Wichtige Bauteile

Die Welt muss noch eine ganze Weile mit der Chip-Knappheit leben

dpa,bkr

Von dpa & Bernd Kramer

So, 25. April 2021 um 19:42 Uhr

Wirtschaft

Eine Entspannung auf dem Markt für Mikroprozessoren ist nach Ansicht von Konzernchefs nicht zu erwarten. Nicht nur die Autobauer sind von dem Mangel betroffen.

Der Volkswagen-Konzern befürchtet wegen der anhaltenden Flaute bei der Versorgung mit Elektronikchips noch größere Schwierigkeiten im laufenden Quartal. "Von Zulieferern und auch aus der Volkswagen-Gruppe selbst heraus wird uns gesagt, dass wir im zweiten Quartal vor erheblichen Herausforderungen stehen, wahrscheinlich noch herausfordernder als im ersten Quartal", sagte Seat-Chef Wayne Griffiths der Financial Times. Der Konzern hatte bereits davon gesprochen, dass im ersten Quartal rund 100 000 Autos wegen Chipmangels nicht wie geplant hätten produziert werden können – und das sei im Jahresverlauf wohl auch nicht mehr wettzumachen.

Viele Autobauer haben mit einem Mangel an Halbleitern zu kämpfen

Bei der Produktion im Seat-Stammwerk im spanischen Martorell lebe man derzeit "von der Hand in den Mund", sagte der seit Oktober amtierende Seat-Chef. Erst nach Belieferung von Elektronikbauteilen durch die Hersteller entscheide die VW-Tochter, welche Modelle gebaut würden. In diesem Jahr sei Flexibilität entscheidend. In den Werken des VW-Konzerns wird immer wieder die Produktion von Autos gestört, weil elektronische Bauteile fehlen. So drosselt Audi in der kommenden Woche die Produktion in Neckarsulm.

Viele Autobauer aus Deutschland und dem Rest der Welt haben derzeit mit verzögerten Lieferungen von Halbleitern zu kämpfen. Daimler kündigte an, in nächster Zeit womöglich mehr Mitarbeiter als ohnehin geplant in Kurzarbeit zu schicken.

Auch der Telekommunikationsausrüster Cisco rechnet damit, dass die Chip-Engpässe noch weitere sechs Monate dauern werden. Chef Chuck Robbins sagte der BBC: "Die Chip-Hersteller bauen kontinuierlich Kapazitäten auf."Es werde aber noch einige Zeit dauern, bis sich dies am Markt wirklich zeige. Auch Hersteller von Fernsehern, Handys und Haushaltsgeräten leiden unter der Knappheit, wie die Financial Times schreibt. Der Chef des Waldkircher Sensorbauers Sick, Robert Bauer, hatte unlängst gesagt, es sei deutlich schwerer geworden, den eigenen Chip-Bedarf zu decken. Andererseits profitiert das Unternehmen, da Sick-Technik beim Bau neuer Mikroprozessor-Fabriken genutzt wird.

Starke Nachfrage ist eine Folge der Digitalisierung

Für den engen Markt werden mehrere Gründe genannt. Die Nachfrage nach den Elektronik-Bauteilen hat im Zuge der Corona-Pandemie zugenommen. Aufgrund von wachsendem Homeoffice-Gebrauch und der stark wachsenden digitalen Kommunikation werden mehr leistungsfähige Rechner mit entsprechenden Chips benötigt. Die Autoindustrie hatte ihren Bedarf unterschätzt, drängt aber jetzt angesichts steigender Produktionszahlen vermehrt wieder auf den Markt. Das E-Auto facht die Nachfrage zusätzlich an. Für seine Herstellung wird in der Tendenz mehr Mikroelektronik benötigt als für den Verbrenner. Außerdem decken sich einige chinesische Unternehmen kräftig mit Chips ein. Die Firmen fürchten, die amerikanische Regierung könnte sie in Zukunft von der Versorgung mittels verschärfter Sanktionen abschneiden.

Erschwerend kommt hinzu, dass eine wichtige Chip-Fabrik in Japan durch ein Feuer lahmgelegt wurde. Auch die Unwetter in Texas bereiteten den Produzenten von Mikroprozessoren erhebliche Schwierigkeiten.