Wandern für die Seele

Die Wanderung aus Wildtal zum Streckereck hat es in sich – und lohnt

Silke Kohlmann

Von Silke Kohlmann

So, 19. September 2021 um 06:30 Uhr

Reise

Der Weg zum Streckereck ist steil, aber von der Höhenwiese dort reicht der Blick über die Weite des Rheintals bis zum Vogesenkamm. Nach dieser Tour haben Sie sich die Einkehr redlich verdient.

Wir starten unsere Wanderung in Wildtal. Den Ortsteil von Gundelfingen erreichen wir von Freiburg aus ruckzuck mit Straßenbahn und Bus. Über den Gundelfinger Weg steigen wir das Sträßlein Im Rebberg hinauf und biegen von hier aus links in den Weiherweg ab. Er führt uns an den Waldrand, wo wir den Wanderweg zum Leheneck finden – und einen schönen Blick bis zum Kaiserstuhl genießen: Der Totenkopf mit dem Fernmeldeturm ist deutlich zu sehen, rechts davon die Eichelspitze mit dem Aussichtsturm.

Alte Grenzsteine markierten einst die Grenze zwischen Baden und Österreich

Zwischen Wald und Weinberg wandern wir bergauf, der Blick nach Süden reicht bis zum Schönberg und zur Schneeburg und vor uns taucht der Rosskopf auf, dessen bewaldeter Rücken vier Windräder trägt. Bald biegt unser Weg in den Wald hinein ab, an der großen Weggabelung wandern wir geradeaus. Am Wegrand stehen immer wieder alte Grenzsteine. Sie markierten einst die Grenze zwischen Baden und Österreich, die hier zwischen Gundelfingen und Wildtal verlief. In einer Rechtskurve erreichen wir schließlich das freie Feld am Leheneck.
Die Tour

Profil: Schwere Wanderung über viele Höhenmeter, überwiegend gut begehbare Wege, 18,4 km, 630 Höhenmeter, etwa 6 Stunden, Rundweg. Beste Wanderzeit von Mai bis Oktober. Tipp: Einen Tag mit guter Fernsicht wählen.


Hin & Weg:

ÖPNV: Straßenbahnlinie 4 bis Freiburg Berggasse, dann Bus 15 bis Wildtal Sonnenwiese

Auto: Parkplatz Im Zollgarten, 79194 Gundelfingen (GPS: 48.037036, 7.871216)



Wanderkarte zum Download:
mehr.bz/wandernwildtal
GPX-Daten zum Download: mehr.bz/streckereck


Einkehren:

Restaurant Sonne Wildtal: Talstraße 80, 79194 Gundelfingen, Tel. (07 61) 61 25 70 60, www.sonnewildtal.com

Ein wunderschöner Fleck mit einer malerischen Aussicht über weite Wiesen und Äcker, nach Heuweiler und Wildtal, im Südwesten erkennen wir die Silhouette von Freiburg. Wir merken, wie nahe wir der Stadt eigentlich noch sind. Und trotzdem haben wir die Geschäftigkeit der Stadt weit hinter uns gelassen.

Vom Leheneck gehen wir geradeaus in Richtung Berghäusle, erreichen schnell den Wald und wandern an seinem Rand entlang. Zu unserer Linken liegt nun Heuweiler, dahinter erkennen wir Denzlingen mit der Georg-Kirche, in der Ferne den Kandel. Im dichten Grün der Bäume zwitschern die Vögel, im Gebüsch raschelt es, ein Specht klopft. Unser kleiner Pfad schlängelt sich mal unter das Blätterdach der Buchen, mal sind wir am Rande der Wiesen unterwegs. Von hier aus können wir sogar die Ruine der Hochburg Emmendingen erkennen. Dann geht es steil bergab.

Wir müssen achtgeben, nicht auszurutschen, insbesondere wenn der Weg feucht ist. Wir erreichen die Weggabelung am Berghäusle, wo wir uns anhand der Schilder neu orientieren. Hier schlagen wir den Weg zum Wildtalereck ein, der zunächst durch den Wald führt. Bald aber treten wir erneut unter dem Blätterdach hervor und gehen oberhalb der Wiesen weiter – wieder mit Blick auf den Rosskopf mit seinen Windrädern.

Nun ist es nicht mehr weit zum Wildtalereck. Ein herrlicher Wiesenweg bringt uns an den Aussichtspunkt, an dem eine wunderschöne alte Esskastanie steht. In ihrem Schatten setzen wir uns auf die Bank und genießen den Blick das Schobbachtal hinab. Es ist gut, Kraft zu tanken, denn der Weg zum Streckereck ist steil. Am Waldrand angekommen, erkennen wir eine Schutzhütte, biegen aber schon zuvor links ab.

Es geht durch einen hellen Buchenwald – wem es hier zu wild ist, der wählt den Forstweg

Von nun an geht es in Serpentinen den Berg hinauf.
An der großen Weggabelung wählen wir den rechten Weg bergan. Gleich danach teilt sich der Weg erneut und wir nehmen den schmalen rechten Pfad, der mit der gelben Raute markiert ist. Es geht durch einen hellen Buchenwald. Das ist ein anstrengendes Stück, Äste liegen auf dem Weg, es kostet viel Kraft, darüber hinwegzusteigen. Wem dieser Pfad zu wild ist, der kann den Forstweg gehen, der linker Hand parallel verläuft.
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Wir erreichen den Kandel-Höhenweg, der von Freiburg über den Gipfel des Kandels bis nach Oberkirch im Nordschwarzwald führt. Ihm folgen wir nun zum Streckereck. Und dieser Wegabschnitt ist wunderschön. Eng windet sich der Pfad durchs Dickicht der Bäume. Wo wir in die Sonne hinaustreten, schimmern die Gräser ringsum im Licht. An der großen Weggabelung folgen wir dem Kandel-Höhenweg noch ein Stück, bis wir auf die herrliche Höhenwiese des Streckerecks hinaustreten. Der Blick ist fantastisch: Er reicht durch die gesamte Rheinebene bis in die Vogesen. Ausgestreckt auf der Himmelsliege erholen wir uns von der Anstrengung des Weges.

Das Streckereck mit Grillstelle und Schutzhütte ist ein bei Wanderern und Mountainbikern gleichermaßen beliebter Fleck – insbesondere auch in den Abendstunden, wenn die untergehende Sonne die Wiesen und Wälder in goldenes Licht taucht.

Nun könnte man von hier aus auf einer nördlichen Runde ins Föhrental gelangen. Dieser Weg allerdings ist schlecht ausgeschildert und in keinem guten Zustand. Darum gehen wir zurück zur Weggabelung Streckereck und folgen dort der Beschilderung Föhrental. Der Weg führt uns durch den Wald zunächst zum Weidberg und dann erneut hinein in den Wald. Eng an den Hang geschmiegt windet er sich, die Sonne erreicht nur selten den Waldboden. Dann aber, wenn wir den Waldrand erreichen, öffnet sich uns erneut ein zauberhafter Blick. Unten im Tal liegen die Höfe von Oberföhrental und darüber thront die uns wohlbekannte Esskastanie am Wildtalereck. Ein wunderbarer Anblick, wie sich der Baum in den Himmel reckt.

Das Läuten von Kuhglocken klingt aus dem Tal herauf, ein paar Ziegen schauen neugierig

Nun wandern wir am Waldrand entlang. Irgendwann erreichen wir den Punkt, an dem unser Pfad scheinbar nur rechts in den Wald hinauf abbiegt. Wer genau hinsieht, erkennt aber die gelbe Raute, welche die Weide hinunter weist. Und das ist der Weg, den wir nun einschlagen. Je nachdem wie die Landwirte ihre Weidenzäune gesteckt haben, müssen wir hier über die Absperrung steigen. Wir folgen aber immer der gelben Raute und wandern nicht querfeldein.

Nun befinden wir uns auf den herrlichen Weiden von Föhrental. Das Läuten von Kuhglocken klingt aus dem Tal herauf, ein paar Ziegen begrüßen uns neugierig über den Zaun hinweg, Silberdisteln wachsen am Wegrand. Wir erreichen das Gummeck und wählen hier erneut einen Weg über Wiesen und Weiden. Er führt – mit der gelben Raute gekennzeichnet – in nordwestlicher Richtung hinunter zum Würzburgerhof in Föhrental. Auch wenn wir manchmal den Eindruck haben, hier geht es nun wirklich nicht weiter, finden wir doch in den Weidezäunen immer einen Durchgang für Wanderer. An Kuhweiden und herrlichen Streuobstbäumen vorbei erreichen wir das Tal, überqueren die Straße und wandern gegenüber sogleich wieder hinauf zum Wildtalereck.

Die Steigung hat es nochmal in sich. Oben angelangt aber haben wir es geschafft: Von nun an geht es nur noch bergab. Wieder schlendern wir unter dem Kastanienbaum hindurch und wandern auf dem vom Hinweg bekannten Wegabschnitt zurück in den Wald. Diesmal wählen wir die südliche Route und lassen den Wegpunkt Berghäusle rechts liegen. Der Weg führt uns an den Rebhängen des Weingutes Kaltenbach vorbei zu einer Waldschaukel. Ein kräftiger Ast, zwei Seile und ein starker Baum – mehr braucht es nicht für diesen kleinen Glücksort am Waldrand. Wir sitzen auf, lassen die Beine baumeln – und fühlen uns beschwingt wie in Kindertagen.

Nun finden wir über den Abzweig Längenhardt und den Leimenhof den Weg zurück nach Wildtal – und haben uns eine Einkehr im Restaurant Sonne wirklich verdient. Das Restaurant mit badisch-französischer Küche serviert Feines für jeden Geschmack: Von Wurstsalat und Schnitzel bis zu edlen Fischkreationen.
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Die Wanderung ist ein Auszug aus: Silke Kohlmann: Wandern für die Seele in und um Freiburg, Droste Verlag, 192 Seiten, 16,99 Euro

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