Eis und Matsch beim ersten MTB-Härtetest

Lynn Sigel, Jürgen Ruoff und Johannes Bachmann

Von Lynn Sigel, Jürgen Ruoff & Johannes Bachmann

Di, 23. März 2021

Mountainbike

Starker Auftakt der Mountainbiker Max Brandl und Luca Schwarzbauer in der Bundesliga mit Rängen drei und vier/ Julian Schelb wird Elfter, Simon Stiebjahn 28.

. Saisonauftakt in der Mountainbike-Bundesliga: Im international stark besetzten Cross-Country-Rennen in Obergessertshausen haben sich Max Brandl und Luca Schwarzbauer vom Kirchzartener Lexware-Team die Ränge drei und vier erkämpft. Der Münstertäler Julian Schelb belegte den elften Platz. Simon Stiebjahn aus Langenordnach, der sich auf den Marathon-Weltcup konzentriert, kam als 28. ins Ziel.

Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Monaten trafen sich im beschaulichen Obergessertshausen die schnellsten Mountainbiker – und erneut wurde es eine Schlammschlacht. Der Boden auf der primär im Wald verlaufenden 4,2-Kilometer-Strecke war teils gefroren, teils matschig. Schwieriges Terrain für alle Starter, unter denen sich Hochkaräter befanden: Der französische Weltmeister Jordan Sarrou sowie die Weltcup-Sieger Simon Andreassen (Dänemark) und Gerhard Kerschbaumer (Italien) waren angereist.

Vom Start weg platzierte sich Luca Schwarzbauer in der Spitzengruppe, an deren Ende sich der deutsche Meister Max Brandl einreihte. An der Spitze zogen der Schweizer Thomas Litscher, Andreassen sowie sein dänischer Landsmann Sebastian Fini das Tempo nach der ersten Runde an und hängten Schwarzbauer ab. Der behauptete sich auf der vierten Position gegen den Schweizer Filippo Colombo, bis von hinten Teamkollege Brandl auffuhr. Die beiden Lexware-Fahrer waren drei Runden lang gemeinsam unterwegs, bis Brandl versuchte, nach vorne aufzuschließen und Schwarzbauer distanzierte. "Ich habe mehr technische Fehler gemacht als Max", erklärte Schwarzbauer, der sich in der letzten Runde einen Platten einfing. Von hinten rückten Gerhard Kerschbaumer und Weltmeister Jordan Sarrou auf und überholten ihn, während Schwarzbauer nur noch auf seiner Felge fuhr. Doch Schwarzbauer gelang es, Kerschbaumer und Sarrou auf der Zielgeraden noch zu übersprinten – trotz plattem Hinterrad. "Ich bin super happy mit Rang vier," sagt der 24-Jährige im Ziel. "Vor dem Rennen war ich echt nervös, aber es hätte nicht besser laufen können." Schwarzbauer trainiert seit Oktober bei einem neuen Coach.

Max Brandl wurde Dritter, nachdem der Däne Andreassen wegen eines Plattens die Spitze ziehen lassen musste. Sebastian Fini (1:21:46 Stunden) siegte vor Thomas Litscher. "Nach vier Wochen Trainingslager konnte ich nicht richtig einschätzen, wo ich leistungsmäßig stehe", sagt Brandl zu seiner defensiven Anfangstaktik. "Es hat mega Spaß gemacht, vor allem mit Luca gemeinsam zu fahren", sagt Brandl, der auf derselben Strecke seinen deutschen Meistertitel gewonnen hatte. "Ich freue mich auf die Saison und bin zuversichtlich."

Schelb: "Es ging besser als erwartet"

Julian Schelb (Team Stop&Go Marderabwehr), der Teilzeit als Zimmermann arbeitet, zeigte in dem Weltklassefeld ebenfalls eine starke Leistung und wurde Elfter. "Es ging besser als erwartet", sagte der Münstertäler, der im Frühjahr stets mit Allergie-Problemen kämpft: "Im Rennen hat mich die Allergie nicht behindert, die Vorbereitung hat sie aber schon beeinträchtigt." Nachdem er in der ersten Runde um Position 20 unterwegs war, schaffte er schnell den Sprung auf Rang zehn und biss sich dort fest. In der letzten Runde musste der 28-Jährige noch einen Konkurrenten vorbeiziehen lassen. Das Shortrace tags zuvor in Krumbach hatte Schelb als Sechster beendet.

Junioren-Weltmeister Lennart Krayer (Team Lexware), der in Obergessertshausen sein erstes Rennen in der U-23-Klasse bestritt, startete schnell und hielt sich gemeinsam mit dem deutschen Marathon-Meister David List in der Verfolgergruppe auf. Nach einem Verpflegungsfehler verließen ihn jedoch die Kräfte. "Ein Tag zum Lernen", resümierte Krayer, der als 29. das Ziel erreichte. Teamkollege David List hatte wegen einer unpassenden Reifenwahl mit dem Matsch zu kämpfen. "Ich hatte gehofft, dass es mehr abtrocknet", so der 21-Jährige. Er wurde 18. Lokalmatador Georg Egger (Team Lexware), der am Samstag beim Shortrace Vierter geworden war, hatte ebenfalls mit den matschigen Bedingungen zu kämpfen. Phasenweise war er mit David List unterwegs, der 25-jährige Egger stürzte jedoch in der letzten Runde, zog sich eine Platzrunde am Kopf zu und gab auf.

In ihrem ersten Frauen-Eliterennen zeigte die in Freiburg studierende Nina Benz (Team jb Brunex Felt) eine couragierte Leistung und wurde Vierte noch vor Weltmeisterin Paulin Ferrand Prevot (6.) aus Frankreich. Benz hatte lange mit der Niederländerin Anne Tauber um Rang drei gekämpft. "Nach dem schwierigen vergangenen Jahr mit einer deutlichen Umfangssteigerung im Training hat Nina jetzt den nächsten Schritt nach vorne gemacht", sagt Bernd Ebler, der Bundesstützpunkt-Trainer.

Schelbs Teamkollege Ben Schweizer wurde im Juniorenrennen Zweiter. Antonia Weeger und Benjamin Krüger (beide Lexware), die in der Klasse U 19 debüttierten, behaupteten sich auf den Rängen sechs und drei.

Stiebjahn: "Mir fehlt noch die Spritzigkeit"

"Ich hatte gehofft, dass ich schon etwas weiter bin", blickt der Langenordnacher MTB-Profi Simon Stiebjahn auf zwei kraftraubende Tage zurück. Beim Shortrace in Krumbach hielt der 30-Jährige in einem sehr schnellen Rennen auf dem knackigen Innenstadtkurs gut mit und stürmte in den Heats in der Endabrechnung auf Rang 16. Tags darauf musste sich der Hochschwarzwälder in Obergessertshausen im Weltklassefeld mit Rang 28 zufriedengeben. Asphalt hier, Eis und Matsch dort – so unterschiedlich wie die Strecken waren auch Stiebjahns Eindrücke. Auf dem eckigen Stadtkurs kamen dem Langenordnacher seine Sprintfähigkeiten zugute, das Alles-oder-nichts auf breitem Pneu kostete bei immer wieder geforderten explosiven Antritten viel Kraft. "Körner", die Stiebjahn am Sonntag bei Temperaturen um den Gefrierpunkt fehlten. Heiß wurde ihm trotzdem auf dem mit Laufpassagen gespickten und an vielen Stellen mit Eis überzogenen Rundkurs. Glätte, die er mit Fahrkönnen meisterte: "Es war wenigstens nicht ganz so matschig wie befürchtet." Der Start gelang Stiebjahn ordentlich, "ich konnte ein konstantes Tempo fahren". Und doch war er im Vergleich mit der absoluten Spitze eine Idee zu langsam unterwegs. "Ich hab’ gemerkt, dass mir noch die Spritzigkeit fehlt." Rang 28 ordnete Stiebjahn in der Kategorie solide ein. Am Montag morgen stieg der Langenordnacher in Frankfurt ins Flugzeug Richtung Spanien. In der Region Valencia erwartet ihn von Donnerstag an ein beinhartes Marathon-Etappenrennen, in der Karwoche tritt Stiebjahn nördlich von Barcelona bei drei Eintagesrennen in die Pedale. "Ich hoffe, danach passt es mit der Rennhärte", so Stiebjahn.

Rennluft atmen hieß es auch für die Mountainbiker der Breitnauer Rennstallchefin Andrea Gutmann. In der U-23-Klasse bewiesen Tom Luca Bernhard vom Bike-Cases-Merida-Team, der unter die Top-100 fuhr und Ben Grupp, der auf den 69. Platz kurbelte, ihr Talent. Eine Demonstration der Stärke bot Paul Geigle. In der U 19 wühlte sich der Fahrer des Breitnauer Rennstalls von Startplatz 70 beherzt durchs breit gefächerte Feld, kassierte zahlreiche Konkurrenten und erreichte als 48. das Ziel. Marvin Sonntag gab das Rennen auf.

Fahren oder fliegen? Die Breitnauer Heiko Hog und Simon Gutmann standen vor Wochenfrist vor einer schwierigen Entscheidung. Statt in Obergessertshausen erste Rennerfahrung zu sammeln, jetteten sie mit gültigem PCR-Test nach Mallorca, um sich bis Gründonnerstag intensiv auf den Eliminator-Sprintweltcup im österreichischen Graz vorzubereiten. "Ein Spaß ist das nicht für die beiden", erklärt Rennstallchefin Andrea Gutmann, "das ist einfach nur Tretarbeit ohne Vergnügen". Abends herrscht in Mallorca Ausgangssperre, das Hotelzimmer soll so selten wie möglich verlassen werden.