Roland Weis

REGIOKRIMI: Leiche auf dem Hochfirst-Turm

Heidi Ossenberg

Von Heidi Ossenberg

Do, 15. Oktober 2020

Literatur & Vorträge

Jetzt, wo der heiße Sommer 2020 längst vorbei ist, kommen einem die Sätze nicht mehr ganz so unwirklich vor: "Dem Klimawandel zum Trotz hatte es bereits Mitte November im Hochschwarzwald kräftig geschneit wie schon lange nicht mehr. Auf dem Feldberg lief bei einer Schneehöhe von zweieinhalb Metern der Liftbetrieb bereits auf vollen Touren." Oder doch? Sie sind der Fantasie von Roland Weis entsprungen, der mit "Geisterturm" den neunten Kriminalroman mit der Hauptfigur Alfred vorgelegt hat, der sich als pfiffiger Student und Lokaljournalist gerne ungefragt an der Aufklärung von Verbrechen beteiligt.

Diesmal findet Alfred eine männliche Leiche auf dem Aussichtsturm des Neustädter Hausbergs Hochfirst – und das, obwohl der Turm im Winter gar nicht zugänglich sein sollte. Mit Elan – und der Hilfe diverser Freunde, deren Freundschaftsdienste der Hobbyermittler ziemlich ausnutzt – macht Alfred sich daran, die mannigfaltigen Rätsel um dieses Verbrechen zu lösen. Er lernt dabei die bodenständig-netten Hornschlittenfahrer kennen, einen dubiosen englischen Wissenschaftler, ein Forschertrio vom Parapsychologischen Institut Freiburg und eine Truppe Neonazis aus der Region.

Der Historiker und Journalist Roland Weis, im Schwarzwald geboren und ausgewiesener Kenner von Land und Leuten, schreibt routiniert und süffig. Mit der Hauptfigur, trinkfreudig, impulsiv und hormongesteuert, kann man durchaus fremdeln, dennoch liest sich der Krimi mit authentischem Lokalkolorit unterhaltsam. Die Geschichte ist gut komponiert, ihr sind viele inhaltliche Wendungen eingeschrieben.

Roland Weis: Geisterturm. Kriminalroman. Rombach Verlag, Freiburg 2020. 303 Seiten, 12 Euro.