Eishockey

EHC Freiburg will gegen Dresden den dritten Saisonsieg

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 22. September 2019 um 11:55 Uhr

Eishockey

Der Sonntag Der Eishockey-Zweitligist EHC Freiburg kommt in Fahrt: Nach dem 2:0-Auswärtssieg in Bayreuth wollen die Wölfe heute, 17 Uhr, gegen die Dresdner Eislöwen ihren dritten Saisonsieg einfahren.

Als das neue plüschene Wolfsmaskottchen die Freiburger-Eishockeyrecken zum Heimauftakt vor sieben Tagen aus einem überdimensionierten Wolfsmund heraus aufs Eis eskortierte, da wussten sie in mehrerlei Hinsicht noch nicht so recht, wo sie eigentlich stehen. Für die Eishockey-Spieler des EHC Freiburg hatte der zweite Spieltag aber Symbolcharakter.

"Echte-Helden-Arena" bis 2024

Einmal wäre da der wollene Wolf – Ausdruck der neuen Marketingbemühungen des Eishockey-Zweitligisten. Bis dato kommt er namenlos daher, der Namenswettbewerb in den sozialen Medien dauert an. Weit über 300 Vorschläge und Kommentare zur neuen Symbolfigur sind eingegangen. Sie decken das gesamte Spektrum ab, reichen von absurd bis genial – Wolfi, Wolfgang oder Franz, in Anlehnung an den Vereinsgründer Franz Siegel.

Apropos Siegel. Bisher trug die Eishalle des Zweitligisten den Namen des Gründervaters. Seit diesem Sommer aber firmiert die mitgenommene Spielstätte, die jüngst eine neue Lichtanlage bekommen hat, unter dem Titel "Echte-Helden-Arena." Sie hat eine Betriebserlaubnis bis 2024. Ob die Halle saniert wird oder ein Neubau möglich ist, steht noch nicht fest. Bis zum Ende des Jahres soll es laut dem Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn eine richtungsweisende Entscheidung geben.

Viel Neuland beim EHC

Viel Neuland also beim EHC Freiburg. Kein Wunder, dass es sich mit dem EHC-Spiel bisher noch ein wenig wie mit den Namensvorschlägen verhält. Genie und Wahnsinn liegen derzeit nah beieinander. Phasen, in denen der rasante Spielstil des neuen Trainers durchscheint, wie beim 3:2-Auftakt-Heimerfolg über die Ravensburger Towerstars, wechseln sich mit Perioden stotternder Kommunikationsprobleme ab.

Noch greifen nicht alle Rädchen ineinander, so wie bei der 3:7-Pleite gegen die Lausitzer Füchse, als ein paar Minuten reichten, um die Auftaktniederlage zu besiegeln. Hinzu kommt der starke 2:0-Auswärtserfolg bei den Bayreuth Tigers am Freitag. Die bisherige Bilanz liest sich gut, für echte Prognosen ist es aber zu früh.

Die derzeitige Unbeständigkeit überrascht kaum. Der DEL-Zweitligist, der sich vergangenes Frühjahr nur um Haaresbreite den Klassenerhalt sichern konnte, hatte diesen Sommer einen großen Umbruch zu verkraften.

Besonders groß fiel dieser in den beiden Führungspositionen aus. Beim gemeinsamen Spaziergang durch die sonnenverwöhnte Innenstadt sind die neuen Hauptverantwortlichen der Wölfe gut aufgelegt. "Peter ist lustig, detailgetreu. Seine Ansprachen sind mitreißend", beschreibt Neu-Sportchef Daniel Heinrizi den neuen Headcoach Peter Russell. "Er hilft, wo er nur kann", sagt wiederum der Cheftrainer über den sportlichen Leiter.

Das neue Führungs-Duo

Beide sind mit mächtig Vorschusslorbeeren in den Breisgau gewechselt. Heinrizi arbeitete zuvor in Bad Nauheim, war dort Cheftrainer und zuletzt Sportlicher Leiter. Bei den Frankfurt Lions assistierte er bereits in der DEL. Die Wölfe sind für ihn ein "schlafender Riese." Ein 33-Jähriger Manager als personifizierter Koffeinkick.

Trainer Russell soll auf dem Eis zum Wachmacher werden und das große Potenzial des Teams wecken. Er hat bereits bewiesen, dass er Underdogs zu Gewinnerteams formen kann. Als Nationaltrainer führte er Großbritannien zur A-WM, wo sie entgegen aller Prognosen den Klassenerhalt packte. In Freiburg will er es Schritt für Schritt angehen. "Wir machen das Block für Block", betont der 45-jährige Schotte.

Aber nicht nur neben dem Eis hat sich Einiges getan. Heinrizi und Russell haben die bisherige Transferpolitik umgemodelt und setzen auf hohe Qualität auf den Ausländerpositionen. 14 Abgänge stehen zehn Neuzugänge gegenüber. Das prominenteste Trio dabei besteht aus den Nordamerikanern Nick Pageau, Luke Pither und Cam Spiro.

"Wir wollen unseren eigenen Style verinnerlichen" EHC-Coach Peter Russell

Der in Qualität und Quantität verstärkte Kader soll aber nicht nur individuelle Schlaglichter setzen, sondern durch Hochgeschwindigkeits-Eishockey überzeugen. "Wir wollen unseren eigenen Style verinnerlichen", sagt Russell. "Aggressiv in Defensive und Offensive", ergänzt Heinrizi. Pressesprecher Mike Mengis verschlagwortet die neue Wolfs-DNA: "Temporeich, angriffslustig und zweikampfbereit."

Will heißen, den Puck wollen sie in überfallartigen Angriffen vors gegnerische Tor bugsieren, in der Verteidigung dem Gegner durch beständiges Forechecking die Luft zum Atmen nehmen. "Unerbittlich sein", nennt das Russell. Auf ihrem Selbstfindungstrip wird ihnen das noch durch so manches Tal helfen.