Mit blecherner Leichtigkeit durch die Genres gejazzt

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 11. Februar 2019

Efringen-Kirchen

Das virtuose Jazz-Duo "Low Planet" in der Kulturscheune Rabe.

EFRINGEN-KIRCHEN. "Ein bisschen querbeet durch den Gemüsegarten" ging es im Konzert des Duos "Low Planet" in der Kulturscheune Rabe. "Uns gefällt’s", meint Posaunist Uli Binetsch launig, der zusammen mit dem Tubisten Jörgen Welander einen originellen Mix aus eigenen Stücken, Jazzstandards, Blues, Latin und Pop-Titeln aufführte. Dem zahlreich erschienenen Publikum gefiel es im gemütlichen Scheunenambiente ebenso gut, wie sich die gewieften Jazzmusiker mit Spielwitz geschmeidig durch die Genres zappten. Als Special Guest hatten sie den Gitarristen Johannes Maikranz dabei.

Die Musiker sind gerade auf CD-Release-Tour und stellten Stücke ihrer neuen CD vor. Sie machen gerne Halt in der Kulturscheune von Christian Rabe, hat doch der Hausherr früher mit dem Tubisten Jörgen Welander, gebürtiger Schwede, in der Basel Sinfonietta gespielt. Es gibt wohl kaum einen Zweiten, der diesen schweren voluminösen Tieftöner so wendig, so virtuos als Soloinstrument einsetzt. Ihm zur Seite steht mit Uli Binetsch ein nicht minder experimentierfreudiger und innovativer Jazzer und Posaunist, der schon mit Peter Herbolzheimer auf Tour war und sich in vielen musikalischen Stilen wohl fühlt. Da haben sich zwei höchst individuelle Blechbläser gefunden, die glänzend harmonieren und die Zuhörer mit überraschenden Klangeffekten und Performances bestens unterhalten.

Die beiden demonstrieren, was aus der Kombination Posaune und Tuba herauszuholen ist. Ihr musikalischer Dialog klingt so angeregt, als würden sie diskutieren.

Schließlich holt das Duo den Gitarristen Johannes Maikranz mit aufs Podium, denn zu dritt klingt es "noch besser", wie Binetsch sagt. In ihrer eigenwilligen Interpretation von "I shot the Sheriff", nach der Version von Reggae-Ikone Bob Marley, legen sie gleich fulminant lässig los. Bei dem meditativen Stück "Quartet" entfalten die Musiker einen kontemplativen, fast schon filmischen Sound, auch mit eingespielten und selbst erzeugten Geräuschen und Klängen von Meer und Wind. Da bläst Uli Binetsch auch mal auf einer Muschel. Im "Tuba-Rag", einer Eigenkomposition, lässt Welander sein wuchtiges Instrument wieder wunderbar tänzerisch und "leichtfüßig" klingen.

Nach der Pause verbreiten die Musiker in der Kulturscheune immer mehr Jazzclub-Atmosphäre. In "First Step" spielt der Posaunist mit Dämpfer wunderbar weich. Da die beiden eine CD mit Popstücken planen, haben sie mit "Lean on me" auch einen Poptitel im Programm. Aber auch bekannte Jazznummern haben sie im Repertoire, darunter "Armando's Rhumba" von Chick Corea, hinreißend im Sound von Posaune und Tuba und sehr virtuos an der Gitarre gespielt.

Ordentlich Gas geben sie im Schlusstitel "Low Planet Move", den sie mit eingespieltem Schlagzeugsound rhythmisch effektvoll aufladen. In der Zugabe, dem bluesig samtweich und gefühlvoll gespielten "Georgia", wandeln die Bläser zwischen den Publikumsreihen hindurch. Und mit "Night in Tunisia" von Dizzy Gillespie als zweiter Zugabe klingt ein musikalisch erfrischender Abend aus, der richtig gute Laune machte.