Steigende Infektionszahlen

Die Schweiz wird Risikogebiet – doch für Grenzgänger ändert sich nichts

Jonas Hirt

Von Jonas Hirt

Do, 22. Oktober 2020 um 15:49 Uhr

Schweiz

Ab Samstag gilt die Schweiz als Corona-Risikogebiet. Das hat gravierende Auswirkungen für Urlauber – im Alltag im Dreiländereck ändert sich wenig: Einkaufen und Pendeln ist weiterhin möglich.

Die Bundesregierung hat das Nachbarland am Donnerstagmorgen auf die entsprechende Liste gesetzt: Die gesamte Schweiz ist ab Samstag ein Risikogebiet. Dies ist verbunden mit einer Reisewarnung. Für Urlauber hat diese Entscheidung gravierende Auswirkungen. Aber wie wirkt sich diese Entscheidung auf die Basler Grenzregion aus, wo Menschen täglich über die Grenze pendeln – zum Arbeiten, zum Einkaufen und zum Familienbesuch?

Dies wird durch die aktuell schon gültige Landesverordnung geregelt und hier ändert sich auch nichts: Die Einstufung als Risikogebiet soll auf den Alltag kaum Auswirkungen haben. Im Rahmen des Grenzverkehrs gibt es keine Einschränkungen, sofern sich Schweizer nicht länger als 24 Stunden in Deutschland aufhalten.

Am wenigsten Auswirkungen hat die Infektionslage für Berufspendler

Diese Regelung gilt aber nur für die Grenzkantone, also auch die beiden Basel und Aargau. Wer länger in Deutschland bleibt, für den gilt zunächst die Quarantäne. Diese kann durch einen negativen Test verkürzt werden. Aus Baden-Württemberg darf man sich zudem 48 Stunden in der Schweiz (und auch im Elsass) aufhalten, ohne in Quarantäne zu müssen. Bleibt man länger, muss man in Quarantäne. Ein reiner Familienbesuch ist gemäß der Landesverordnung kein Ausnahmegrund, dafür müssten triftige Gründe vorliegen, etwa ein geteiltes Sorgerecht.

Am wenigsten Auswirkungen hat die Infektionslage für Berufspendler. Wie auch schon im März dürfen sie weiterhin ein- und ausreisen – das gilt in beide Richtungen. Auch unaufschiebbare Besuche aus medizinischen Gründen werden bei den Ausnahmen genannt, das gilt auch für den Besuch von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Auch für Handwerker gibt es Ausnahmegenehmigungen. Hintergrund dieser Regelungen ist das Ziel, eine erneute Schließung der Grenzen zu verhindern.

Aufregung wegen möglicher Ladenschließung

Für Aufregung sorgten Meldungen, dass die Schweizer Regierung prüfe, ob eine zeitlich begrenzte Schließung aller Geschäfte nötig ist, zum Beispiel für 14 Tage. Das sei momentan aber noch nicht nötig, sagte am Mittwoch der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset. Am Donnerstag verwies er in einer Pressekonferenz darauf, dass die Regierung die weitere Entwicklung bis kommenden Mittwoch beobachten werde. Abhängig von der Entwicklung werde man weitere Maßnahmen ergreifen.

Schweizer Regierung spricht von "Slowdown" statt Lockdown

"Die Lage ist sehr ernst", sagte Lukas Engelberger, der Basler Gesundheitsdirektor. Es werde in den einzelnen Kantonen je nach Lage entschieden. Zudem werde es auch weiterhin Maßnahmen des Bundes geben. Für die Schweizer Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) gehe es aber vor allem um die Erweiterung der Maskenpflicht, Beschränkungen von Feiern und Einschränkungen bei den Restaurants sowie die Erweiterung von Kontaktverboten. Eine Schließung der Läden nannte Engelberger aber nicht. Am wichtigsten sei es, dass sich die Krankenhäuser vorbereiten, um mit den steigenden Patientenzahlen umzugehen. Einige Regionen seien bereits an der Kapazitätsgrenze.

"Es braucht jetzt nicht einen Lockdown, aber es braucht einen Slowdown", sagte Engelberger. Gemeint ist, dass die Schweizer ihre persönlichen Kontakte reduzieren sollten, es Einschnitte im Freizeitverhalten gebe – das öffentliche Leben soll aber nicht zum Erliegen kommen: "Die wesentlichen Bereiche von Arbeit, Bildung und Gesellschaft wollen wir weiter gehen lassen", sagte Engelberger.