Eishockey

EHC Freiburg gewinnt drittes Playoff-Halbfinale mit 5:4

Matthias Konzok

Von Matthias Konzok

Fr, 07. Mai 2021 um 22:05 Uhr

EHC Freiburg

Die Wölfe wahren ihre Chance auf das Playoff-Finale: Der EHC gewinnt das dritte Halbfinalspiel gegen die Bietigheim Steelers mit 5:4 und verkürzte in der Best-of-five-Serie auf 1:2.

2009 war für die Freiburger Eishockeysparte das Jahr der Phantomtore. Das eine Mal kassierten die Wölfe in der Verlängerung einen Treffer, der keiner war – der Puck hatte das Tor schlichtweg verfehlt. Das andere Mal setzten die Wölfe den Puck ins Netz und schauten verdutzt, als der Schiedsrichter signalisierte, dass dem nicht so gewesen sei. Die Dramaturgie wollte, dass es in beiden Fällen derselbe Unparteiische war, und man musste damals fürchten, dass er irgendwann in einem Eisstadion stehen und ein Spiel anpfeifen würde, das gar nicht existierte. Doch zu seiner Ehrenrettung ist zu betonen, dass seinerzeit der Videobeweis in der zweithöchsten Klasse noch nicht etabliert war.

Zwölf Jahre später, beim dritten Playoff-Halbfinalspiel des EHC Freiburg, konnte das Schiedsrichtergespann auf die inzwischen verpflichtende Kameratechnik zurückgreifen und sich noch einmal vor Augen führen lassen, was Scott Allen in der 32. Minute gerade angestellt hatte. Per Bauerntrick wollte der EHC-Angreifer den Bietigheimer Torhüter Leon Doubrawa überwinden, scheinbar ging die Scheibe jedoch am Tor vorbei. Doch was in Realgeschwindigkeit zunächst nicht zu erkennen war, offenbarte sich durch die Übertorkamera umgehend: Doubrawa hatte sich derart an den kurzen Pfosten gelehnt, dass sich das Torgestänge am langen Pfosten um Zentimeter emporhob – genug Platz für den Puck, um darunter den Weg wieder aus dem Tor heraus zu finden.

Nachdem die Unparteiischen den Videobeweis konsultiert hatten, entschieden sie folgerichtig auf Tor. Für die Freiburger war es der wichtige Treffer zum 2:3-Anschluss. Am Ende triumphierten die Wölfe mit 5:4 (0:1, 2:2, 3:1) über die Steelers und verkürzten in der Best-of-five-Serie auf 1:2. Die Partie war einmal mehr die Bestätigung für die Moral und die Comeback-Qualitäten der Freiburger Mannschaft, die sich trotz mehrerer Rückschläge immer wieder aufrappelte.

Bietigheim-Coach Naud hadert mit der Effizienz

Die Bietigheimer Führung durch C.J. Stretch nach vier Minuten hatte den EHC früh aus dem Tritt gebracht. Die Freiburger fanden nur selten einen Weg, gegen die abermals kompakte Steelers-Defensive Torgefahr zu kreieren, die beste Chance – binnen Sekunden in dreifacher Ausführung – hatte Christoph Kiefersauer (11.). Zu weitaus mehr gefährlichen Abschlüssen kamen die Gäste, allen voran wenn sie schnell aus dem eigenen Drittel umschalteten. Dreimal konterten die Steelers aussichtsreich, ließen jedes Mal den zweiten Treffer liegen. Es war indes der einzige Makel einer im Eröffnungsabschnitt erneut nahezu fehlerlos agierenden Bietigheimer Equipe. "Wir haben das erste Drittel sehr gut gespielt und die Partie kontrolliert", zeigte sich Gäste-Trainer Daniel Naud zufrieden, haderte aber mit der Chancenverwertung: "Wenn wir kaltschnäuzig sind, kann es auch 4:0 stehen."

"Ich bin noch nicht bereit, nach Hause zu gehen." EHC-Coach Peter Russell nach dem ersten Drittel in der Kabinenansprache
EHC-Coach Peter Russell hatte bis dahin keinen Gefallen am Auftritt seines Teams gefunden, der EHC habe fast lethargisch gewirkt, "es war wie ein Ligaspiel. Man hat nicht gemerkt, dass es für uns um alles geht". Dem Schotten fehlte der Playoff-Spirit. "Ich bin noch nicht bereit, nach Hause zu gehen", habe er seinen Spielern in der Kabine gesagt. Und seine Akteure offenbar auch nicht. Obwohl Riley Sheen nur 31 Sekunden nach Beginn des Mittelabschnitts zum 2:0 traf, lösten sich die Freiburger allmählich von ihren Fesseln. "Wir haben nicht mehr viel zugelassen, unser Forechecking war fantastisch", lobte Russell, während Naud konstatierte: "Freiburg hat immer besser ins Spiel gefunden und zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht."

Andreé Hult (1:2/27.) und Scott Allen (2:3/32.) durch besagten Bauerntrick verkürzten jeweils, während die Gäste zwischenzeitlich durch Stretch nachgelegt hatten. Im dritten Drittel musste der EHC zunächst eine Drangphase der Steelers überstehen, schlug dann aber zu: Erst glich Evan Mosey zum 3:3 aus (44.), dann traf Marc Wittfoth zur erstmaligen Freiburger Führung (4:3/50.).

Chris Billich staubt zum Siegtreffer ab

Das emotionale Auf und Ab der Partie sollte sich allerdings fortsetzen. In Überzahl markierte Sheen den Bietigheimer Ausgleich, knapp fünf Minuten vor dem Ende. Die zweite Verlängerung der Serie – am Mittwoch hatten die Steelers mit 3:2 in der Overtime gewonnen – deutete sich an. Abermals hatten die Freiburger jedoch noch eine Antwort parat: 67 Sekunden vor dem Ende staubte Chris Billich zum 5:4-Siegtreffer ab, auch mit sechs Feldspielern konnten die Gäste den Ausgleich nicht mehr erzwingen.

Naud sprach von einem erneut schnellen Spiel zwischen diesen beiden Mannschaften, musste im Gegensatz zu den ersten beiden Partien jedoch den Auftritt seines Teams bemängeln. "Freiburg hatte mehr Leben in seinem Spiel", befand Naud, die Anstrengungen seiner Akteure bewertete er in der Summe als "nicht genug".

Für den EHC Freiburg, der für die kommende Saison Eigengewächs Sofiene Bräuner (21, Sturm) nach zwei Oberliga-Jahren (Essen, Lindau, Leipzig) zurückgeholt und den Vertrag mit Patrick Kurz (25, Abwehr) verlängert hat, geht es mit Spiel vier am Sonntag, 17 Uhr, in Bietigheim weiter.
Statistik

Aufstellung EHC Freiburg
Tor: Salvarani (Mathis).
Abwehr: Pageau/Spornberger; Kurz/Neher; Kaisler/Brückmann.
Sturm: Billich/Hult/Allen; Bassen/Linsenmaier/Mosey; Wittfoth/Ustorf/Kiefersauer; Khaidarov, Tschwanow, Saakyan.

Tore
0:1 (03:54) Stretch (Goc, Schoofs)
0:2 (20:31) Sheen (McKnight, Jasper)
1:2 (26:37) Hult (Allen, Pageau)
1:3 (29:21) Stretch (Breitkreuz, Renner)
2:3 (31:29) Allen (Billich, Hult)
3:3 (43:37) Mosey (Bassen, Linsenmaier)
4:3 (49:15) Wittfoth (Kiefersauer, Kaisler)
4:4 (54:39) Sheen (Schüle, McKnight) 5-4
5:4 (58:53) Billich (Allen, Hult)

Schuss-Statistik: 39:34 (13:15, 12:10, 14:9).
Strafminuten: 6 – 6.