Fußball

Die nächsten Tage werden ein Härtetest für die erste und zweite Bundesliga

dpa

Von dpa

Mo, 18. Mai 2020 um 20:00 Uhr

1. Bundesliga

Für die Profikicker ist die Hotel-Quarantäne vorbei. Jetzt dürfen sie wieder zu ihren Familien – und Ansteckungen mit dem Coronavirus sind nun wieder wahrscheinlicher.

Der viel beachtete Neustart ist geglückt – doch am Ziel ist der deutsche Profifußball nach dem ersten Geister-Spieltag der Bundesliga-Geschichte trotz des Lobes von höchster Stelle noch lange nicht. "Dank des professionellen Verhaltens der Mannschaften und der Besonnenheit der Fans sehe ich das Sicherheitskonzept der DFL in beeindruckender Weise bestätigt", sagte der auch für den Sport zuständige Bundesinnenminister Horst Seehofer am Montag. Der CSU-Politiker stellte fest: "Fußball-Freude und Infektionsschutz müssen sich nicht ausschließen."

Die kommenden Tage werden allerdings zu einem neuerlichen Härtetest für das Konzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL), stellt sich doch die Frage: Wie verantwortungsvoll gehen die Profis mit der wiedergewonnenen Freiheit nach dem Ende der einwöchigen Quarantäne um? Vor der Fortsetzung der Saison am vergangenen Wochenende hatten sich alle Mannschaften sieben Tage lang abgeschottet, also in Quarantäne begeben. Das Ergebnis: In dieser Zeit gab es keinen einzigen weiteren Corona-Fall.

Nun sind die Spieler, Trainer, Betreuer und Funktionäre zu ihren Familien zurückgekehrt. Dadurch wird allen Beteiligten eine dauerhafte Isolation bis zum Saisonende erspart. Die Kehrseite: Das DFL-Konzept für den Notbetrieb in der ersten und zweiten Bundesliga steht erneut auf dem Prüfstand, die Gefahr eines Saisonabbruchs nimmt nun wieder zu.

Das wurde allen Beteiligten zuletzt durch die Corona-Fälle beim Zweitligisten Dynamo Dresden eindrücklich vor Augen geführt. Den Liga-Neustart mussten die Sachsen in häuslicher Quarantäne an den TV-Geräten verfolgen. Kommt es zu weiteren Spielverlegungen, steht der Saisonabschluss möglicherweise auf der Kippe.

DFL-Boss Christian Seifert hatte schon gleich nach der Saison-Freigabe durch die Politik gesagt: "Das DFL-Konzept sieht Empfehlungen vor, wie man sich bestmöglich im häuslichen Alltag schützen kann. Ich erwarte von jedem Einzelnen, dass er der Verantwortung gerecht wird. Wer das Virus nicht hat, kann es nicht übertragen. Jeder muss sein Bestes tun, es nicht zu bekommen."

Durch die gesellschaftlichen Lockerungen – Schulen, Restaurants und Geschäfte haben wieder geöffnet – erhöht sich die Gefahr neuer Infektionen zusätzlich.

Vor allem die Politik schaut weiter ganz genau hin. So plädierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder für klare Abstandsregeln beim Torjubel. Die Profis von Hertha BSC Berlin und Zweitligist SV Wehen-Wiesbaden hatten sich bei ihren Siegen in Hoffenheim (3:0) beziehungsweise gegen den VfB Stuttgart (2:1) nicht darum geschert.

Die DFL hat dazu bisher nur eine Empfehlung an die Vereine gegeben, dies aber nicht im Konzept der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" festgeschrieben. Abgesehen davon verlief der Spieltag nahezu reibungslos.