"Die Weißtanne hat Zukunft"

Winfried Köninger

Von Winfried Köninger

Do, 17. Oktober 2019

Ortenaukreis

Der Baum kommt mit dem Klimawandel gut zurecht / Experten der Holzwirtschaft wünschen sich mehr regionale Berücksichtigung.

ORTENAU. Die Weißtanne ist in Zeiten des Klimawandels für die heimische der Waldwirtschaft ein großer Hoffnungsträger. Diese wünscht sich ohnehin eine stärkere Berücksichtigung von Holz aus regionalen Wäldern. Das waren Themen einer forstlichen Expertenrunde in Nordrach.

Reinhold Pix, forstpolitischer Sprecher der Grünen im Landtag, folgte auf Einladung des Offenburger Abgeordneten Thomas Marwein zu einem Austausch mit dem Verein "Forum Weißtanne" in das Sägewerk Echtle in Nordrach. Im Gespräch mit Ewald Elsäßer, Geschäftsführer des Forums und früherer Forstamtsleiter, und Manuel Echtle, Sägewerksbesitzer aus Nordrach, Forum-Vorstandsmitglied und im Landesverband der Sägeindustrie aktiv, ging es vorwiegend um die Bedeutung der Weißtanne als Zukunftsbaum und deren oft unterschätzten Wert als regionaler, nachwachsender Rohstofflieferant. Die Weißtanne wird, das wurde im Gespräch deutlich, als "Vater des Waldes" bezeichnet. Sie hat als Charakterbaumart diese Position nur im Schwarzwald bisher halten können. Diese Baumart droht aber zunehmend als Hauptnadelbaum im naturnahen Wald ihre Bedeutung zu verlieren. Die Weißtanne steht nicht mehr wie einst in Konkurrenz zur Fichte, vielmehr mit Fremdländerbaumarten wie Douglasie und Roteiche, die mit den Klimaveränderungen besser fertig werden. Der Klimawandel fordert im Wald seinen Tribut. Das geht vorwiegend auf Kosten der Fichte, die darüber hinaus auch noch den Kampf mit dem Borkenkäfer aufnehmen muss. Deren Platz soll nun verstärkt die Weißtanne einnehmen.

"Die Weißtanne wird den Kampf mit dem Klimawandel als einzige heimische Baumart am besten überleben. Sie kommt als Tiefwurzler mit Trockenphasen wie in den vergangenen beiden Jahren am besten über die Runde und wird auch den zunehmenden Windstürmen aufgrund dem stabilen Wurzelwerk am meisten Widerstand liefern", ist sich der frühere Forstdirektor Ewald Elsässer sicher. Die Weißtanne werde auch als Bauholz interessanter, Potentiale lägen in den modernen Bauholzprodukten, wie Brettschicht- und Brettsperrholz, im Innenausbau und den Fassadenverkleidungen, sagt Manuel Echtle. Er ist überzeugt: "Die Weißtanne hat Zukunft." Der künftige klimastabile und mehrstufige Wald brauche eine Mischung aus Laubbäumen, Weißtannen und weiteren Nadelholzarten. Baden- Württemberg liege mit einem achtprozentigen Weißtannenanteil im Bundesgebiet an der Spitze, wobei der Schwarzwald mit nahezu 20 Prozent den Hauptanteil darstellt.

Hier geht die Forderung der Holzfachleute an die Politiker, dafür zu sorgen, dass in den Staats- und Kommunalwäldern mehr für die Wiederbeforstung mit Weißtanne unternommen wird. Dabei seien die Privatwaldbesitzer gleichermaßen gefordert. Sägewerker Manuel Echtle sieht ein weiteres Problem in der Holzwirtschaft: "Wir haben zu viel Holztourismus, Holz wird durch halb Europa hin und her gekarrt." Die heimische Holzwirtschaft wünscht, dass der Verbraucher mehr auf Regionalität Wert legt. Was bei vielen Lebensmitteln fast schon selbstverständlich ist, nämlich dass der Konsument auf die regionale Herkunft Wert legt, sei beim Holz noch nicht angekommen. Echtle sieht hier das heimische holzverarbeitende Gewerbe gefordert: "In Bayern und Österreich ist dieses Gewerbe innovativer. Dort entstehen überall moderne Brettsperrholzwerke, die beziehen dann über lange Transportwege unser Holz, das letztlich wieder auf langen Weg als Fertigprodukt zurückkommt." Architekten und Bauherren sollen nicht nur Holz verbauen, sondern auch das heimische Produkt fordern.

Der Wunsch nach mehr heimischer Ware müsse vom Markt kommen. Den beiden Abgeordneten wurde mit auf den Weg gegeben, bei öffentlichen Baumaßnahmen hiesiges Holz zu verbauen und der ökologisch interessanten Weißtanne den Vorzug zu geben. "Es kann doch wirtschaftlich und ökologisch nicht sein, dass wir Holz aus unseren Wäldern über weite Strecken transportieren und verarbeiten lassen, bis es vom örtlichen Zimmermann verwendet werden kann", sagt Elsäßer.

Umgekehrt müsse Holz aus waldreichen Gebieten wie dem Schwarzwald als Fertigprodukte in waldarme Gebiete transportiert werden.