Ein Tag in einer Tierarztpraxis

Clara Hölscher

Von Clara Hölscher

Sa, 19. Oktober 2019

Kenzingen

Seit elf Jahren führt Beate Kissel eine Kenzinger Tierarztpraxis, eine Schülerin der Presse-AG hat sie begleitet.

KENZINGEN. Wenn Tiere in Kenzingen und der Umgebung krank oder in Not sind, werden sie oft zu Beate Kissel gebracht. Sie ist seit 33 Jahren mit Leib und Seele Tierärztin. Seit elf Jahren leitet sie die Tierarztpraxis in Kenzingen in der Offenburger Straße. Ein Besuch in ihrer Praxis.

Der nächste Patient, ein energischer und bissiger Hund, betritt mit der Besitzerin das Behandlungszimmer. "Was fehlt ihm?", erkundigt sich Beate Kissel nach der Begrüßung nach dem Befinden des Tieres. Der Hund braucht nur eine Ohrenkontrolle. Während die Besitzerin den Hund auf den Tisch hebt, öffnete Beate Kissel eine Schublade, in der Maulkörbe in allen Größen sind. Sie holt einen kleinen Maulkorb und macht ihn dem Hund um, damit er sie bei der Untersuchung nicht beißt. Sofort beginnt die routinierte Tierärztin mit der Untersuchung. Zum Glück ist alles in Ordnung. Nach der Untersuchung nimmt sie dem Hund den Maulkorb sofort wieder ab. Tierarzthelferin Christine Weber gibt ihm ein Leckerli. Danach verabschieden sich alle voneinander. Solche Behandlungen erlebt Beate Kissel jeden Tag von morgens 8 Uhr bis abends 18 Uhr, manchmal auch länger, außer Samstag und Sonntag. An diesen Tagen hat sie nur alle sechs Wochen Notdienst.

Vormittags ist die Praxis eine Bestellpraxis, das heißt, die Patienten haben Termine. Alle 15 Minuten kommt ein anderer Patient. Sollte eine Behandlung länger dauern, nimmt sich das Team um die Tierärztin gerne so viel Zeit, wie es für den Patienten braucht. Morgens ist oft auf die Zeit für Operationen. Von 16 bis 18 Uhr kommen die Patienten ohne Termin.

Wenn die Tiere mit ihren Besitzern zu Kissel in die Praxis kommen, warten sie für gewöhnlich im gemütlich eingerichteten Wartezimmer. Die Aufregung ist den Tieren anzusehen, sie sind umgeben von anderen Tieren, es riecht nach vielen anderen Tieren. Im Wartezimmer sei trotz der vielen aufgeregten Tiere noch nie etwas passiert. Patienten, die nicht gut mit anderen Tieren zurechtkommen, erhalten einen extra Termin. Außerdem macht Kissel manchmal auch Hausbesuche.

Ihre Lieblingstiere sind Kühe

In ihren ersten Jahren als Tierärztin, direkt nach dem Examen, machte sie überwiegend Besuche auf Bauernhöfen. Dort erlebte sie auch ihre erste Kuhgeburt. "Kuhgeburten habe ich früher sehr gerne gemacht, weil es eine besondere Herausforderung ist und es sehr schön war, das Kälbchen danach mit der Mutter zusammen zu sehen", sagt die Tierärztin freudig. Kühe seien auch ihre Lieblingstiere. Sie selbst habe keine eigenen Haustiere, aber einige Patenschaften.

Das schöne an ihrem Beruf sei, dass man jeden Tag verschiedene Menschen und vor allem Tiere sehe, erklärt Kissel. Das mache die Arbeit besonders vielseitig. Als sie 15 Jahre alt war, wurde ihr damaliger Hund von einem anderen Hund gebissen und sie musste mit ihm zum Tierarzt. Doch als sie dort ankamen, war die Assistentin der Tierärztin nicht anwesend. Also wurde sie gefragt, ob sie helfen wolle. Beim Assistieren entdeckte sie, dass es ihr großen Spaß machte, Tieren zu helfen. Es freute sie sehr, mitgewirkt zu haben, dass ihr Hund wieder gesund wurde. "Heute behandle ich fast jeden Tag Hunde, aber auch Katzen, Nager, und Vögel", sagt Kissel in ihrem Behandlungszimmer. Sie selbst beschreibt ihre Praxis als ländlich und klein. Sie hat rund 80 Quadratmeter und drei Räume: das Wartezimmer, das Behandlungszimmer und den Operationsraum, wo auch Tierkäfige mit Tieren stehen, die hier zuletzt operiert wurden oder in den nächsten Stunden operiert werden. Im Operationsraum sowie im Behandlungszimmer gibt es einen Behandlungstisch, der nach jedem Patienten gründlich von Christine Weber gereinigt wird. Weber ist seit 1992 tiermedizinische Fachangestellte in der Praxis und arbeitet mit Silke Niesen, der Assistenztierärztin, Melanie Schott , Sandra Kroner und Peggy Aberle hier.

Wildtiere wie Eichhörnchen, Bussarde, Eulen und Fledermäuse werden auch manchmal in die Praxis gebracht und behandelt, aber sie werden dann normalerweise an Menschen mit mehr Erfahrung in der Wildtierpflege weitergegeben. Melanie Schott hat aber bereits einen verletzten Fuchs, Sir Henry, aufgezogen, anstatt ihn sofort an Wildtierpfleger abzugeben. Nachdem Sir Henry zunächst mit einem Waschbären namens Bob zusammengelebt hat, befindet er sich mittlerweile mit zwei anderen behinderten Füchsen in einer Tierrettungsstation.

"Das exotischste Tier, das ich behandelt habe, war ein Kamel", lacht Beate Kissel. Vor ihrer Zeit in Kenzingen war sie nämlich öfters auch im Mundenhof tätig.

Der Artikel ist im Rahmen der Presse-AG des Gymnasiums Kenzingen entstanden. Die AG unter der Leitung von Lehrer Stefan Henninger wird seit mehreren Jahren von der Badischen Zeitung begleitet und veröffentlicht.