Einig, dass man sich nicht einig ist

Julia Jacob

Von Julia Jacob

So, 24. Februar 2019

Müllheim

Der Sonntag Debatte zum Eichwald geht am Runden Tisch weiter.

Im Müllheimer Eichwald ist einiges los. Seit Wochen durchstreifen Vertreter der Bürgerinitiative "Rettet den Eichwald", Mitglieder des Gemeinderats und der Stadtverwaltung und Forstexperten den kommunalen Forst. Bei den Begehungen soll gezeigt werden, was besonders gut oder eben besonders schlecht läuft in der gegenwärtigen Forstpolitik. Die einen beklagen einen massiven Einschlag und sehen den Erholungswert des Walds in Gefahr, die anderen wollen einen maßvollen und zukunftsweisenden Umgang mit der Ressource Wald, wie ihn das 2017 gegen vier Stimmen der Grünen-Fraktion im Gemeinderat beschlossene Forsteinrichtungswerk vorsieht, erkennen.

Dass die Meinungen darüber, was dem Wald denn nun gut tut, weit auseinandergehen, zeigt sich auch bei der Aussprache im Gemeinderat am Mittwoch. Die Verwaltung hat eine ganze Riege an Forstexperten aufgefahren, die dem Forsteinrichtungswerk, wenn auch in unterschiedlicher Gewichtung, attestieren, dass es sowohl ökonomische als auch ökologische Aspekte berücksichtige und auch der Erholungsfunktion des Waldes Raum gebe. Johannes Beck, Leiter des Fachbereichs Forsteinrichtung am Regierungspräsidium Freiburg, betont, dass die Multifunktionalität des Waldes eben auch Kompromisse erfordere. Diese aber seien im Müllheimer Eichwald geradezu vorbildlich gelöst.

Und Karl-Ludwig Gerecke, der das Kreisforstamt Breisgau-Hochschwarzwald leitet, sieht in der Durchforstung einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des Eichenbestandes. Auch der Wald brauche ein Nebeneinander von Jung und Alt. Kathryn Babeck, die für die Bürgerinitiative das Wort ergreift, betont in ihrer Stellungnahme, dass auch die BI und die rund 2 000 Unterzeichner einer Petition die Berücksichtigung der Multifunktionalität des Eichwalds forderten, allerdings sollte dabei nicht der ökonomische Wert des Waldes im Vordergrund stehen. Und sie moniert, dass die eingeladenen Experten allesamt zur Forstverwaltung gehörten und somit auch nur eine bestimmte Sicht auf das Thema hätten. Dafür gibt es viel Applaus. Der Ratsaal ist rappelvoll. Die BI hat für den Termin im Rathaus reichlich Mitstreiter mobilisiert.

Doch nicht nur aus den Reihen der BI wird Kritik am Forsteinrichtungswerk laut. Neben der Fraktion ALM/Grüne, die ebenfalls wirtschaftliche Interessen am Werk sieht, sieht auch die SPD ein Potenzial für Verbesserungen. Harsche Kritik an der gewählten Methode für die Eichenverjüngung übt auch Michael Nutsch, der für die Freien Wähler spricht. Der früherer Revierförster im Eichwald spricht sich für größere Schirmschlagflächen anstelle der kleinflächigeren Verjüngungsparzellen aus. Einzig die CDU hat am Forsteinrichtungswerk nichts zu beanstanden. Allerdings müsse man die Arbeiten im Wald besser kommunizieren, finet deren Vorsitzender Jürgen Nafz. Am Ende der über zweistündigen Debatte sind sich beide Seiten darüber einig, dass sie sich nicht einig sind. Immerhin besteht Konsens darin, dass man den Eichwald als Eichenwald erhalten will, nicht aber über den Weg dahin. Darüber soll nun an einem Runden Tisch weiter diskutiert werden, den die BI gerne paritätisch besetzen will, um auch Experten außerhalb der Forstverwaltung einzubeziehen.Julia Jacob