Die Wunden heilen nicht

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 07. Juli 2019

Ringen

Der Sonntag In Adelhausen und Hausen-Zell bereiten sich die Ringer auf die neue Saison vor.

Die Ringen-Bundesligisten des TuS Adelhausen und der RG Hausen-Zell befinden sich mitten in der Vorbereitungsphase auf die kommende Saison. Beide Teams haben sich verstärkt. Wobei die Wiesentäler eher auf einen tiefbesetzten, die Dinkelberger auf einen stark verschlankten Kader setzen.

Dass Zeit alle Wunden heilt, muss nicht immer stimmen. Manchmal lässt sie sich dabei ziemlich Zeit. "Man verdrängt es eher, als dass man es akzeptiert", sagt der Trainer des TuS Adelhausen, Florian Philipp. Der Abstand von gut sechs Monaten dürfte dazu beitragen, dass er das Winterdrama mittlerweile etwas gelassener sehen kann.

Während der neue Kader in der Heimat jüngst in die zweite Vorbereitungsphase – jetzt auf der Matte – eingestiegen ist, verbringt der Bundesligacoach ein paar Urlaubstage in der Heimat seiner portugiesischen Partnerin. Doch auch die Atlantikküste macht nicht ganz vergessen, dass seine Dinkelberger noch mitten in einem Rechtsverfahren stehen: "Es hat sich nichts geändert, die Sache wird weiterhin geprüft." Der Rechtsstreit um die Verbandswertung des Bundesliga-Halbfinals der vergangenen Saison geht weiter.

Zum Hinkampf in der Halbfinalrunde war Adelhausen-Gegner SV Wacker Burghausen am ersten Januarwochenende aufgrund von Schneechaos gut 60 Minuten zu spät gekommen. Bei der TuS schneiten seitens des Verbands zeitgleich unterschiedliche Nachrichten ein. Kämpfen oder nicht kämpfen, lautete letztlich die Gretchenfrage. Der Unparteiische hätte den Kampf durchaus mit 40:0 für Adelhausen werten können, denn das sonst gemeinsame und für die Aufstellung essentielle Wiegen fand nicht zeitgleich statt. Ein nicht unerheblicher taktischer Nachteil. Das Schiedsgericht aber entschied anders und so wurde schließlich dann doch gekämpft.

Ein Unentschieden sprang dabei heraus. Und Adelhausen legte eine Beschwerde ein, die der Verband abwies. Dem Urteil nach konnte der spätere deutsche Meister nachweisen, rechtzeitig die Fahrt angetreten zu haben. Der tumultartige Rückkampf endete letztlich mit 17:11 für Burghausen. Die Hochrheiner gingen in die Berufung. Die zu klärende Frage bleibt: Waren im Hinkampf faire Bedingungen gegeben?

Der Ausgang ist offen. Einerseits müssen sich die Dinkelberger nun für die Zukunft wappnen, andererseits können und wollen sie die Vergangenheit nicht ganz ruhen lassen. Fest steht, dass sie heuer etwas zartere Töne anschlagen, als letztes Jahr, als sie vehement auf den Titel gezielt hatten. Was auch damit zu tun hat, dass die Hauptkonkurrenten Heilbronn und Burghausen keineswegs gekleckert haben bei ihren Sommereinkaufstouren.

"Unser Kader dagegen ist stark verschlankt, das Erreichen der Playoffs muss unser Ziel sein", findet Philipp. Nedyalko Petrov, Manrikos Theodoridis, Edgaras Voitechovskis, Denis Horvath und Gregor Reim stellen das neue, durchaus namhafte Ausländer-Quintett bei den Dinkelbergern. Alle könnten für ihr Land für die WM nominiert werden. Mächtig Qualität also. Allerding auch ein großer Aderlass: 14 Ringer haben den gescheiterten Halbfinalisten verlassen. Unter dem Strich steht nicht unbedingt weniger Qualität, aber in jedem Fall eine geringere Quantität. Philipp: "Da müssen wir gut haushalten."

Minimalziel ist der Klassenerhalt

Zitterndes Haushalten wollen die Bundesliga-Nachbarn aus Hausen-Zell kommende Saison in jedem Fall vermeiden. "Wir haben uns ganz bewusst breiter aufgestellt", betont Trainer Florian Hassler, der die Wiesentäler auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg anleitet.

Wobei da erst einmal die Abgänge zu Buche stehen, die richtig schwer wiegen: Gergö Wöller war jahrelang Punktegarant, Szabolcs Lászlo ebenso lang ungeschlagen, Benny Vogt und Vladislav Wagner zuverlässige Leistungsträger.

Aber auch die Habenseite lässt sich sehen. In Razvan Marian Kovács beispielsweise hat sich die RG die Dienste eines großen Talents gesichert. Vizeeuropameister bei den Junioren und jüngst Fünfter bei der U23-EM ist der 57-Kilo-Mann schon geworden. Zudem wären da noch der Rumäne Alexandru Solomon, das deutsche Talent Leon Gerstenberger, der Deutsch-Pole Arkadiusz Böhm, und der Russe Zurab Kapraev sowie eine Handvoll Jugendringer aus dem eigenen Stall.

Insgesamt treiben sie bei der RG weiterhin leidenschaftlich ihre Professionalisierung voran. Marketingtechnisch eilen sie einem Gros der Konkurrenz ohnehin bereits voraus. Sportlich gesehen ist wahrscheinlich die erstmals eingeführte sportmedizinische Leistungsdiagnostik ein Quantensprung. Trotzdem sind auch hier die Töne wenig forsch. Am Hochrhein tönt es geradezu demütig, könnte man fast schon sagen: "Das erste Ziel ist der Klassenerhalt", vermutet Hassler, der aber klar sagt: "Wir sind deutlich besser aufgestellt als letztes Jahr." Was schon einiges heißen mag: Denn in der Auftaktsaison schafften die Wiesentäler den Klassenerhalt relativ problemlos.