Ansteckende Krankheit

Dreimal mehr Masern-Fälle als vor einem Jahr im Südwesten

Katharina Meyer und dpa

Von Katharina Meyer & dpa

Mo, 25. März 2019 um 19:08 Uhr

Südwest

Sie ist schon ansteckend, bevor sie ausbricht: Die Gesundheitsämter melden eine deutliche Zunahme von Masern-Erkrankungen. In der Region Freiburg gab es drei Fälle, in der Ortenau neun.

Die Masern breiten sich in Südbaden aus – wie in ganz Baden-Württemberg. Seit Jahresbeginn sind im Land 42 Fälle gemeldet worden, dreimal mehr als im Vorjahr, wie das Landesgesundheitsamt mitteilt. Davon fallen 25 auf Anfang März.

In jedem zweiten Fall handelt es sich um Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 21 Jahren. In Freiburg gibt es zwei aktuelle Fälle, vergangene Woche war ein weiterer Fall im Münstertal vom Labor bestätigt worden. Besonders betroffen ist die Ortenau: 2019 gab es dort bereits neun Fälle. Der jüngste wurde am Montag bestätigt, wie der Leiter des Gesundheitsamtes Ortenaukreis, Claus Michael Gross, mitteilte.

Schulverbot für Kinder ohne Impfung

"Nach jetzigem Stand ist es bei allen Fällen gelungen, die Weiterverbreitung zu verhindern", sagt Gross. Dafür treiben die Gesundheitsämter einigen Aufwand. Maserninfizierte sind drei bis fünf Tage vor Ausbruch des Hautausschlages schon ansteckend – und bis zu vier Tage nach Auftreten der charakteristischen Pünktchen. "Wir ermitteln alle Personen, zu denen der Patient in diesem Zeitraum Kontakt hatte", so Gross. Für ungeimpfte Kontaktpersonen gebe es die Chance, in den ersten drei Tagen mit einer Impfung die Krankheit zu verhindern.

Wurde ein erkranktes Kind in einer öffentlichen Einrichtung betreut, werden in der Regel Sicherheitsvorkehrungen getroffen: Für einen gewissen Zeitraum dürfen Kinder, die keine zwei Impfungen oder keine durchgestandene Infektion nachweisen können, die Einrichtung nicht besuchen. Bei der betroffenen Schule im Münstertal dauert dieser Ausschluss bis zum 1. April an – genauso verfährt man nun in der Waldorfschule Rieselfeld in Freiburg. Ein Viertel bis ein Drittel der Schüler habe zunächst zu Hause bleiben müssen, sagte deren Geschäftsführer Markus Keller.

Woran erkennt man, ob ein Kind Masern hat?

Die Krankheit beginnt mit Fieber, Schnupfen und Husten, ganz ähnlich einer schweren Erkältung, erläutert Gross. "Nach drei bis sieben Tagen kommt dann der typische bräunlich-rosafarbene Hautausschlag dazu, der im Gesicht beginnt." Ganz wichtig: Bei Verdacht auf eine Erkrankung sind alle Orte zu meiden, wo das Kind andere anstecken könnte.

Der Kinderarzt sollte telefonisch informiert werden, sodass er Vorkehrungen treffen kann. Gross: "Die Masern sind eine der ansteckendsten Erkrankungen, die es gibt." Die Behörden raten allen nach 1970 Geborenen, zu überprüfen, ob sie zweimal geimpft sind. Bei Älteren geht man davon aus, dass sie gegen das Virus immun sind.

Weil sich die Masern derzeit in mehreren deutschen Regionen ausbreiten, wird erneut eine Impfpflicht für die Krankheit diskutiert. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte, er sei deswegen mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Gespräch. Ein Sprecher Spahns sagte, die Krankheit werde zu häufig auf die leichte Schulter genommen.

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