Gedenkfeieren

Ein Kriegsverbrechen am Märkter Stauwehr blieb lange unbeachtet

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 05. September 2019 um 08:51 Uhr

Weil am Rhein

Am Bunker beim Märkter Stauwehr hing früher eine Tafel, die auf den Abschuss britischer Bomber hinwies, nicht aber auf ein anschließendes Kriegsverbrechen. Nun wird sie durch eine neue Tafel ersetzt.

Im Oktober jährt sich zum 75. Mal der Angriff britischer Bomber auf das Stauwehr Märkt, in dessen Folge in der Nähe von Rheinweiler vier alliierte Luftwaffensoldaten einem nationalsozialistischen Kriegsverbrechen zum Opfer fielen.

Nach gründlicher Recherche und Aufarbeitung der historischen Hintergründe durch Historiker und Archivare im Auftrag der Weiler Stadtverwaltung haben die Gemeinde Bad Bellingen und die Stadt Weil am Rhein mit Unterstützung des Landkreises Lörrach nun Gedenktafeln erstellt.

Mit ihnen soll am Bunker in Märkt sowie am eigentlichen Tatort des Kriegsverbrechens auf der Gemarkung der heutigen Gemeinde Bad Bellingen an die Ereignisse erinnert und vor allem der Opfer gedacht werden. Am Jahrestag des Angriffs am 7. Oktober gedenken Weil am Rhein und Bad Bellingen gemeinsam an den Orten des Geschehens. Neben zahlreichen Amtsinhabern und Abgeordneten ist auch die interessierte Öffentlichkeit dazu eingeladen.

Historiker berichten über ihre Recherche

Die Feier beginnt um 17 Uhr mit der Enthüllung einer Erinnerungstafel am Bunker beim Stauwehr in Märkt, wo OB Dietz eine Ansprache hält. Im Anschluss findet um 18.30 Uhr im Kreispflegeheim Schloss Rheinweiler eine Gedenkfeier statt. Nach Ansprachen von Bürgermeister Dr. Carsten Vogelpohl und Erstem Landesbeamten Ulrich Hoehler berichten Historiker über die Ergebnisse ihrer Recherche. Ein aus Neuseeland angereister Nachfahre eines der Piloten wird ebenfalls das Wort ergreifen.

Im Oktober 1944 flogen britische Bomber der Royal Air Force einen Angriff auf das Stauwehr in Märkt. Nach dem Abschuss eines der Flugzeuge konnten sich vier überlebende Insassen mittels Fallschirmsprung retten und gelangten bei Rheinweiler aus dem Rhein ans Ufer. Dort wurden sie aufgegriffen und der örtlichen Polizei übergeben.

Keine Kriegsgefangenschaft

Anstatt die Männer entsprechend der internationalen Genfer Konventionen in Kriegsgefangenschaft zu nehmen, entschied der damalige NSDAP-Kreisleiter Hugo Grüner kurzerhand, die Soldaten zu erschießen. Mit seiner späteren Flucht entzog er sich einer strafrechtlichen Verantwortung.

Auf Hinweis des Vereins für Heimatgeschichte und Volkskunde Weil am Rhein hatte die Stadtverwaltung die vollständige Aufarbeitung in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nach rund zweijähriger fundierter Recherche in Archiven von Freiburg bis England jetzt vorliegen. Durch die gemeinsame Arbeit von Historikern und Archivaren konnte mit diesem Kapitel eine Lücke in der NS-Geschichte der Region geschlossen werden, heißt es dazu in der Mitteilung der Stadtverwaltung.