Gold als Geldanlage

Eine Versicherung gegen Turbulenzen am Finanzmarkt

Holger Schindler

Von Holger Schindler

Fr, 11. September 2020 um 18:25 Uhr

Wirtschaft

Der Goldpreis ist in der Corona-Krise kräftig gestiegen – eine Geldanlage kann dennoch weiter sinnvoll sein. Allerdings sollte man einiges beachten.

Der Kursverlauf spricht eine klare Sprache. Seit Jahresbeginn ist der Preis für eine Unze Gold, das sind etwa 31,1 Gramm, von 1390 Euro auf 1640 Euro (Stand: 8. September) gestiegen – ein Plus von rund 18 Prozent. Zwischenzeitlich lag der Kurs sogar bei 1737 Euro. In der Krise ist Gold gefragt. Das bestätigt sich einmal mehr angesichts der ökonomischen Verwerfungen im Zuge der Corona-Pandemie. Ist das Edelmetall also eine attraktive Geldanlage? Sparer sollten sich über die Chancen und Risiken bei Goldinvestment im Klaren sein und die verschiedenen Varianten kennen. Ein wichtiges Thema ist dabei Sicherheit.

Ist eine Geldanlage
in Gold sinnvoll?

"Gold ist in erster Linie eine Art Versicherung für den Fall, dass andere Anlageklassen erheblich an Wert verlieren oder gar ganze Währungen ins Schwanken kommen, beziehungsweise bei ähnlich einschneidenden Ereignissen an den Finanzmärkten", sagt Claus Walter, Chef der Freiburger Vermögensverwaltung FVM, die Kundengelder im Umfang von rund 180 Millionen Euro betreut. Sein Unternehmen halte typischerweise fünf bis zehn Prozent des verwalteten Kapitals in Gold – überwiegend in Form physisch hinterlegter Sondervermögen. Das Gold lagere dabei in Schweizer Banktresoren. Zwar schwanke auch der Goldpreis, doch seinen Wert gänzlich verloren habe Gold bisher noch nie. "Wenn der Goldpreis steigt, kann man das auch so sehen, dass Papierwährungen an Wert verlieren", so Walter. Anders als Papierwährungen, bei denen Zentralbanken die Geldmenge nach Bedarf ausweiten können, lasse sich Gold nicht beliebig vermehren. Kursgewinne sind bei der Goldanlage aus Walters Sicht hingegen zweitrangig. "Es gibt immer wieder Phasen, in denen das Edelmetall weniger gefragt ist oder der Preis über Jahre auf der Stelle dümpelt", erklärt der Experte.

Welche Formen der
Goldanlage gibt es?

Wer einen Teil seines Ersparten in physischem Gold anlegen will, hat zunächst die Wahl zwischen Goldmünzen und Goldbarren. Bei den Goldmünzen zur Geldanlage, den sogenannten Bullionmünzen, liegt der Feingehalt (Goldanteil) teilweise bei annähernd 100 Prozent (999er-Gold), teilweise leicht darunter. Entscheidend ist allerdings das Feingewicht der Münze, also die Masse des enthaltenen Goldes. "Diese Münzen werden von verschiedenen Ländern oftmals jährlich mit unterschiedlichen Motiven herausgegeben", erklärt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bekannte Beispiele sind Krugerrand (Südafrika), Maple Leaf (Kanada) und Philharmoniker (Österreich). Das Vreneli (Schweiz) wird nicht mehr neu geprägt, aber weiter gehandelt. Das Goldfeingewicht liegt typischerweise bei einer Unze oder einem bestimmten Bruchteil davon. Goldbarren sind auch in kleineren und insbesondere auch in deutlich größeren Stückelungen weit verbreitet – typisch sind Varianten von 1 bis 1000 Gramm Feingewicht.

Wo kann man Gold kaufen?
"Physisches Gold kann man bei Banken und spezialisierten Edelmetallhändlern erwerben", sagt Niels Nauhauser, "wobei einige Banken nur an die eigenen Kunden verkaufen." Zu beachten ist: Der Verkaufspreis bei der Bank oder beim Händler liegt stets über dem Ankaufspreis. "Der Unterschied beträgt bei einer Unze in der Regel rund fünf Prozent", so Nauhauser.

Der Edelmetallhandel findet heute zu einem beträchtlichen Teil online statt. Das bedeutet, Käufer müssen in Vorleistung treten und den Kaufpreis vorab bezahlen. Der Versand der Ware verursacht oft Zusatzkosten – um die zehn Euro pro Sendung laut Verbraucherzentrale. Entsprechend wichtig ist es, auf Seriosität zu achten. Die folgenden Fragen können bei der Einschätzung helfen: Wie lange gibt es den Anbieter bereits? Gibt es auch Filialen, die man aufsuchen kann? Gibt es Rankings, Testurteile und Siegel von dritter Stelle? Wie sieht die Berichterstattung in den Medien zu dem Anbieter aus?

Wie kann ich Altgold
zu Geld machen?

Goldhändler kaufen in vielen Fällen außer Münzen und Barren auch Goldschmuck, Zahn- und Bruchgold, Medaillen und Ähnliches an. Wichtig ist, die Angebote verschiedener Händler zu vergleichen, denn die Ankaufspreise können sich merklich unterscheiden. Auch sollte man den aktuellen Goldkurs an der Börse zum Vergleich mit heranziehen. Abschätzen lässt sich die vorhandene Goldmenge mit Hilfe einer Küchenwaage nach der Formel: Gesamtgewicht mal eingeprägter Feingehalt. Goldschmuck aus 585er-Gold etwa hat einen Goldfeingehalt von 585 Promille. Eine 15 Gramm schwere Kette aus 585er-Gold enthält also rund 8,8 Gramm Feingold (15 mal 0,585). Aktuell entspräche das einem Wert von rund 464 Euro. Ist bei einem Objekt der Feingehalt nicht klar, sind Angebotsvergleiche umso wichtiger, weil der Händler hier Schätzungen vornimmt. Auch Onlinehändler bieten Goldankauf an. Hier ist wiederum die Seriosität ein entscheidendes Kriterium.

Wie sollte man
Gold stückeln?

"Wer Gold kauft, um im absoluten Notfall auch damit bezahlen zu können, oder es möglichst flexibel wieder verkaufen können will, der sollte zu kleinen Stückelungen greifen, also Münzen und Barren mit kleinem Feingewicht", erklärt Christian Brenner, Geschäftsführer beim Edelmetallhändler Philoro, der auch in Freiburg eine Filiale betreibt. "Wer hingegen Gold allein zum Werterhalt hält, sollte zu möglichst großen Barren greifen, weil das Aufgeld zusätzlich zum Materialwert dabei im Verhältnis wesentlich geringer ist", so Brenner.

Wo sollte man
Gold lagern?

"Unseren Kunden, die typischerweise für einige tausend Euro Gold kaufen, raten wir zur Lagerung beim Spezialisten, beispielsweise direkt bei uns", sagt Brenner. "Bei niedrigen Anlagebeträgen empfehlen wir, Gold durchaus auch zu Hause aufzubewahren, in einem Safe, vergleichbar mit Bargeld." Damit sei der direkte Zugriff stets sichergestellt. Prüfen sollte man, ob eine etwaige Hausratversicherung den Diebstahl des heimischen Goldvorrats abdeckt, rät Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale. Eine Alternative sind Bankschließfächer. "Die Kosten liegen dabei meist bei 30 bis 60 Euro jährlich", so Nauhauser. Manche Händler, wie etwa Philoro, bieten ebenfalls eine Verwahrung, bei ähnlichen Gebühren.