Klimaprotest legt Pause ein

skk

Von skk

Mi, 20. März 2019

Donaueschingen

Grund sind die bevorstehenden Abiturprüfungen / Organisatorinnen vernetzen Schulen bei geplanten Schüleraktionen.

DONAUESCHINGEN (wur). Ruhig geworden ist es um die Klimaschutz-Proteste der Donaueschinger Schüler. Am vergangenen Freitag, am zentralen Tag der landes- und bundesweiten Kundgebungen, blieb der Musikantenbrunnen am Rathaus den Touristen vorbehalten.

Drei Wochen zuvor hatten sich Jugendliche der Hauswirtschaftlichen und Kaufmännischen Schulen, des Technischen Gymnasiums, der Realschule und des Fürstenberg-Gymnasiums am Musikantenbrunnen in Richtung Rathausportal aufgestellt und ihre Unzufriedenheit mit der internationalen Klimapolitik in Sprechgesängen herausskandiert. Ob es bei dieser Einzelaktion bleibt, oder ob man gegenwärtig eher von der "Ruhe vor dem Sturm" sprechen sollte, wird sich weisen. Denn die Organisatorinnen legen gegenwärtig eine Pause ein.

Sofia Kexel aus Donaueschingen und Ceyda Gyrnehir besuchen am Donaueschinger Wirtschaftsgymnasium die Abschlussklasse 13 und stehen somit kurz vor den Abiturprüfungen. "Deshalb steigen wir erst nach den schriftlichen Prüfungen wieder ein", erklärt Sofia Kexel. Das dürfte dann ab Mitte April der Fall sein. Innerhalb der Schülerschaft habe es vor dem vergangenen Freitag die Empfehlung gegeben, die Schülerdemos in Villingen oder Freiburg zu besuchen, so die 19-Jährige, die an diesem Tag allerdings nicht teilnahm.

Über das Lernen auf die Prüfungsfächer hinaus bleibt Zeit, an der Organisationsstruktur und Aktionsfähigkeit der Donaueschinger Schülerproteste zu feilen. Denn da lief bisher nicht alles rund. So erreichte die Aufforderung, an der Demonstration am 22. Februar teilzunehmen, die Schüler zwar per Kettenbrief, doch letztlich wurden nicht alle Schulen erreicht, weiß Kexel heute. So hätten Kexel und Gyrnehir beispielsweise damals vor dem Rathaus nicht gewusst, dass sich auch Schüler des Technischen Gymnasiums unter dem vielstimmigen Protestchor befanden. Jetzt soll eine frisch eingerichtete Whatsapp-Gruppe dafür sorgen, dass die nächste Streikaufforderung auch alle Schüler erreicht.

Neben den beiden WG-Abiturientinnen gehören ihr bisher schon zwei Vertreter des Fürstenberg-Gymnasiums an. Der Verteiler soll sich nun um Schüler von Realschule, Eichendorffschule und Gewerblichen Schulen erweitern, hofft Kexel. Für sie wären namentlich genannte Ansprechpartner wichtig, um auf diese Weise sichtbar aus einer diffusen Unzufriedenheit ins aktive Handel umsteigen zu können. Auch wenn das Abitur ansteht, bleibt der engagierte Ansatz der Organisatorinnen ungebremst – wohlwissend, dass ein Schulstreik selbst aus edlen Motiven heraus doch nichts anderes ist als unentschuldigtes Fehlen vom Unterricht. Dabei kamen die WG-Schulstreiker vor drei Wochen noch "preiswert" davon. "Es beschränkte sich auf ein Gespräch", erzählt Kexel; Nachsitzen wurde als Sanktion nicht verhängt.

Was auch drei Wochen nach dem Streik-Einstand weiter steht, ist die Haltung gegenüber der Politik. "Die macht nämlich nichts. Und wenn doch, vergisst sie, neue Ideen im Vorfeld zu hinterfragen", ärgert sich Kexel. So benötige beispielsweise die vermehrte Verwendung von Biodiesel große Anbauflächen, die man der Natur entziehe. Gleiches gelte für den Verbrauch von Palmöl.

"Man will Gutes und tut Schlechtes." Sich als Einzelperson an den Klimademos zu beteiligen, entspreche deshalb der Stellung des Einzelnen im politischen Leben. "Zwar ist es die Aufgabe der Politik, die Klimaziele einhalten, doch tatsächlich etwas tun muss dann doch jeder Einzelne", so Kexel abschließend.