Corona-Geschichten

Ein Baby im Bauch – mein bester Grund, die Pandemie durchzustehen

Lisa Böttinger

Von Lisa Böttinger

Fr, 15. Mai 2020 um 17:55 Uhr

Panorama

Kommen wir aus dieser verrückten Zeit irgendwie heraus, ohne völlig zu verzweifeln? Jeder kann jetzt einen guten Grund finden, durchzuhalten – manchmal hilft dabei auch ein Gedanke an die Zukunft.

Corona stellt unser Leben auf den Kopf und wird in die Geschichte eingehen. Doch diese Geschichte schreiben nicht nur Virologen, Experten und Politiker – sondern wir alle. Die BZ hat ihre Leserinnen und Leser nach ihrer ganz persönlichen Corona-Geschichte gefragt. Zum Auftakt schreibt Lisa Böttinger, 33 Jahre, aus Emmendingen. Sie ist Redakteurin der Badischen Zeitung.

"Als Du geboren wurdest, war Corona-Pandemie" – diesen Satz wird meine Tochter im Leben wahrscheinlich mehrmals hören. Dabei ist sie noch nicht einmal auf der Welt, doch eines scheint sicher zu sein. Bis zum Termin Ende Juni wird sich daran nicht allzu viel ändern. Die Puste, die wir am 17. März kollektiv geholt haben, um die anstehenden Wochen des – ich will das Wort nicht mehr hören – Lockdowns durchzustehen, sie geht vielen langsam aus.

Kommen wir aus der Sache irgendwie unbeschadet heraus, zumindest, ohne völlig zu verzweifeln? Ich glaube, ja. Ich glaube, jeder kann jetzt etwas finden, für sich selbst herauskristallisieren, dass ihn emotional über Wasser hält.

Obwohl ich in den letzten Wochen fast nur zuhause war, durfte ich unverhofft so viele nette Gespräche wie sonst selten in so kurzer Zeit führen, auch außerhalb der eigenen Familie, wohlgemerkt. Mit dem Koch des Asia-Restaurants, bei dem ich ab und zu Essen abhole, und der mir vorher immer so griesgrämig vorkam. Mit der Physiotherapeutin von nebenan, mit Abstand von Garten zu Fenster. Und mit meiner besten Freundin, anderthalb Stunden am Telefon, diesem wunderbaren Ding, das wir die letzten 20 Jahre schon komplett vergessen hatten. Als sie mir und meinen Bauch zwei Wochen später zufällig in der Stadt begegnet, kann sie kaum fassen, wie groß er ist. Ja, man sieht sich wenig, aber wenn, entsteht nicht selten etwas Besonderes.

"Als Du geboren wurdest, war Corona-Pandemie": Auf diesen Satz hin wird meine Tochter fragen, was ist das, dieses Corona? Ich werde ihr dann von einer Zeit erzählen, in der ihre Brüder nicht in den Kindergarten durften, auch nicht zu den Nachbarn oder ins Schwimmbad, und in der ich mich sorgte, dass jemand in meiner Familie sich mit dem Virus ansteckt.

Aber so ein Baby im Bauch ist der beste Beweis dafür, dass das Leben weiter geht. Es spendet Kraft und Zuversicht, nicht nur mir, sondern allen Menschen, Freunden und Verwandten, die sich mit darauf freuen. Genau das werde ich meiner Tochter dann antworten.
Erzählen auch Sie uns Ihre Corona-Geschichte!
Corona stellt unser Leben auf den Kopf und wird in die Geschichte eingehen. Doch diese Geschichten schreiben nicht nur Virologen, Experten und Politiker – sondern wir alle. Schreiben Sie uns und erzählen Sie uns Ihre ganz persönliche Corona-Geschichte. Schicken Sie den Text (gerne mit Foto) per Mail an lesergeschichten@badische-zeitung.de. Einsendeschluss ist Sonntag, 7. Juni 2020.