Gendergerechte Sprache

Die rein männliche Form ist eben nicht geschlechtsneutral, sondern schließt Frauen aus

Regina Frey

Von Regina Frey (Stegen)

Sa, 13. Februar 2021

Leserbriefe

Zu: "Ein krampfhaftes Bemühen", Leitartikel von Stefan Hupka (Politik, 6. Februar)

An die Journalistin Stefan Hupka. Und? Fühlen Sie sich angesprochen, Herr Hupka? Eher nicht? Komisch. Genauso fühlt es sich an, wenn ich als Frau Formulare ausfülle, in denen von "Benutzer", "Kunde", "Bewohner", "Patient" oder Arbeitnehmer" die Rede ist. Ja klar, ich sei mitgemeint – fühle ich mich deshalb angesprochen? Nein.

In Ihrem Leitartikel schreiben Sie zu Recht, dass geschlechtergerechte Sprache politisch ist. Die Redaktion eines Massenmediums muss diesbezüglich Entscheidungen treffen, über einen neuen Sprachgebrauch, der laut Ihrem (männlichen) Empfinden zu viel Zeit verbraucht, nicht stringent durchhaltbar ist und nicht zur Umgangssprache taugt.

Aber anstatt zu helfen, diese Stolpersteine zu lösen und kreative neue Ideen zu denken oder zumindest ein Verständnis um dieses Ringen zu zeigen, wird abgewatscht, lächerlich gemacht und per se abgelehnt, nach dem Motto: So war es immer, so soll es auch bleiben. Wo käme man denn hin, Dinge neu zu definieren, neu zu lernen? Warum reagieren Männer immer noch so wütend und gereizt auf dieses Thema? Die Entscheidung darüber sollte nicht denen überlassen werden, die nicht davon betroffen sind. Nur als Randnotiz sei erwähnt, dass im Jahre 2017 wegen genau sieben Männern die eigene Berufsbezeichnung "Entbindungspfleger" eingeführt worden ist.

Ja, es ist anstrengend, seine Gewohnheiten zu ändern, auch seine sprachlichen – aber es lohnt sich doch. Sehnen Sie sich, Herr Hupka, denn wirklich noch nach den guten alten Zeiten, als eine unverheiratete Frau mit "Fräulein" angesprochen wurde? Die rein männliche Form (das generische Maskulinum) ist eben nicht geschlechtsneutral, sondern schließt Frauen aus. Studien ergaben, dass wir nicht an eine Frau denken, wenn von einem Arzt oder einem Bürgermeister die Rede ist. Sprache hat Einfluss auf unser Denken und unser Handeln, und wir müssen nun mal mit dieser Sprache, die wir haben, arbeiten – es gibt keine wunderbar neue, mit der alles so viel einfacher wäre. Wir sind über 41 Millionen Frauen in Deutschland – und wir haben es satt, immer nur "mitgemeint" zu sein. Wir sind es wert, gesehen und genannt zu werden. Wenn ihr uns meint – sprecht uns auch an: als LeserIn, als AbonnentIn, als PolitikerIn, als WissenschaftlerIn oder als PäpstIn (Pardon, das ist ein ganz anderes Thema). Regina Frey, Stegen