Eintritt in eine zauberhafte Welt

Karin Steinebrunner

Von Karin Steinebrunner

Mi, 22. Januar 2020

Herrischried

Zwei Erzählerinnen bieten Märchen für Erwachsene und wollen andere animieren, ebenfalls in Rütte aufzutreten.

HERRISCHRIED. Bis auf den letzten Platz gefüllt war das Atelier von Barbara Kleinbub-Overhage im Herrischrieder Ortsteil Rütte. Zwei Märchenerzählerinnen versetzten, begleitet von einer Geigerin, die Zuhörer in eine zauberhafte Welt. Bereits zum fünften Mal fand eine solche Märchenstunde statt, und die Organisatorin möchte diese Veranstaltung einem breiteren Interessentenkreis öffnen, nicht zuletzt, um Leute zu animieren, sich in diesem Rahmen ebenfalls einmal zu präsentieren.

Eingerichtet hatte Barbara Kleinbub-Overhage den Raum ursprünglich 1996 als Webatelier für ihr eigenes Hobby. Auch Konzerte hatte sie zusammen mit ihrem mittlerweile verstorbenen Ehemann, Cellist Michael Overhage – ehemaliger Prüfer für das Lehrdiplom und Mitglied des Philharmonischen Orchesters Basel – dort in einem eher privaten Rahmen mit geladenen Gästen ausgerichtet.

Traum von einer Erzählwerkstatt
Seit April vergangenen Jahres nun werden in dem rund 45 Plätze umfassenden kleinen Saal in regelmäßigen Abständen Märchen für Erwachsene erzählt.

Inspiriert wurde die Herrischriederin zu ihrer Reihe durch die österreichische Märchenerzählerin Frau Wolle und durch die Bad Säckingerin Margit Grüning und deren Märchentage. "Ich lernte die beiden Frauen kennen, und plötzlich entdeckte ich eine ganze Reihe von Märchenerzählerinnen auch hier oben bei uns in der Gegend", erinnert sie sich. Sie schwärmt von einer richtigen Erzählwerkstatt, bei der sich ganz unterschiedliche Erzählerinnen und Erzähler bei ihr melden, und sie organisiert dann die Veranstaltung dazu.

Viele Märchenfreunde kommen
"Ich bin positiv überrascht, wie viele Märchenfreunde selbst bei dieser unsicheren Witterung hierher gefunden haben", erklärt Elisabeth Radloff, neben Inge Ullrich Erzählerin an diesem Nachmittag. Begleitet und umrahmt werden die je zwei Märchen, die die beiden Frauen erzählen, von den zur jeweiligen Stimmung gespielten Melodien der Geigerin Mathilde Lang. Inge Ullrich beginnt. Mit warmer, Vertrauen einflößender Stimme erzählt sie die Geschichte von der Katze und der Maus mit gemeinsamem Haushalt, die für den Winter ein Fetttöpfchen in der Kirche hinter dem Altar verstecken. Die Katze aber nascht unter dem Vorwand, zum Gevatter gebeten worden zu sein, immer wieder von dem Töpfchen, und als die Maus endlich dahinter kommt, wird auch sie noch aufgefressen.

Elisabeth Radloff löst sie ab mit der Geschichte der Frau Holle, die sich mit Hilfe des Junkers Tod eine Alte von der Erde holen lässt, die ihre unansehnlichen Apfelbäume pflegen soll. Als Nächstes berichtet Inge Ullrich von dem Diener, der einen Bissen von einer weißen Schlange aus der geheimen Schüssel seines Königs nascht. Daraufhin versteht er die Sprache der Tiere, und für die Hilfe, die er den Tieren auf seiner Reise durch die Welt geleistet hatte, bekommt er Unterstützung bei den Aufgaben, die eine fremde Königstochter an ihre Freier stellt, so dass er diese schließlich zur Frau bekommt.

Erzählung aus Nordsibirien
Mit einer ganz ungewöhnlichen Erzählung aus Nordostsibirien mit vielen fantastischen Elementen, beinahe szenischer Umsetzung und von Geigerin Mathilde Lang eingeflochtenen musikalischen Kommentaren beschließt Elisabeth Radloff den Nachmittag. Darin schickt eine Großmutter ihre Enkelin fort, um das Glück zu finden. Ein weißer Hirsch hilft ihr dabei und verwandelt sich am Ende zu einem schönen Jüngling, und auch die Großmutter wird vor lauter Glück wieder jung. Die Anwesenden dankten für diesen stimmungsvollen und unterhaltsamen Nachmittag mit anhaltendem Applaus.