Bohrstopp nach Beben

BP

Von BP

So, 17. November 2019

Elsass

Der Sonntag Nördlich von Straßburg ist beim geothermieprojekt vorläufig Schluss.

Eine Reihe von leichteren Erdbeben bei Straßburg und Kehl hat in der zurückliegenden Woche einen vorläufigen Bohrstopp für das Geothermie-Projekt der Straßburger Elektrizitätswerke und des Unternehmens "Fonroche Géothermie" in Vendenheim-Reichstett zur Folge gehabt. Die Behörden in Straßburg sprachen am Donnerstag von einer Vorsichtsmaßnahme, die so lange gelte, bis die Ursache der Beben definitiv geklärt sei.

Experten wie der Straßburger Geophysiker Jérome Van der Woerd waren gegenüber der Zeitung L’ Alsace zu der These gekommen, dass die Tiefenbohrungen die Beben mit der Stärke 3,2 und 2,6 am Dienstag und Mittwoch verursacht haben könnten. Fonroche hatte bereits am Dienstag gesagt, dass dem nicht so sei: Bohrstelle und Epizentrum würden zu weit auseinanderliegen. Dennoch: Bereits ab Beben der Stärke 2 auf der Richterskala kann die Präfektur in Straßburg einer Verordnung zufolge die Bohrungen stoppen.

Am Dienstag war wegen der Erdstöße das Arbeitsamt in Straßburg evakuiert worden. Der Stromkonzern EdF beeilte sich zudem mitzuteilen, dass die Beben im rund 90 Kilometer südlich liegenden Fessenheim nicht spürbar gewesen seien und keinen Einfluss auf die Arbeit und die Sicherheit im dortigen Atomkraftwerk gehabt hätten. Verletzt wurde durch die Beben an den beiden Tagen niemand.

Bereits am Mittwoch setzten sich nach den ersten Beben vom Dienstag Vertreter der Universität Straßburg, des Bohrunternehmens und der Straßburger Umweltbehörden zusammen und stellten fest, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar sei, ob die Beben eine natürliche Ursache haben oder nicht.

Französischen Medien zufolge sollen die Untersuchungen und Gespräche in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Der Präsident der Eurometropole Straßburg, Robert Herrmann, betonte gegenüber der Zeitung Dernières Nouvelles d’ Alsace (DNA) , dass die relativ große Entfernung zwischen der Bohrstelle und dem Epizentrum der Beben Experten vor ein Rätsel stelle, dass geklärt werden müsse.

Sollte sich zeigen, dass die Beben durch die Bohrungen verursacht wurden, wäre dies ein schwerer Rückschlag für die Nutzung der Tiefengeothermie am Oberrhein. Die Technologie, bei der mittels Bohrungen, die mindestens 400 Meter tief in die Erde vordringen, die dort herrschende Wärme für die regenerative Wärme-, Kälte- und Energiegewinnung nutzbar gemacht werden soll, ist seit 2006 in der Region in Verruf geraten. Damals löste eine Bohrung in Basel ein Beben aus, das letztlich den Todesstoß für das dortige Geothermieprojekt bedeutete. Weithin bekannt sind zudem die Schäden in der Stadt Staufen, die allerdings durch oberflächennähere Geothermiebohrungen zustande kamen.

Die Potenziale für die Nutzung von tiefer Erdwärme gelten in der Oberrheinregion als groß, auch auf deutscher Seite: Im Frühjahr 2019 hat auch die baden-württembergische Landesregierung angekündigt, entsprechende Projekte künftig vermehrt fördern zu wollen. BP