Fließende Grenzen

Ein Programm von Tango bis Barock

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 13. August 2021 um 13:00 Uhr

Laufenburg

Die Konzertreihe Junge Klassik war zu Gast im Laufenburger Schlössle. Die Bad Säckinger Cellistin Natalia Dauer, die Waldshuter Pianistin Julia Pleninger und der Rostocker Akkordeonist Sönke Wieck

Wie Perlen an einer Kette reihten sich die musikalischen Preziosen beim Konzert der Jungen Klassik im Laufenburger Schlössle aneinander. Zwei Mal hintereinander traten die Bad Säckinger Cellistin Natalia Dauer, die Waldshuter Pianistin Julia Pleninger und der Rostocker Akkordeonist Sönke Wieck am Mittwoch im Rahmen der Kulturtage mit einem abwechslungsreichen Programm von Barock bis Tango auf.

Der Titel "Musikvielfalt im Schlössle" passte perfekt, zumal in wechselnden Besetzungen gespielt wurde und die Stücke und Arrangements erfrischend kontrastreich gewählt waren. Zum Einstieg ließ Natalia Dauer ihr Cello im Allegro agitato aus der Sonate op. 36 von Edvard Grieg höchst schwelgerisch in romantischer Emphase erklingen. In großer Intensität, kraftvoll-bewegt, voller Leidenschaftlichkeit klang das Spiel der Cellistin in idealem Zusammenklang mit ihrer ebenso expressiv und aufwühlend spielenden Klavierpartnerin. Wie klangschön die beiden jungen Musikerinnen harmonieren, hörte man im Intermezzo aus dem d-Moll-Cellokonzert von Edouard Lalo, das wunderbar lyrisch, elegisch beginnt, mit geschmeidigem, rhythmisch fließendem Celloklang und mit berückender Leichtigkeit gefällt.

Akkordeon gab eine spezielle Note

Eine spezielle "Note" kam durch das Akkordeon ins Spiel. Dabei zeigte Sönke Wieck spieltechnisch überaus versiert, wie vielseitig einsetzbar sein Instrument ist. Sogar ein feines, filigranes Stück für ein Orgelwerk in einer Uhr von Mozart klang in der Version für Akkordeon und Klavier überraschend und originell in den Klangwirkungen. Auch Modernes, Neutönerisches führte Wieck auf: In drei Bagatellen des Komponisten Georg Katzer schöpfte er die Bandbreite, die experimentellen Spieltechniken, die Klangeffekte des Akkordeons bis in die Extreme wirkungsvoll aus.

Diese Stücke klangen sehr prononciert, auch mal heftig, schneidend und sehr ungewöhnlich – so spannend hört man Akkordeon selten! Als besänftigenden Kontrast dazu spielte Wieck das Adagio aus Bachs d-Moll-Concerto, das auf dem Akkordeon erst mal ungewohnt, aber sehr klangvoll ertönte. Auch die Pianistin Julia Pleninger trumpfte solistisch glänzend auf in Beethovens Rondo a capriccioso. Sie brillierte in diesem Stück mit dem Beinamen "die Wut über den verlorenen Groschen" mit Verve und Frische in den schnellen Passagen.

Wenn schon Akkordeon mit von der Partie ist, liegt auch Tango nahe.

Moderner und klassischer Tango

Und so hatten die jungen Interpreten sowohl moderne als auch "klassische" Tangokompositionen im Repertoire, mit denen sie die hingerissenen Zuhörer mühelos in einen Tango-Salon versetzten. Zumal die Musiker im Panoramasaal bei abgedunkelten Fenstern effektvoll in farbiges Scheinwerferlicht getaucht waren. Wie Natalia Dauer und Sönke Wieck den "Tango tout court" von Dirk Brossé spielten, war klanglich und emotional höchst expressiv. Ihr Spiel hatte Leidenschaftlichkeit, bot wehmutsvolle Passagen ebenso wie klangliche Reibungsflächen zwischen Cello und Akkordeon. In "Oblivion" von Astor Piazzolla legten sich die Cellistin, die Pianistin und der Akkordeonist mit aller Verve und rhythmischem Raffinement in dieses Tangogefühl zwischen Melancholie und Lebenslust.

Auch der berühmte Tango "Jalousie" von Jacob Gade riss die Zuhörer in der ebenso gefühlvollen wie rhythmisch aufgeheizten Fassung für Akkordeon und Klavier zu Beifallsstürmen hin. Ebenso bejubelt war zum Schluss das atemberaubend intensiv gespielte Stück "Romance del Diablo" von Astor Piazzolla, in dem Natalia Dauer, Julia Pleninger und Sönke Wieck die Tango-Stimmung in allen Facetten ausleuchteten, mit fulminanter Cello-Expressivität, rasanter pianistischer Vitalität und ausdrucksstarkem Akkordeon.

"Das war wirklich Musikvielfalt von anmutig bis exzentrisch", bedankte sich Renata Vogt vom Kulturausschuss nach der Zugabe bei Junge Klassik-Organisatorin Natalia Dauer und ihren beiden Mitspielern. Mit den Tango-Kompositionen lieferten sie die perfekte Überleitung zum Abschluss der Kulturtage, die an diesem Wochenende mit Tangokursen und einer Milonga zu Ende gehen.