Département Haut-Rhin

Elsass wird zur Risikozone – Zahl der Corona-Infizierten verdoppelt

Bärbel Nückles und Klaus Riexinger

Von Bärbel Nückles & Klaus Riexinger

Mo, 09. März 2020 um 20:35 Uhr

Elsass

Nachdem es im Département Haut-Rhin zu den ersten beiden Todesfällen gekommen ist und sich die Zahl der Corona-Infizierten dort seit Freitag verdoppelt hat, stuft das Landessozialministerium das südliche Elsass faktisch als Risikogebiet ein.

Pendler aus dem Haut-Rhin oder Kinder und Jugendliche, die in Baden-Württemberg zur Schule gehen, werden gebeten, "nach Möglichkeit für 14 Tage zu Hause zu bleiben". Es handelt sich aber nur um eine Empfehlung. Verpflichtungen kann das Land nicht aussprechen, so lange das Robert-Koch-Institut nicht offiziell von einem Risikogebiet spricht.

Die Entscheidung erfolgt laut einer Mitteilung des Freiburger Regierungspräsidiums wegen der vielfältigen grenzüberschreitenden Kontakte in der Region. Mitentscheidend für die Einstufung war offenbar, dass auf französischer Seite inzwischen keine Kontaktpersonennachverfolgung der Covid-19-Fälle mehr stattfindet. "Wir als Repräsentanten der elsässischen Unternehmen können eine solche Entscheidung absolut nachvollziehen", reagierte ein Sprecher der elsässischen Industrie- und Handelskammer (CCI) auf Anfrage der Badischen Zeitung am Montag. Brigitte Klinkert, Präsidentin des Départementrates Haut-Rhin, sagte, wichtig sei für sie jetzt insbesondere, dass die kommenden Maßnahmen grenzüberschreitend abgestimmt würden.
Krankschreibungen

Wer an einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege leidet, kann sich ab sofort nach telefonischer Rücksprache mit dem Arzt krankschreiben lassen. Darauf weist die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hin. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) kann der Arzt Patienten den Informationen zufolge für maximal sieben Tage ausstellen, ohne dass Arbeitnehmer dafür in die Praxis kommen müssen.
Die Ausnahmeregel gilt etwa für Erkältungen oder grippale Infekte, aber nicht für Patienten mit schwerer Symptomatik.

Im Département Haut-Rhin mit der größten Stadt Mulhouse wurden 193 Infektionen nachgewiesen. Dies entspricht einer Verdoppelung der Fälle seit Freitag. Bei den Verstorbenen handelt es sich um einen 91-jährigen Mann und um eine 86 Jahre alte Frau. Am Freitagabend hatte Premierminister Edouard Philippe die Schließung sämtlicher Schulen und Vorschulen für den Haut-Rhin angeordnet. Unter anderem dürfen öffentliche Veranstaltungen, an denen mehr als 50 Menschen teilnehmen, nicht stattfinden.

Die Handwerkskammer Freiburg zeigt Verständnis für die Entscheidung der zuständigen Behörden, mahnt aber, die Maßnahmen auf Verhältnismäßigkeit zu prüfen. "Südbadische Handwerksunternehmen würden keine Aufträge mehr dort ausführen, da nicht klar ist, ob die dort tätigen Mitarbeiter zurück in den Betrieb dürfen", sagt Geschäftsführungsmitglied Handirk von Ungern-Sternberg.

Der Handel in Südbaden spürt jetzt schon einen Rückgang der Kundenströme aus dem Elsass. Eine entsprechende Rückmeldung habe er vom Modehaus Kaiser in Freiburg bekommen, sagt Peter Spindler, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Südlicher Oberrhein. "Die Lage ist angespannt." Daher haben sich Handel und Land auf Ausnahmen bei Arbeitszeitregeln und beim Sonn- und Feiertagsverbot für Lkw verständigt.

Vor einer hohen Hürde steht auch der Europa-Park in Rust: Etwa ein Viertel seines Personals kommt aus Frankreich, in der Wasserwelt Rulantica ist es jeder zweite. In Südbaden sind 7000 Arbeitnehmer aus dem Haut-Rhin beschäftigt.