Die Wogen haben sich geglättet

Wilfried Dieckmann

Von Wilfried Dieckmann

Sa, 30. Juli 2022

Grafenhausen

Martin Wangler darf mit seinem Kabarettprogramm die Ausfahrt Schlüchtsee nehmen / Naturschutzbedenken ausgeräumt.

. Um den geplanten Auftritt des Kabarettisten Martin Wangler am Schlüchtsee bei Grafenhausen gab es im Vorfeld Wirbel, weil der Auftrittsort in unmittelbarer Nachbarschaft zum dortigen Naturschutzgebiet liegt. Das Regierungspräsidium Freiburg hat mittlerweile grünes Licht gegeben, nachdem das Ministerium für Ernährung, Ländlicher Raum und Verbraucherschutz die Regionalkampagne "Natürlich.VON DAHEIM" bereits seit Mitte Juli bewirbt. Befürchtet worden waren Beeinträchtigungen des Naturschutzgebietes.

Wie Bürgermeister Christian Behringer bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in Erinnerung rief, wird im August am Schlüchtsee der Kabarettist Martin Wangler alias Fidelius Waldvogel ein Gastspiel "Nächste Ausfahrt: Heimat!" geben. Anreisen wird Wangler mit seiner von einem Eicher-Traktor (Baujahr 1968, Modell Königstiger) gezogenen Wanderbühne, die er selber als "Stubewägele" mit aufklappbarer Bühne bezeichnet. Die Zuschauer werden bei dem 90-minütigen Programm zwischen Kiosk und dem auf dem Weg am See stehenden Wagen sitzen. Angesichts zur unmittelbaren Nähe des streng geschützten Naturschutzgebiets sind Veranstaltungen am Schlüchtsee jedoch problematisch. So habe es nach Angaben des Bürgermeisters einige Rückfragen des Ministeriums und Regierungspräsidiums vor allem wegen der geschützten Fledermäuse, die sich in dem Gebiet aufhalten, gegeben. Befürchtet wurde insbesondere, dass Scheinwerfer, die auf die Wanderbühne gerichtet sind, auch den Schlüchtsee beleuchten könnten. Dies jedoch, so der Bürgermeister, sei nicht der Fall, weil das Programm bereits um 19 Uhr beginne und um 20.30 Uhr beendet sein wird. Somit werden angesichts des noch vorhandenen Tageslichts keine größeren Strahler benötigt. Auch handele es sich nicht um ein Konzert mit klangstarken Lautsprechern, sondern um ein Kabarettprogramm in vertretbarer Lautstärke. Zudem werde seitens des Veranstalters im Rahmen der Aufführung auf die Bedeutung des Naturschutzes in dem geschützten Gebiet hingewiesen. Im Programm selbst komme das Thema Wertschätzung der Natur nach Aussage des Regisseurs Uwe Baumann ebenfalls vor. Dies sei zudem ein gemeinsames Anliegen aller Beteiligten. Dazu gehöre auch die Naturschutzbund-Ortsgruppe Grafenhausen. Wie Uwe Baumann im BZ-Gespräch mitteilte, habe er deswegen mit dem NABU-Vorsitzenden Harald Nüssle gesprochen, der die Idee, unmittelbar bei der Veranstaltung zu informieren, ausdrücklich begrüßte. Er habe auch Verständnis dafür, dass von Seiten des Naturschutzes bei geplanten Veranstaltungen am Schlüchtsee nachgefragt werde. Die Natur zu schützen liege in der DNA der NABU-Aktiven.

Nach Gesprächen konnten nach Angaben des Bürgermeisters alle Unklarheiten ausgeräumt werden. "Alle fachlichen und emotional missverständlichen Dinge müssten zur Zufriedenheit aller Beteiligten nun geklärt sein", betonte auch Uwe Baumann. Von Seiten des Regierungspräsidiums (RP) Freiburg wurde zwischenzeitlich auch schriftlich bestätigt, dass unter den genannten Voraussetzungen davon auszugehen sei, dass das Naturschutzgebiet durch die Veranstaltung nicht beeinträchtigt werde. Eine Befreiung von den Vorschriften der Naturschutzgebietsverordnung oder nach Naturschutzgesetz des Landes-Baden Württemberg sei somit nicht erforderlich. Allerdings wurde darum gebeten, künftig nicht nur den NABU, sondern auch die Höhere Naturschutzbehörde im RP frühzeitig zu informieren.

Gemeinderätin Barbara Bohl (FW) wunderte sich, dass wegen einer Veranstaltungsstunde ein derartiges Gedöns gemacht werde. Christian Behringer fand es sehr ärgerlich, dass am Schlüchtsee wegen dem Biber alle See- und Teichrosen weg seien und meinte: "Es wäre schön, wenn sich das RP mal mit der gleichen Intensität darum kümmern würde."