Studie

Eintrittskarten für Festivals und Konzerte werden immer teurer

Peter Disch

Von Peter Disch

So, 18. August 2019 um 18:03 Uhr

Südwest

Laut einer Studie des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft sind die Künstler die Hauptprofiteure steigender Ticketpreise. Was bedeutet das für die Zukunft der Konzerte?

Eine Studie des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft liefert Hintergründe, wie sich der Markt für Livemusik in Deutschland zwischen 2013 und 2017 entwickelt hat – und lässt damit auch Rückschlüsse auf die Gegenwart und Zukunft von Festivals und Hallenveranstaltungen im Südwesten zu.

Welche Rolle spielen Events mit Musik?
Veranstaltungen mit Musik – also Konzerte, Opern, Musicals – machen annähernd drei Viertel des gesamten Veranstaltungsmarktes aus. Zu Veranstaltungen ohne Musik zählen Theater, Varieté, Comedy, Sport, Circensisches, aber auch "Diskotheken mit prominentem DJ oder Künstlerprogramm".

Wie hat sich der Konzertmarkt entwickelt?
Verglichen mit 2013, als der Verband schon einmal eine groß angelegte Studie veröffentlichte, stieg der mit Musikveranstaltungen gemachte Umsatz um 35 Prozent auf 3,655 Milliarden Euro. Der Durchschnittspreis der Karten sprang um 39 Prozent auf 51,41 Euro. Aber: Die Zahl der Besucher und der verkauften Tickets ist gefallen – um 13 Prozent auf gut 22 Millionen Besucher und um sechs Prozent auf 71 Millionen verkaufte Karten. Unterm Strich wurde also mit weniger Besuchern deutlich mehr Umsatz erwirtschaftet.

Welches sind die beliebtesten Genres?
An erster Stelle stehen Rock und Pop mit 30 Prozent, gefolgt von Klassik/Oper/Operette mit 28 Prozent, es folgen Musicals mit 18 Prozent und Schlager/Volksmusik mit elf Prozent.

Wie ist die Preisspanne?
Bei den Kartenpreisen bewegen sich Rock/Pop, Klassik und Schlager/Volksmusik im gleichen Bereich – 48, 46 und 47 Euro werden im Schnitt fällig. Genres wie Jazz, Chanson, Blues, die weniger auf Show setzen, haben ein Preisniveau von 35 Euro. Tickets für aufwändige Produktionen wie Musicals kosten 72 Euro.

Wer profitiert von den steigenden Preisen?
"Profiteure der starken Nachfrage nach Live-Entertainment [sind] nicht die Veranstalter, sondern die Künstler", analysiert Verbandspräsident Jens Michow die Daten der Untersuchung. Die Künstler verlangten demnach stetig wachsende Gagen. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben für Organisation und Produktion der Veranstaltungen kontinuierlich, was die Margen der Veranstalter sinke lasse, so Jens Michow.

Welche Rolle spielen Gagen für Künstler?
1995, bevor die Digitalisierung zu einer brutalen Schrumpfkur des Tonträgermarkts führte, hielten sich die Umsätze, die mit Auftritten und Plattenverkäufen gemacht wurden, in etwa die Waage. 2017 ein völlig anderes Bild: Nun machte der Live-Bereich fast drei Viertel des Umsatzes des Musikmarktes aus – er ist also zur Haupteinnahmequelle der Künstler geworden.

Wie wurden die Daten der Studie erhoben?
Insgesamt 3000 Menschen, eine repräsentative Stichprobe der deutschen Bevölkerung ab zehn Jahren, wurde zum Thema Veranstaltungsbesuche zwischen Juli 2016 und Juni 2017 befragt.



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