Kampf gegen Covid

EMA und WHO sprechen sich für Astrazeneca für alle aus

dpa

Von dpa

Mi, 07. April 2021 um 21:15 Uhr

Deutschland

Großbritannien schränkt die Nutzung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca ein, während internationale Gesundheitsbehörden ihre Empfehlung trotz der seltenen Nebenwirkungen nicht ändern.

Die Überprüfungen seltener Fälle von Blutgerinnseln nach einer Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff durch Experten in der EU und Großbritannien haben am Mittwoch überraschende Ergebnisse erbracht. Während die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) zwar feststellte, dass es sich um Nebenwirkungen des Vakzins handelt, nahm sie keine Änderung an ihrer uneingeschränkten Empfehlung für den Impfstoff vor.

Die britische Impfkommission JCVI (Joint Committee on Vaccination and Immunisation) wollte sich hingegen nicht festlegen, was die Ursache der Blutgerinnsel ist. Sie passte aber ihre Empfehlung für Menschen unter 30 an, die nun ein anderes Vakzin bekommen sollen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach sich vorerst für die weitere Verwendung des Impfstoffs aus. Nach aktueller Datenlage scheine ein Zusammenhang mit Thrombosen zwar plausibel, aber nicht bestätigt, es bedürfe daher weiterer Studien, so die WHO.

Keine Auswirkungen in Deutschland

In Deutschland hat die Empfehlung voraussichtlich keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Entscheidung der ständigen Impfkommission (Stiko), die den Astrazeneca-Impfstoff zuletzt für Menschen ab 60 Jahren empfohlen hatte. Was die EMA gemacht habe, könne man mit Sicherheit rechtfertigen, sagte Stiko-Mitglied Christian Bogdan am Mittwoch. Belgien will zunächst nur noch Personen über 55 Jahren mit dem Präparat impfen, wie die Gesundheitsminister des Landes am Mittwoch entschieden.

In Großbritannien sind nach Angaben der Arzneimittelbehörde MHRA bislang 79 Fälle von seltenen Blutgerinnseln nach Impfungen mit dem Astrazeneca-Präparat aufgetreten. Dabei kam es zu 19 Todesfällen. Junge Menschen sind dabei überproportional stark betroffen. Ein direkter Zusammenhang mit dem Impfstoff konnte laut Impfkommission zwar noch nicht nachgewiesen worden. Aber angesichts des geringeren Risikos für jüngere Menschen, an Covid-19 zu sterben, habe man diese Abwägung getroffen, hieß es.

Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombosen

"Dies ist ein Kurswechsel", sagte der medizinische Regierungsberater Jonathan Van-Tam. "Wir hoffen nicht, dass er zu weniger Vertrauen in die Impfstoffe führt." Die Vorteile des Impfstoffs würden weiterhin die Risiken für die allermeisten Menschen überwiegen. Außerdem werde man jegliche Nebenwirkungen sehr sorgfältig überwachen. Premierminister Boris Johnson betonte, Menschen jeden Alters könnten volles Vertrauen in die Impfstoffe haben.

Die Experten der EMA stellten einen Zusammenhang zwischen Impfstoff und Thrombosen fest, wenn gleichzeitig eine sehr geringe Zahl von Blutplättchen vorhanden ist. Dies trete allerdings sehr selten auf. Die Behörde hält damit weiterhin an ihrer Bewertung des Präparates fest. "Der Nutzen des Wirkstoffes bei der Bekämpfung von Covid-19 ist deutlich höher zu bewerten als die Risiken", sagte EMA-Chefin Emer Cooke.


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Unklar ist, was für Folgen die EMA-Entscheidung nun für die Impfungen in den EU-Mitgliedstaaten haben wird. Mehrere EU-Länder, darunter Deutschland, hatten zuvor den Einsatz des Impfstoffes auf Personen über 60 eingeschränkt. Konkret geht es vor allem um seltene Fälle von Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen nach einer Astrazeneca-Impfung. In Deutschland gab es 31 Verdachtsfälle.

Daraufhin hatte die EMA im März eine Expertengruppe eingesetzt. Sie hatte zunächst keinen Zusammenhang mit der Impfung festgestellt. Die Untersuchung wurde fortgesetzt. Die Experten vermuten, dass es sich um eine sehr seltene Immunreaktion handelt. Die meisten Fälle waren etwa zwei Wochen nach der Impfung aufgetreten. Geimpften riet die EMA, auf die entfernte Möglichkeit der sehr seltenen Blutgerinnsel zu achten. Der Impfstoff hatte Ende Januar eine bedingte Marktzulassung für die EU erhalten. Danach ist der Hersteller weiterhin verpflichtet, alle Daten zu Nebenwirkungen weiterzuleiten. Die Häufigkeit gemeldeter Zwischenfälle mit Blutgerinnseln im Gehirn gaben die EMA-Experten am Mittwoch mit ungefähr 1 je 100.000 an.