"Einige sind richtig platt"

dpa

Von dpa

Sa, 05. September 2020

Nationalelf

Vor dem Nations-League-Spiel der deutschen Nationalelf gegen die Schweiz im Basler St. Jakob-Park wächst die Kritik am eng getakteten Terminplan für die Fußballer.

(dpa/BZ). Den Frust über das späte Spanien-Tor war Joachim Löw schnell wieder los. Die große Sorge um seine Spieler und den Zorn auf eine Uefa-Regel nimmt der Bundestrainer aber mit auf den kurzen Charterflug Richtung Basel. Die von Corona diktierten engen Zeitpläne machen Löw wie auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge kräftige Bauchschmerzen. Schon vor dem nächsten Spiel der Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag (20.45 Uhr/ZDF) in der Nations League gegen die Schweiz sieht sich der 60-Jährige in seiner Haltung leidvoll bestätigt. "Wir müssen aufpassen: Die Gesundheit der Spieler steht über allem", sagte Löw nach dem Last-Minute-Gegentor beim 1:1 gegen Spanien. Er gestand: "Einige sind richtig platt."

Sein Unverständnis über die vom eigenen DFB angesetzten Testspiele im Oktober und November konnte Löw gerade noch diplomatisch verpacken. "Ich vertrete auch die Verbandsinteressen. Und der Verband freut sich über die Einnahmen", sagte Löw. Dass der europäische Dachverband (Uefa) die Anzahl der möglichen Auswechslungen im Gegensatz zur Champions League wieder von fünf auf drei reduzierte, brachte ihn aber förmlich in Rage. "Gerade jetzt hätte man es gebraucht, weil die Spieler jetzt das Mammutprogramm haben und es hätte Sinn gemacht, weil einige sind echt auf dem Zahnfleisch gelaufen", sagte er ungewöhnlich energisch.

Die Hoffnung auf eine Einsicht bei der Uefa ist aber relativ gering. Was dem Bundestrainer auf dem Weg zum großen Ziel EM-Sommer 2021 lediglich bleibt: immer wieder rotieren, die Belastungen verteilen. Auch auf die Gefahr hin, lange keine Grundformation einspielen zu können. So fehlen gegen die Schweiz unter anderen weiter die vier Münchner Triple-Sieger (Neuer, Kimmich, Goretzka, Gnabry) wegen Sonderurlaubs. Sonst, so die Drohkulisse des Bundestrainers, "haben wir Probleme im April und Mai. Das versuche ich zu verhindern."

Schon im Basler St. Jakob-Park wird es wieder Veränderungen geben. "Logischerweise werden wir ein paar frische Kräfte bringen in der Schweiz", kündigte Löw an. Gelegenheit, sein Team taktisch neu einzustellen, sieht er nicht. "Die nächsten Tage können wir nicht so viel im Training machen. Wir werden regenerieren."

Leroy Sané ist für Löw das Musterbeispiel für die alarmierenden Indizien gleich zum Start der XXL-Saison. "Leroy hat Krämpfe gehabt. Man muss sehen, woher er kommt. Er hat in den letzten vier, fünf Monaten kaum ein Spiel gemacht. Es war klar, dass die Kraft nachlässt", sagte Löw über den Bayern-Zugang, der nach 15 Monaten und erstmals nach seinem Kreuzbandriss wieder für Deutschland stürmte. "Man muss aufpassen bei ihm", mahnte Löw, der Sené in der 62. Spielminute gegen den früherer Freiburger Matthias Ginter auswechselte.

Die Spanier hatten in Stuttgart durch Luis José Gayà in der sechsten Minute der Nachspielzeit die Führung durch Timo Werner (51.) ausgeglichen. "Es war eine Sache der Kraft und der Konzentration", bemerkte Löw. Ein Prestigeerfolg mit dem ersten Pflichtspielsieg gegen die Iberer in seiner Amtszeit hätte Löw als Achtungszeichen sicher gut getan. Auch nach nun fünf Nations-League-Spielen ohne Sieg dazustehen, ist für ihn nicht relevant. "So lange wir uns so entwickeln, wie wir das heute gemacht haben, muss ich ganz ehrlich sagen, sind mir die Ergebnisse in der Nations League nicht das Wichtigste", sagte Löw.

So wollen sie am Sonntag spielen: Schweiz: Sommer – Mbabu, Elvedi, Akanji, Rodríguez, Zuber – Xhaka, Sow – Embolo, Vargas – Seferovic. Deutschland: Leno – Kehrer, Ginter, Rüdiger, Gosens – T. Kroos, Gündogan – Brandt, Draxler – Waldschmidt – Werner. Schiedsrichter: Oliver (England).