Ein grandioses Werk in kraftvoller Fülle

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 17. Dezember 2019

Titisee-Neustadt

Sinfonisches Orchester, Solisten und drei Chöre beim "Weihnachtsoratorium" von Johann Sebastian Bach im Münster St. Jakobus.

TITISEE-NEUSTADT. Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist der kirchenmusikalische Klassiker der Weihnachtszeit schlechthin und zählt in den weltlichen Kulturstätten wohl zu den meist aufgeführten Kompositionen in dieser speziellen Jahreszeit. Die ersten drei Kantaten dieses grandiosen Werks von insgesamt sechs hatten sich in Neustadt das Sinfonische Orchester Hochschwarzwald, der Münsterchor St. Jakobus mit der Jungen Kantorei und der Projektchor und das Schulorchester des Kreisgymnasiums Hochschwarzwald vorgenommen.

Diese Kooperation stand unter der Gesamtleitung von Clemens Staiger, die Choreinstudierung besorgte maßgeblich Anne Rütten, Musiklehrerin am Kreisgymnasium.

Die Bankreihen waren gut besetzt, als sich das rund 40-köpfige Orchester und die mehr als 60 Sängerinnen und Sänger im Chorraum des Neustädter Münsters formierten und in kraftvoller Fülle den hymnischen Eingangschor "Jauchzet, frohlocket!" anstimmten. In Bachs furiosem Beginn spiegelt sich die ganze euphorische Zuversicht, die die christliche Welt mit der Geburt Jesu verbindet, wieder und diese schwebte mit dem optimistischen Gestus, den die Mitwirkenden diesem Chor verleihen, auch durch den Neustädter Kirchenraum.

Christi Geburt ist der Inhalt der ersten Kantate und diese wird erzählt – wie auch die anderen Narrative im gesamten Werk – durch eine Abfolge von Rezitativen, Soloarien, Chorstücke und Choräle. Die Rezitative auf Basis der biblischen Überlieferung und die Soli trugen in Neustadt die für die Aufführung verpflichteten Solisten Maria Backhaus (Sopran), Angelika Wied (Alt), Tiago Oliveira (Tenor) und Berthold Weiger (Bass) vor.

Wer bisher das Weihnachtsoratorium nicht kannte, fühlte sich immerhin musikalisch bei dem Choral "Wie soll ich dich empfangen" heimisch, für den Bach die Melodie des Kirchenlieds "O Haupt voll Blut und Wunden" verwendete. Gleiches gilt für die Weise des Chorals "Ach mein herzliebes Jesulein", die den meisten durch Martin Luthers Weihnachtslied "Vom Himmel hoch da komm ich her" bekannt ist. Besonders stark sticht in der ersten Kantate die Bass-Arie "Großer Herr, o starker König" heraus, die sich fast empört darüber beklagt, dass der Heiland im Gegensatz zur sonst vorhandenen irdischen Pracht und Zier in einer harten Krippe liegen muss.

Die zweite Kantate beschäftigt sich mit den in der Nähe des Stalles weilenden Hirten. Hier leitet im Unterschied zu den anderen Kantaten kein Choral die Erzählung ein, sondern eine Sinfonia des Orchesters bringt die eigenartige Nachtstimmung im Hirtenlager zum Ausdruck.

In der Rolle des Evangelisten und des Engels rezitierten dann Tiago Oliveira und Maria Backhaus das biblische Geschehen und forderten, unterstützt durch den Engelschor, die Hirten auf, sich zum Stall zu begeben. Dort singt unterdessen als musikalisches Highlight Maria ein wunderschönes Schlaflied für ihren Sohn, vorgetragen von Angelika Wied. Berthold Weiger Rezitator war es vorbehalten, die Hirten zum Mitsingen im Engelschor zu bewegen, was prompt durch einen mächtigen Schlusschoral des großen Chores geschah.

Im dritten Teil eilen die Hirten zum Stall, erweisen dem Krippenkind ihre Reverenz und machen sich wieder auf den Weg, um überall zu verkünden, was ihnen widerfahren ist. Obwohl wiederum Maria in einer Arie (Angelika Wied) das wundersame Geschehen fest in ihrem Herzen verankert und die Hirten in einem Arienduett (Maria Backhaus und Berthold Weiger) die "Vatertreue" Gottes durch die Entsendung seines Sohnes loben, agierten Chor und Orchester dominant in dieser Kantate.

Am Anfang und am Schluss des Weihnachtsoratoriums stand jeweils überragend der opulente Preisgesang an den "Herrscher des Himmels". Damit war das Geschehen in der Weihnachtsnacht ganz erzählt.

Die vielen Besucher im Münster bedankten sich mit begeistertem und langem Beifall für die überzeugende musikalische Leistung von allen Beteiligten. Vielleicht hätten dem Projektchor einige Männerstimmen mehr gutgetan, aber dieses Problem kennen leider die meisten gemischten Chöre.