Ein Puffer für Kostensteigerung

Willi Adam

Von Willi Adam

Do, 23. Mai 2019

Lörrach

Verwaltung will 20 Prozent einplanen / Kritik von Freien Wählern.

LÖRRACH (dam). Die Liste wird länger: Umbau der Alten Schule Haagen zur Kita, Rosenfelssporthalle, Brandschutz im Hans-Thoma-Gymnasium – fast überall, wo gebaut wird, steigen die Kosten. Aktuell steht eine Diskussion über Verteuerungen beim Hans-Thoma-Gymnasium an. Während der Gemeinderat heute Abend der Kostensteigerung mangels anderer Möglichkeiten vermutlich zustimmen wird, überlegt die Verwaltung, wie mit rasanten Kostensteigerungen umzugehen ist.

Wenn sich öffentliche Bauprojekte verteuern, gibt es mehrere Gründe. Es können Fehler in der Planung sein oder falsche Einschätzungen des wirklichen Bedarfs. Doch selbst wenn solche hausgemachten Probleme nicht vorliegen, können Kosten in die Höhe schießen. Bauboom und Fachkräftemangel sorgen dafür, dass die Preise ständig steigen. Oberbürgermeister Jörg Lutz machte dies dieser Tage bei einem Mediengespräch an zwei Zahlen fest. In Deutschland belegt der Baukostenindex eine Steigerung um vier Prozent allein im ersten Quartal 2019. Das wären aufs Jahr gerechnet 16 Prozent, weshalb OB Lutz von "richtig großen Sprüngen" spricht. Die zweite Zahl, mit der Lutz die Situation beschreibt, fiel Anfang der Woche bei einer Informationsveranstaltung zum neuen Zentralklinikum. Jeder Monat Bauzeitverzögerung verteuere das Projekt um satte 800 000 Euro.

Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic wies außerdem auf eine fatale Spirale hin. Öffentliche wie private Bauherren haben derzeit Mühe, überhaupt Baufirmen zu finden. Das heißt, bei vielen Ausschreibungen gibt es gar keine Angebote, nicht einmal solche, die deutlich über den Kostenberechnungen liegen. Und wenn überhaupt keine Bewerbung vorliegt, muss das oft aufwändige Ausschreibungsverfahren wiederholt werden, was nicht nur ohnehin knappes Personal bindet, sondern zu Zeitverzug und somit wegen der galoppierenden Baupreise zu Mehrkosten führt. OB Lutz und Bürgermeisterin Neuhöfer-Avdic plädieren deshalb dafür, bei den Bauprojekten künftig immer gleich einen Aufschlag von 20 Prozent einzuplanen.

Vor der Gemeinderatssitzung am Donnerstag kritisieren die Freien Wähler, "dass Bau- und Sanierungsprojekte der Stadt regelmäßig teurer werden." Im aktuellen Fall des Brandschutzes am HTG steigen die Kosten von 2,7 auf 3,3 Millionen Euro. Die Freien Wähler führen dies laut einer Pressemitteilung darauf zurück, dass der städtische Fachbereich Grundstücks- und Gebäudemanagement schlecht organisiert und zudem unterbesetzt sei.