Dreimal Bildung unter einem Dach

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mi, 03. März 2021

Beruf & Karriere

Waldshuter Bildungsakademie bewährt sich auch in Zeiten der Pandemie als verlässlicher Partner des Handwerks.

Überbetriebliche Ausbildung für den Handwerksnachwuchs, Meistervorbereitung in den Bereichen Holz, Farbe und Wohnen (ab August erstmals als Teilzeitmaßnahme) sowie ein breitgefächertes Kurs- und Weiterbildungsangebot: Auf diesen drei Standbeinen wirkt die Bildungsakademie Waldshut, ein Unternehmen der Handwerkskammer Konstanz, als kompetenter Partner des Handwerks – und dies auch in Zeiten der Corona-Krise.

"Der erste Lockdown hat uns als Bildungsakademie nicht ganz unvorbereitet getroffen, da wir bereits mehrere Monate zuvor Testphasen in einzelnen Kursmodulen durchgeführt haben", schildert Christian Herz, Leiter der Bildungsakademie Waldshut, die Situation Anfang des vergangenen Jahres. Somit sei eine Umstellung der Fortbildungsmaßnahmen, beispielsweise für die Betriebswirte und auch im Rahmen der Meistervorbereitungskurse, innerhalb weniger Tage möglich gewesen. "Hierbei haben auch alle Lehrmeister, Dozenten und Kursteilnehmer aktiv mitgewirkt, um eine möglichst reibungslose Fortführung der Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen durchführen zu können", sagt Herz. Da Termine nur kurzfristig geplant werden konnten, war seitens der Prüfungsausschüsse, aber auch der Teilnehmer ein hohes Maß an Flexibilität und Kompromissbereitschaft gefragt.

Als weitere Maßnahmen wurden die Werkstätten teils grundlegend umstrukturiert, um ein ausgeklügeltes Hygienekonzept umzusetzen. "Die große Herausforderung lag und liegt hier auch in der Besonderheit, dass wir drei Bildungseinrichtungen unter einem Dach sind und somit auch ein einheitliches Konzept für die Komplettliegenschaft erarbeitet und abgestimmt werden musste", sagt Herz. Durch die unterschiedlichen Zuständigkeiten wurden unterschiedliche Maßgaben nötig, denn für die Gewerbeschule ist beispielsweise das Kulturministerium, für die Bildungsakademie das Wirtschaftsministerium zuständig. Damit gingen erhebliche Mehrausgaben sowie Investitionen für Hygienemaßnahmen einher. Diese, aber auch die nötigen Umbauten mussten aus eigenen Mitteln gestemmt werden, da die Wirtschaftsbeihilfen für die Körperschaft nicht griffen.

Aufgrund von Corona konnten die sonst hohen Kurszahlen nicht weitergeführt werden und die Auslastungsrate betrug 81 Prozent, was 430 Gruppenwochen entspricht. Davon entfielen mit 63 Prozent mehr als die Hälfte auf den Bereich der überbetrieblichen Ausbildung. Dort mussten auch die Gruppen verkleinert werden. "In der Regel haben wir momentan nur sechs bis acht anstatt zwölf bis 14 Kursteilnehmer in einer Kursgruppe", gibt Herz ein Beispiel.

Auch in Sachen Berufsorientierung konnten nur etwa die Hälfte oder noch weniger der geplanten Maßnahmen im ersten Halbjahr 2020 stattfinden. Lediglich etwa 400 Schülerinnen und Schüler– anstatt jährlich bis zu 1000 – konnten am Projekt Pro Beruf noch teilnehmen.

Kurszuwächse konnten jedoch beispielsweise im Bereich der Meistervorbereitungskurse im Modul III und IV verzeichnet werden, die für alle Handwerksberufe identisch sind. Und trotz des schwierigen 2020er-Jahres treibt die Bildungsakademie weitere Maßnahmen voran: Seit 2021 führt das Waldshuter Haus ein Projekt des Europäischen Sozialfonds in Baden-Württemberg (ESF) durch. "Unser neues Konzept ‚Ab ins Handwerk‘ richtet sich an Arbeitslose jeden Alters und Geschlechts, mit und ohne Migrationshintergrund, um hier den Weg ins Handwerk zu ebnen", erklärt Herz. Neben Langzeitarbeitslosen sollen auch junge Menschen profitieren, die nach Absolvierung ihrer Schulpflicht und gegebenenfalls ohne Schulabschluss ohne Perspektive in die Arbeitslosigkeit abzurutschen drohen. Ein Job-Coach, sozialpädagogische Betreuung und das Netzwerk des regionalen Handwerks sollen die Vermittlung in eine handwerkliche Tätigkeit beziehungsweise Erstausbildung ermöglichen. "Es ist im Landkreis einzigartig: Der handlungs- und handwerksorientierte Ansatz mit einem Werkstattanteil von 67 Prozent holt gleichermaßen Schulabbrecher, Qualifizierte, Maßnahmenverweigerer und Langzeitarbeitslose, die bereits jeder zur Verfügung stehende Maßnahme absolviert haben, ab und bietet ihnen eine echt berufliche Perspektive", beschreibt Herz das Projekt.

Weiterhin werden die Umbau- und Umstrukturierungsmaßnahmen im Bildungshaus nun nach Erhalt des Bewilligungsbescheids vorangetrieben: Bis voraussichtlich Ende 2022 können Umbau und Digitalisierung abgeschlossen werden. "Zur Sanierung stehen aktuell die kompletten Sanitärräumlichkeiten sowie neu zu schaffende Pausen- und Aufenthaltsräume zur Disposition", sagt Herz und gibt einen weiteren Ausblick: "Ein Teil der Digitalisierung wird bis Endes des ersten Quartals bereits geschafft sein, um auch hier unseren Kursteilnehmern noch mehr Möglichkeiten bieten zu können."