Malteserschloss Heitersheim

Die Reaktionen auf die Pläne zur Errichtung einer Privatschule fallen unterschiedlich aus

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 20. Juli 2019 um 14:03 Uhr

Heitersheim

Verlust eines Kulturguts oder große Chance für Heitersheim? Was sind Pros und Contras einer möglichen internationale Privatschule im Malteserschloss? Die BZ dokumentiert Stimmen in der Debatte.

In der Debatte um das Malteserschloss haben die BZ einige Reaktionen erreicht, die sich sowohl kritisch als auch wohlwollend mit den Plänen zur Einrichtung einer internationalen Privatschule in dem historischen Kulturdenkmal beschäftigen. Wir dokumentieren hier – in Auszügen – einige dieser Zusendungen.

Armin Liebisch verweist auf den historischen Aspekt in der Diskussion. Er schreibt: "Das Malteserschloss in Heitersheim trägt wie der Eigentümer einen großen Namen. Die Malteser, Nachfolger der Templer durch Namensänderung und weil sie nach der Vertreibung aus Palästina durch Saladin vor 700 Jahren auf Malta eine neue Zuflucht fanden, haben große geschichtliche Relevanz für das Abendland. Auf sie geht die Gotik zurück, der bargeldlose Zahlungsverkehr, Sicherung der Handelswege, viele beispielhafte soziale Gründungen und Zusammenhänge und das bedingungslose Eintreten für die Grundwerte christlicher Lebensweise. Leider konnten sie ihre Mission nicht vollständig umsetzen, weil ein habgieriger König und falsche Päpste dies unterbunden haben.

Die BI versucht dies unvergleichliche Erbe auf der Gemarkung Heitersheim in die Gegenwart zu retten, Bürgermeister Löffler argumentiert wirtschaftskonform mit Rendite und Kosten. Es lässt sich wieder einmal darauf reduzieren: Entweder man will etwas oder man hat Gründe. Das heutige Denken ist ausgelegt auf Rendite. Hätten unsere Vorfahren genau so gedacht, es wäre nie ein Kloster gebaut worden, eine Universität gegründet."

Ingeborg Lambert-Sennrich verbindet mit dem Malteserschloss auch eine persönliche Geschichte. Sie schreibt: "Als frisch gebackene Psychologin fing ich 1979 bei der Elternvereinigung Lebenshilfe in der Psychologisch-Therapeutischen Praxis an zu arbeiten, voller Enthusiasmus für die Arbeit mit behinderten Kindern und deren Familien – im Malteserschloss im Haus Lambert. Nach meinem Eindruck haben besonders auch schwer behinderte Kinder die schöne Atmosphäre der Räume und der Umgebung wahrgenommen und sich dort wohl gefühlt. Die Nutzung des Schlosses war für viele Jahrzehnte vielfältig, die ’Schwöschtere’ und der geistliche Herr lebten dort, Schule und Werkstatt für geistig und lernbehinderte Menschen hatte dort eine Heimstatt. Die Gebäude waren der Öffentlichkeit nicht voll, aber doch teilweise zugänglich, das Schloss gehörte einfach zu Heitersheim dazu!

Mein beruflicher Blick und meine Interessen haben sich in den letzten 40 Jahren geweitet auf unsere Lebenswelt, unsere Umwelt und die kulturellen Gegebenheiten. Nicht nur die Offenhaltung der Weiden sind mir wichtig geworden, auch die Offenhaltung von kulturellem Weideland. Wie wollen wir unseren Kindern und Jugendlichen etwas von unserer kulturellen Identität und ihren spirituell-geistigen Werten vermitteln, wenn wir so sorglos und achtlos mit ihnen umgehen, gerade in Zeiten der Globalisierung? Ein Kulturdenkmal und Kulturerbe von der Bedeutung und Größenordnung des Malteserschlosses gehört in öffentliche Hand. Wie kann es sein, dass diese historisch wichtige Anlage nicht mehr ideelle und finanzielle Unterstützung von staatlicher, von Landesseite und von kommunaler Seite erhält?"

Willi Späth wiederum sieht in den Plänen einer Privatschule für die Heitersheimer "die Chance Ihres Lebens". Auch er verweist auf persönliche Verbindungen zum Schloss: "Ich kann all die idealistischen Vorstellungen von der Oase der Ruhe, vom Weinkeller, vom Luxushotel und von Hochzeiten in der Schlosskirche gut nachvollziehen. Auch Arztpraxen, Cafés sind gute Ideen, erfordern heute aber auch größere Umbauten. Und wo sollen eigentlich die vielen Autos des Publikumsverkehrs später alle parken? Im Innenhof des Schlosses?

Ich selbst habe mich schon vor über 40 Jahren für die Einrichtung eines Maltesermuseums im Schloss engagiert und kann mich noch gut an die erste Begehung der düsteren Kellerräume zusammen mit meinem Vater [der damalige Heitersheimer Bürgermeister Adolf Späth – Anm. d. Red.] und dem Architekten Heinz Sütterle erinnern. Auch ich habe eine emotionale Bindung an ’unser’ Schloss.

Aber man muss in einem solchen historischen Augenblick die Dinge realistisch und in Ruhe durchdenken und dann auch geschickt verhandeln, nicht die Sache von vornherein niedermachen. Das Schloss gehört seit über 120 Jahren einem ’privaten Investor’. Welch ein Glück! Keine öffentliche Hand hätte diese Gebäude und Parks zu so einem Schmuckstück machen können. Wie heruntergekommen war denn der Innenhof vor 50 Jahren!

Ein internationales Internat, das langfristig Geld verdienen will, muss sich um ausgezeichnete Lehrer und einen hohen Standard, sowohl baulich als auch pädagogisch, bemühen. Auch die Schüler werden eher aus wohlhabenden Familien kommen, die international in der Wirtschaft tätig sind. Auch wenn diese Familien nicht in Heitersheim (sondern eher in Freiburg, Basel, Karlsruhe, Straßburg oder Frankfurt) wohnen werden, so werden sie bei Besuchen ihrer Kinder zusätzliche Übernachtungen in Heitersheim generieren und den Tourismus insgesamt fördern.

Durch kluges Verhandeln lässt sich auch ein chinesischer Investor dazu bringen, nicht nur die Instandhaltung und Pflege der historischen Anlage des Malteserschlosses dauerhaft zu übernehmen und das Maltesermuseum weiter zu beherbergen, sondern auch der Heitersheimer Bevölkerung einen geregelten Zugang zu der ’Oase der Stille’ zu gewähren, einschließlich Sommerkonzerte des Musikvereins unter der Gerichtslinde, vielleicht auch zusammen mit dem Internatsorchester?"
Die drei Schreiben in vollem Wortlaut finden Sie unter: mehr.bz/malteserschloss-debatte.