Müllheim

13-jähriger Trompeter ist Bundessieger bei "Jugend musiziert"

Dorothee Philipp

Von Dorothee Philipp

Do, 03. Juni 2021 um 16:16 Uhr

Müllheim

Oscar Ruiz Ehrlich aus Müllheim nimmt am Wettbewerb "Jugend musiziert" teil – und sichert sich mit seinem Trompeten-Solo den ersten Platz. Für ihn ist die Trompete ein vielseitiges Instrument.

Über 2000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben am 58. Bundeswettbewerb von "Jugend musiziert" teilgenommen. Wegen der Pandemie wurden statt der Live-Präsentation von der Jury Videos beurteilt, die die Bewerberinnen und Bewerber einzusenden hatten. Sie qualifizierten sich für die Teilnahme zuvor durch besondere Leistungen in den jeweiligen Regionalwettbewerben. Einer von ihnen ist der 13-jährige Trompeter Oscar Ruiz Ehrlich aus Müllheim, der bei seinem Debüt auf Bundesebene gleich den ersten Preis holte.

Der junge Musiker aus der jüngsten für den Bundeswettbewerb zugelassenen Altersgruppe III war bereits bei einigen Wettbewerben, darunter beim Markgräfler Musikwettbewerb der Kulturstiftung der Sparkasse Markgräflerland unter den Besten. Oscar spielt schon seit seinem fünften Lebensjahr Trompete. Dann kam das Cello hinzu, mit dem er ebenfalls bereits in Wettbewerben erfolgreich war.

Weniger Lampenfieber durch virtuellen Auftritt

Dass der Auftritt für den Wettbewerb nicht live vor der Jury stattfand, habe zwar das Lampenfieber ein bisschen gemildert, erzählt Oscar. Doch die ungewöhnlichen Bedingungen waren nicht weniger aufregend. Die Aufnahme für den Landeswettbewerb musste er zu Hause mit einer Klavierbegleitung aus der Konserve einspielen, weil es die Umstände nicht anders zuließen. Jetzt für die Aufnahme für den Bundeswettbewerb traf er sich mit seinem Klavierpartner, dem Pianisten Martin Klingler, in der Rosenburgschule. Die Interaktion beim gemeinsamen Musizieren ist wichtig, findet Oscar.

Und auch sonst war seine Vorbereitung für den Wettbewerb mit Erschwernissen gespickt: Vor einem Jahr verstarb seine langjährige Lehrerin Gabriele Volk-Dittus. Nach einer Interimszeit in der Obhut von Sergej Kraft, Trompetenlehrer an der Musikschule Müllheim, kam er in die Klasse von Karin Stock, die seit September 2020 an der Musikschule Müllheim unterrichtet.

Im Lockdown fand der Unterricht über Zoom-Konferenzen oder Telefonate statt, auch nicht gerade ideal für ein so großes Vorhaben. Für den Wettbewerb vorbereitet hatte Oscar eine barocke Sonate, einen Marsch, eine zeitgenössische Komposition und ein Jazzstück. "Die Trompete ist so vielseitig", erklärt er seinen Spaß an diesem Instrument. Sein vier Jahre jüngerer Bruder Anselm hat sich von dieser Begeisterung anstecken lassen und lernt auch das Trompetenspiel.

Im harten Lockdown vor einem Jahr hatten die Brüder die Idee, für die Nachbarschaft ein Mini-Konzert zu geben. Sonntags um 18 Uhr stellten sie sich auf den Balkon und spielten ein kleines Programm für zwei Trompeten. Und das kam an: Die Menschen in der Umgebung warteten geradezu auf die Trompetenklänge am Sonntagabend.

Eine Art Eintrittskarte in eine professionelle Musikerkarriere

"Jugend musiziert" gilt als eine Art Eintrittskarte in eine professionelle Musikerkarriere. Oscar möchte gerne Dirigent werden. Deshalb lernt er nun zusätzlich zu Cello und Trompete auch noch Klavier. Blas-, Streich-, Tasteninstrument – so weiß er später aus eigener Erfahrung, was er von seinem Ensemble oder Orchester verlangen kann. "Ich übe zwar jeden Tag, aber nicht sechs Stunden und mehr, wie es manche machen", sagt er. Neben Schule und Musik ist für ihn das Fußballspielen bei der Alemannia Müllheim ein schöner Ausgleich.

Auch für die 140 Jurorinnen und Juroren war "Jugend musiziert" in diesem Jahr eine Herausforderung. Die Sichtung der eingesandten Videos fand in Bremen statt, berichtet Thomas Oertel, Vorsitzender der Bundesjury, im Gespräch mit der BZ. Als Kategorien waren in diesem Jahr aufgerufen Solowertung für Zupf- und Blasinstrumente sowie Musical. Als Ensemblewertung stand dieses Mal Duo für Klavier und ein Streichinstrument sowie eine Duobesetzung Kunstlied an.

Einerseits sei er überglücklich, dass nach dem Totalausfall 2020 der Wettbewerb wieder stattfinden konnte, sagt Oertel. Doch es habe natürlich sehr viel gefehlt. Der Wettbewerb lebe eigentlich von der Begegnung, vom direkten Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen. Oertel, der selbst in Freiburg lebt, lobte den hohen Anteil von 33 Teilnehmenden aus der Region Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen. Siebenmal gab es hier einen ersten, neunmal einen zweiten und achtmal einen dritten Preis. Neunmal wurde das Prädikat "mit sehr gutem Erfolg teilgenommen" vergeben. "Die musizierende Jugend aus unserer Region hat sich gegen diese unglaublich harte bundesdeutsche Konkurrenz sehr gut behauptet", freut sich Oertel. Was er sehr bedauert: Eigentlich hätte der Bundeswettbewerb in diesem Jahr in Freiburg stattfinden sollen. Fünf Jahre Vorbereitungszeit seien dafür nötig gewesen.