Häuptling schneller Pfeil

Ralf Burgmaier

Von Ralf Burgmaier

Sa, 08. August 2009

Panorama

Chris Mozolowski geht mit dem Bogen auf die Jagd – im Ausland, denn in Deutschland ist sein Hobby illegal / Von Ralf Burgmaier

Das Gnu scheint sich nur auszuruhen. Oder schläft es etwa mitten am Tag in der offenen Savanne? Der muskulöse Körper ruht auf den ordentlich unter seinem massigen Leib gefalteten Beinen. Wie eine archaische Holzmaske mutet der Kopf mit dem kurzen kräftigen Gehörn an. Über der Kruppe des Tieres lächelt Chris Mozolowski in die Kamera. Der Hightech-Bogen vor seiner Brust ist die Waffe, mit der er das Gnu getötet hat. Chris Mozolowski hat nicht nach alter Hemingway’scher Großwildjägerunsitte den Fuß triumphierend auf das Tier gesetzt. Er hat sich auf Augenhöhe mit dem erlegten Gnu begeben, dem er sich so unendlich mühevoll angenähert hat, dass er in den Stunden der Jagd eine intensive Beziehung zu dem Tier aufgebaut hat.

Das Gesicht des Jägers erzählt von der gelösten Spannung nach der schier endlosen Mühe der Pirsch. Bis auf etwa 25 Meter hat sich der Bogenjäger, jede Deckung ausnutzend, geräuschlos an das ahnungslos grasende Tier herangeschlichen. So nahe schaffen es selten einmal Löwen, zu deren Beutetieren das Gnu gehört, bevor sie aus der Deckung hervorbrechen. Dabei sind Gnus Herdentiere. Nicht nur die hochgespannten Sinne eines einzigen Tieres überwachen die Umgebung. "Um sicher mit dem Pfeil zu treffen, muss ich nahe ran. Wir Bogenjäger kommen dem Wild, das wir jagen, sehr nahe. Ich sehe den Wimpernschlag oder wie die Haut zuckt, weil eine Fliege darauf gelandet ist, ich höre das Atmen oder die Geräusche im Magen des Tieres", sagt Chris Mozolowski. Einmal, bei einer Jagd in Europa, hat sich beim Ansitzen ein Eichelhäher auf der Sehne seines Bogens niedergelassen oder ein Eichhörnchen ist sein in Tarnkleidung steckendes Bein hochgeklettert.

Mozolowskis Bogen besteht aus leichten Verbundmaterialien. Wenn er die Sehne mit dem Karbonpfeil spannt, muss er einen Widerstand von rund 70 Pfund überwinden. "Maximal 20 Prozent meiner Versuche sind erfolgreich. Die Tiere haben eine echte Chance." Das Lächeln des Jägers auf dem Foto mit dem Gnu erzählt vom Glück, dass nach der stundenlangen Pirsch auch das Spannen des Bogens von den Tieren unentdeckt blieb; vom Glück, dass der Pfeil nach kurzem Zielen über die Visiereinrichtung fast geräuschlos von der Sehne schnellt, weil die Dämpfer am Bogen ihr Nachschwingen verhindern, und schließlich optimal ins Ziel trifft.

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