"Einen Isolationismus sehe ich nicht"

Frank Herrmann

Von Frank Herrmann

Di, 12. Mai 2020

Ausland

BZ-Plus BZ-INTERVIEW mit US-Historiker Andrew J. Bacevich / Er erkennt bei Trump keine Strategie / Verhältnis zu China vor Neubewertung.

Andrew J. Bacevich, Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Boston, gehört zu den profiliertesten Historikern der Vereinigten Staaten. Einst Armeeoffizier, hat er sich in mehreren Büchern kritisch mit der Außenpolitik der USA auseinandergesetzt und gemahnt, die Grenzen amerikanischer Macht anzuerkennen. Frank Herrmann sprach am Telefon mit Bacevich.

BZ: Herr Bacevich, Donald Trump ist der Präsident des "America first". Verstärkt Corona den isolationistischen Trend?
Bacevich: Ich stimme der Prämisse nicht zu. Wenn man es an Maßstäben wie den Beziehungen in der Allianz, der Größe des Militärbudgets, der Stationierung amerikanischer Truppen in der Welt misst, würde ich sagen, dass es so gut wie keinen Beweis für den Rückzug Amerikas vom Weltgeschehen gibt. Wenn wir das spezifische Beispiel des Nahen Ostens nehmen, sollte man fairerweise anerkennen: Die Politik nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat zu katastrophalen Ergebnissen geführt. Als Erstes der Sturz der Taliban in dem Versuch, ein stabiles, halbwegs demokratisches Afghanistan zu schaffen. Daran sind wir gescheitert. Der Versuch, dies im Irak zu wiederholen, ist ebenfalls misslungen, nur eben mit noch mehr Opfern und zu noch höheren Kosten. Drittens die Erwartung, durch den Sturz Gaddafis würde ein stabileres und mehr oder weniger demokratisches Libyen entstehen. Es ...

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