir im Auerochs das Leben so schwer und was passiert im Wespenbär und Locktauber? Und natürlich gibt es im Monat Zehenbär Decken und bunte, warme Socken für die Zehen. Denn "was würde ich ohne sie machen?

Rohers Buntstift-Bilder sind eine Einladung, der Fantasie freien Lauf zu lassen: Mit kräftigen warmen Erdfarben entführt er in fantastische Szenarien und ein Gefühlskaleidoskop. Mal geht es spannend zu, mal tröstlich, poetisch oder angriffslustig. Ein Buch, das Lust macht, sich eigene Monatsnamen auszudenken.

Heinz Janisch, Michael Roher: Jaguar Zebra Nerz. Tyrolia Verlag, Innsbruck 2020.
32 Seiten, 16,95 Euro. Ab 6.