Eindrucksvoll ausgeleuchtet

Heidi Ast

Von Heidi Ast

Mo, 14. Oktober 2019

Offenburg

Bilder einer Ausstellung.

Modest Mussorgskis "Bilder eine Ausstellung" wurden an diesem Samstag in der Weingartenkirche durch Thomas Strauß an der Orgel und Bernhard Münchbach an der Trompete zu lautmalerischem Leben und Leuchten gebracht. Beide Künstler mit internationaler Reputation haben Mussorgskis weltbekanntes Werk aus dem Jahr 1874, das den Bildern seines Freundes Viktor Hartmann gewidmet war, minimalistisch aber dennoch mit intensiver Ausdrucksstärke arrangiert und interpretiert.

Zur Einleitung weckte Münchbach euphorisch mit der Fanfare von Hans-André Stamm, wobei Strauß’ Orgel mit fließender Wellenmelodie unterlegte. Durch die einzelnen Stücke der ausdrucksstarken Bildergalerie führt das Promenadenthema. Bereits bei "Gnomus" erhält der Zuhörer einen Eindruck von der Vielseitigkeit der Orgel. Federleichte und lebendige Läufe wechseln mit dunklen, dumpfen Passagen bis hin zu schrillen kirmesartigen Anmutungen. Münchbach schafft mit blechernen Tönen einen Hauch Zerrissenheit und Verzweiflung. "Das alte Schloss" gleichmütiger im Melodienfluss, stellenweise einer Moritat ähnlich, birgt weniger dunkle Geheimnisse denn schwermütige Erinnerungen. Münchbachs Intro strahlt schwelgerische Gemütlichkeit aus. Über die "Tuileries" geht es nach Polen, wo dumpfes schweres Orgelspiel den schwer zu schleppenden Karren in "Bydlo" vor dem inneren Auge erstehen lässt.

Intensiv und ausufernd der folgende Konflikt zwischen dem reichen Goldenberg und dem jammernden Schmuyle in der musikalischen Umsetzung von "Samuel und Schmuyle". Geblasenes Gezeter gegen grollende Orgel. Nach der lebenslustigen Umsetzung von "Limoges" folgt man Strauß und Münchbach in die "Catacombae" ein wahrlich düsterer Abstieg in das Reich der Totenschädel im Pariser Untergrund. Der monumentale Orgelton geht durch Mark und Bein, während die Trompete mit schneidender Helle kontert. Eine wuchtige Hoffnungslosigkeit gepaart mit unendlicher Dunkelheit wird hier anschaulich transportiert. Strauß und Münchbach leuchten sowohl hässliche Dissonanz, brummigen Diskurs als auch elegische Schwärmereien in allen Stücken des Werkes eindrucksvoll aus.