Ein Wohnhaus wird auf Stelzen gesetzt

Mario Schöneberg

Von Mario Schöneberg

Fr, 06. November 2020

Gottenheim

Gottenheimer Rat stimmt Bauprojekt in Hochwassergefahrengebiet zu / Zaun um Freifläche der Bahnhofsgaststätte wird abgelehnt.

. Das Gasthaus Gerome’s im Gottenheimer Bahnhof darf seinen Freisitz nicht einfrieden. Einen entsprechenden Bauantrag lehnte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig ab. Zustimmung gab es dagegen für den Bau eines Hauses auf Stelzen in einem von Hochwasser gefährdeten Grundstück in der Maienstraße.

Der Freisitz vor der Gaststätte im Bahnhof werde auch als Gehweg genutzt, erklärte Bauamtsleiter Andreas Schupp. Dieser Bereich gehöre aber zum Bahnhofsgrundstück, das die Inhaberfamilie des Gasthauses vor einigen Jahren von der Gemeinde erworben hatte. Eine Fußgängerin habe sich nun beim Passieren der privaten Freisitzfläche an einem Sonnenschirmständer verletzt. Da hierfür unter Umständen die Eigentümer haftbar seien, müsse das Areal eingefriedet werden, um unbefugtes Betreten zu verhindern. Hierfür wurde ein Bauantrag für einen knapp 15 Meter langen und 2,60 bis 3,60 Meter hohen Zaun eingereicht. Bei der Anhörung der Nachbarn seien keine Einwände eingegangen, sagte Bürgermeister Christian Riesterer, auch liege die Stelle nicht im Bereich eines Bebauungsplanes liege. Das letzte Wort habe aber die Baurechtsbehörde beim Landratsamt.

"Durch den sehr hohen Zaun wird das Gebäude stark verschandelt", sagte hingegen Bernhard Strittmatter (FWG). Manuel Maucher (FBL) sorgte sich wegen des wegfallenden Gehwegs. Birgit Wiloth-Sacherer (SPD) regte an, sich die Sache vor Ort anzuschauen. Bürgermeister Riesterer betonte, es könne einzig die Gestaltung des Zaunes Thema im Gemeinderat sein. Insbesondere wegen der Höhe wolle er das Gespräch suchen, daher trage er die Ablehnung des Bauantrags mit. Für den Gehweg müsse hingegen die Gemeinde eine Lösung finden.

Viel positive Rückmeldung bekam hingegen der Bauantrag für ein Mehrfamilienhaus in der Maienstraße, das mehrere Befreiungen vom Bebauungsplan "Au Neuentwicklung" benötigt. Schon im Juli 2019 hatte sich der Gemeinderat mit der Bauvoranfrage hierzu befasst; im Februar 2020 war das Projekt vom Landratsamt genehmigt worden. Das Grundstück am Bahnübergang Gottenheim-Ost liegt laut der Hochwassergefahrenkarte in einem Bereich, der bei einem 100-jährlichen Hochwasser überschwemmt wird. Daher darf dort eigentlich nicht gebaut werden. In vielen Gesprächen, auch mit Baurechts- und Wasserrechtsbehörde, wurde eine Lösung erarbeitet, um dort doch bauen zu können. Damit die Fläche bei Hochwasser durchströmt werden kann, soll es im Erdgeschoss nur eine Parkfläche für Autos geben; das Gebäude mit vier Wohnungen wird daher auf Stelzen gebaut. Den dazu nötigen Befreiungen vom Bebauungsplan stimmte der Rat nun zu.

"Das ist ein gutes Beispiel für innovatives Bauen", sagte Bürgermeister Christian Riesterer. Bernhard Strittmatter verwies auf die Mehrkosten für die Bauherren und fragte, ob es denn bei einem mehr als 30 Jahre alten Bebauungsplan nicht auch einen Bestandsschutz gebe die Grundstücke so zu bebauen, wie bei den schon bestehenden Häusern in der Nachbarschaft. Die heute gültige Hochwassergefahrenkarte, die ja auf existierende Gefahren hinweise, habe es aber vor 30 Jahren noch nicht gegeben, erläuterte hierzu Riesterer den Räten.