Bad Krozingen

Ein Ort, an dem Trauernde auch langfristig Hilfe finden können

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Fr, 24. Juni 2022 um 06:30 Uhr

Bad Krozingen

Ein Bündnis aus Kirche und Sozialeinrichtungen baut in Bad Krozingen ein Trauercafé für die Region auf. Am Montag ist ein Infotag, an dem auch ehrenamtliche Helfer gefunden werden sollen.

Ein Trauercafé aufbauen in der Region, diesen Plan will ein Bündnis aus Kirche und Sozialeinrichtungen umsetzen. Ein offenes Angebot soll es werden, von Ehrenamtlichen getragen. Für Interessierte, die sich einbringen möchten, gibt es einen Infoabend am 27. Juni im Haus der Kurseelsorge in Bad Krozingen.
Die Kompetenzen für den Aufbau eines Trauercafés bringen sie schon von Berufswegen mit: Pastoralreferent Georg Klingele von der Seelsorgeeinheit der Katholischen Kirchengemeinde Bad Krozingen/Hartheim sowie Waltraud Kannen, die Geschäftsführerin der Sozialstation Südlicher Breisgau und Philipp Fuchs von der Kur-und Rehaseelsorge in Bad Krozingen. Um Trauernde in ihrem Schmerz zu begleiten, wollen sie gemeinsam mit weiteren Partnern ein Trauercafé gründen. Der Kreis dazu wird erweitert auf benachbarte Kirchengemeinden und Sozialeinrichtungen.

Waltraud Kannen spricht von einem Netzwerk, das entstehen soll und weitere Angebote entwickeln. Mit dabei sind: Die Seelsorgereinheit Staufen/St. Trudpert, vertreten durch Christiane Skoda-Gysler, Klaus Veeser, der die Seelsorgereinheit Bollschweil/Obere Möhlin vertritt, Ulrike Meister (Geschäftsführerin Sozialstation Mittlerer Breisgau) sowie Michael Virneisel (Gemeindereferent in Heitersheim).

Auch mit Bestattern, Hospiz- und Palliativzentren sowie der evangelischen Kirche im Gespräch

Auch mit Bestattern, Hospiz- und Palliativzentren und der Evangelischen Kirchengemeinde befindet sich die Gruppe im Austausch. Das Trauercafé soll ein von ehrenamtlich Engagierten getragenes, monatliches Angebot sein, dabei offen für alle, konfessionsfrei – schlicht ein Raum, bei dem Trauernde miteinander ins Gespräch kommen und sich austauschen können.

Bei der Suche nach einem geeigneten Ort hat man sich Klingele zufolge an den Erfahrungen bereits bestehender Trauerbegleitung im Landkreis Waldshut orientiert, wonach ein neutraler Raum vorzuziehen sei. Einen solchen fand man auch schon: Den Nebenraum im Café Mohrenköpfle in Bad Krozingen, dessen Betreiber sich aufgeschlossen zeigten für die Thematik und praktischerweise noch dazu über die erforderliche Infrastruktur verfügen.

Mit dem Plan verbunden ist auch ein Qualifizierungskonzept Trauerbegleitung. Niederschwellig solle es sein, erklärt Kur- und Rehaseelsorger Fuchs. Hauptamtliche schulen und begleiten die ehrenamtlich Engagierten. Finanziert werde der Aufbau des Projektes durch einen Beitrag der Kooperationspartner und durch Fördergelder. Die Initiatoren wollen Menschen in einem Trauerprozess nicht alleine lassen mit ihrer Leere.

Nach Klingeles Erfahrungen sind viele Trauernde auf sich gestellt, wenn die Beerdigung vorbei ist, und sie wieder mit dem Alltag konfrontiert werden. "Dann bleiben viele mit ihrer Trauer alleine, die Zeit scheint für sie still zu stehen, doch die Welt dreht sich weiter." Hier soll ein Trauercafé Unterstützung schaffen für alle, die ein solches Angebot annehmen möchten, so Ulrike Meister.

Raum für Trauer, Enttabuisierung und Hilfe zur Selbsthilfe

Die Betroffenen sollen einen Raum finden, in dem sie ihrer Trauer Ausdruck geben können. Darüber hinaus gehe es darum, das Thema zu enttabuisieren, um spirituelle Impulse und darum Selbsthilfe zu fördern. Ein weißes Blatt, so nennt Waltraud Kannen die derzeitige Situation. Es gebe in der Region kaum solche Angebote. Deshalb wolle man sich besser aufstellen, der Bedarf sei da. Das zeige sich nicht zuletzt in der eigenen Praxis und aus den Rückmeldungen der Mitarbeiter in der Pflege.

Viele Einrichtungen können eine Begleitung Skoda-Gysler zufolge auch gar nicht leisten, dafür fehlen die Kapazitäten. Sie sieht ebenfalls ein "großes pastorales Handlungsfeld", in dem solche Angebote verankert werden könnten. Selbst in Kur und Reha gebe es häufig Menschen, die mit einem Trauerfall konfrontiert sind. "Darauf nimmt die Reha keine Rücksicht", sagt der Kurseelsorger, auch hier wäre ein solches Angebot nach seinem Dafürhalten äußerst wertvoll. Voraussetzung für ein ehrenamtliches Engagement ist nach Einschätzung der Initiatoren jedoch, dass sich die Interessenten nicht selbst in einem akuten Trauerprozess befinden.

Im Kontext steht das Konzept Waltraud Kannen zufolge mit der Bewegung Kirche 2030, bei der künftig Seelsorgeeinheiten zusammengelegt werden sollen. "Das Trauercafé ist eines der Modelle, die wir dabei entwickeln als lebendige Kirche, die nahe am Menschen sein soll", schildert sie.