Sommerhock der SPD

Die Schopfheimer Genossen debattieren in luftiger Höhe die Politik

Hans-Jürgen Hege

Von Hans-Jürgen Hege

So, 06. September 2020 um 14:58 Uhr

Schopfheim

Im Schwimmbad in Schweigmatt wurden kommunal- und landespolitische Themen in ungezwungener Atmosphäre diskutiert. Die Abkühlung im Becken blieb den SPD-Mitgliedern aber verwehrt.

"Meteorologisch" hat der Herbst vor ein paar Tagen begonnen. Der zeigte sich beim zwanglosen SPD-Sommerhock der Schopfheimer Genossen am Freitag im Schweigmatter Freibad von seiner schönsten Seite. Nur eines störte die frühherbstliche Idylle an weißen Tischen mit – wie sinnig – knallroten Tischdecken. Und das gab der frischgebackene erste Vorsitzende des Ortsvereins, Oliver Kaspers, denn auch unumwunden zu: "Schade, sehr schade, dass nur so wenige gekommen sind."

Zwei Handvoll Mitglieder ließen sich das Vergnügen jedoch nicht nehmen, die letzten warmen Sonnenstrahlen dieses aufregenden und bewegten Pandemie-Jahres in luftiger Höhe in Schweigmatt zu genießen und dabei ein wenig zu fachsimpeln über all das, was die Welt, Deutschland, Baden-Württemberg und Schopfheim derzeit stark bewegt.

Verärgerung wegen der Uehlin-Häuser

Thomas Gsell schilderte die angespannte Haushaltslage der Stadt und erinnerte an die mehr oder weniger erfolgreichen Bemühungen von Gemeinderat und Stadtverwaltung, den unbedingt notwendigen Sparstrumpf zu stricken und den Bürgern der Stadt bewusst zu machen, dass es in den nächsten Jahren unumgänglich sein wird, den Gürtel in allen Bereichen – "es gibt oder gab in den Sitzungen kein Tabu-Thema" – enger zu schnallen. Alles sei auf dem Prüfstand, viele Projekte würden gestoppt oder ganz gestrichen. Er sei gespannt, ob "die große Einigkeit bei den Klausurtagungen Früchte trägt", sagte der Ratsherr der SPD.

Schließlich verhehlte Gsell nicht, wie verärgert er wegen der neu aufflammenden Diskussion über die Zukunft der Uehlin-Häuser sei, die man den Grünen zu verdanken habe und die einen "unglaublich langen bürokratischen Weg" nach sich ziehe und unterm Strich nur weitere Kosten verursache. "Geldverlocherei", kommentierten Gsells Zuhörer die Vorgänge. Und einer in der Runde wurde noch deutlicher: "De Ehrenfried" (Gemeinderat Barnet, Bündnis 90/Die Grünen) – "soll des Hus doch kaufe, verdammt. Dann gitt’s e Ruh!"

Die riesigen Fußstapfen des Rainer Stickelberger

Mit "auf der Höhe" waren Jonas Hoffmann und Hannah Bernbach, die beiden Kandidaten, die sich um einen Sitz im Landtag bewerben wollen, wenn sie demnächst von den SPD-Delegierten des Kreises dazu auserkoren werden. Hoffmann erinnerte daran, dass er, "motiviert von erschütternden Wahlergebnissen", 2016 erst Mitglied der SPD geworden sei. Als Bundestagskandidat hatte er die politische Bühne betreten. Und in dieser Zeit habe er "unglaublich viel gelernt" und ein so beachtliches Ergebnis eingefahren, dass man im Land auf ihn aufmerksam geworden sei und er Mitglied des Landesvorstandes der SPD geworden sei. Nach wie vor sei er im Kreistag engagiert. Und viele Stimmen hätten ihn dazu bewegt, den Schritt in Richtung Landtag zu wagen, um dort die Nachfolge von Rainer Stickelberger anzutreten.

Aber das, so Hoffmann, werde ganz sicher nicht einfach. "Der Rainer hinterlässt riesige Fußstapfen. Besonders schwierig wird es, diese auszufüllen, weil er das Kunststück fertig brachte, von allen Seiten gleichermaßen hoch geschätzt zu werden." Und das sei auch oder gerade in Baden-Württemberg nicht so ohne weiteres möglich. Sollte er gewählt werden, lägen ihm Themen wie das "digitale Leben" am Herzen, an dem "viele Menschen noch gar nicht teilhaben können". Dem "sozialen Wandel, der so vieles verändert", wolle er sich verschreiben, dem Klimawandel und der riesigen Vielfalt, die mit diesem Thema verbunden sei. Zweitkandidatin Hannah Bernbach, bestrebt, "das SPD-Mandat möglichst zu halten und geeignete Nachfolger für Rainer Stickelberger zu finden", ergänzt Hoffmanns Programm um die Familienpolitik, die ihr als selbstständige Tagesmutter ganz besonders wichtig sei. Die "roten Schuhe" habe der gebürtigen Schopfheimerin, die aktuell in Rheinfelden-Eichsel lebt, keine geringere als Regina Blum angezogen, ihre Oma, mit der sie über politische Themen oft und lebhaft diskutierte.

Grillen ja, baden nein

Damit war es dann aber auch genug der Fachsimpelei. Oliver Kaspers wünschte dem Landtags-Duo in spe "alles Gute und viel Erfolg bei der Wahl", hatte dann aber "Hunger" und eröffnete die Schlacht am kalten (Salat-)Buffet rund um den Grill, den "Mister Schwimmbad" Thomas Jost für seine Parteifreunde neben dem Becken aufgebaut hatte, in das sich während der Veranstaltung sogar noch ein paar "Neu-Schweigmatter" verirrten – das Baden ist derzeit coronabedingt aber nicht erlaubt.