Einen Teil der Verantwortung in jüngere Hände geben

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Fr, 03. Mai 2019

Emmendingen

Gründer Peter Haas übergibt sein Amt als stellvertretender Vorsitzender bei Stiftung Brücke an Martin Münch / Haas wird die Stiftung weiterhin unterstützen.

EMMENDINGEN (BZ). "Wir haben in den letzten 18 Jahren rund 130 000 von Armut betroffene Menschen in 24 Ländern mit Hilfe zur Selbsthilfe unterstützt", sagt Peter Haas, Gründer von Stiftung Brücke und scheidendes Vorstandsmitglied. "Ich bin sehr zufrieden. Doch wir wollen noch viel mehr bewegen. Ich freue mich, jetzt einen Teil der Verantwortung in jüngere Hände zu geben. So habe ich mehr Zeit, die Stiftung mit meiner Leidenschaft für Gestaltung und meinem Netzwerk zu unterstützen."

"Von Anfang an hat mich das Motto von Peter Haas begeistert: Lieber einen Tropfen Hilfe, als einen Eimer Versprechungen", schließt Martin Münch an und greift einen Gedanken seines Vorgängers auf: "Wir sind alle nur Tropfen im Ozean der Menschheit. Doch wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir eine Strömung bilden, die Bildung und nachhaltige Entwicklung auch in die vom Wohlstand vergessenen Bereiche der Erde bringt." Martin Münch will seine Führungserfahrung nutzen, um noch mehr Menschen für die Stiftung zu gewinnen. Dabei ist ihm auch der Spaß am gemeinsamen Tun wichtig – oder wie es Peter Haas formuliert: "Vergesst das Menschsein nicht".

Martin Münch, Jahrgang 1974, arbeitet als Firmenberater im Bereich Personalentwicklung. Er hat einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und war lange Jahre in der Finanzberatung von Unternehmenskunden tätig. Er kam 2011 erstmals mit der Stiftung Brücke in Kontakt, da ihn das Thema Gerechtigkeit nicht mehr losließ. Damals baute er spontan 1000 Holzschiffchen und rief das Projekt "Segel setzen für Bangladesch" ins Leben. Er wurde bald Stiftungsrat und war bereit, als stellvertretender Vorsitzender in den Vorstand zu wechseln. Dieser besteht aus zwei Vorsitzenden, die beide einzelvertretungsberechtigt sind. Vorsitzende bleibt Bettina Mühlen-Haas.

Peter Haas, Jahrgang 1937, übernahm zunächst in dritter Generation einen großen Malereibetrieb in Berlin mit rund 250 Mitarbeitenden und führte ihn erfolgreich bis Ende der Sechziger Jahre. Dann schenkte er einen Teil der Firma den Mitarbeitenden, verkaufte den anderen Teil an einen Nachfolger und folgte einem Herzenswunsch: Er studierte Philosophie und Germanistik, promovierte über Weltmodelle wie das des "Club of Rome" und wurde Mitarbeiter im Institut für Zukunftsforschung von Robert Jungk. Anfang der Achtziger Jahre engagierte er sich in der Sozialarbeit und lernte in einem Projekt zur Förderung benachteiligter Jugendlicher in Kreuzberg auch seine Frau Bettina kennen. 1992 zogen die beiden nach Köndringen, wo er sich vor allem der Restaurierung von Kunstwerken widmete. 2001 gründeten er und seine Frau mit 50 000 Euro die Stiftung Brücke. Als besonders effektiv erwies sich die Ausschreibung eines Förderpreises, für die die Bedürftigen selbst Vorschläge machen, welche Unterstützung sie brauchen. Die Stiftung fördert nur Projekte in den Least Developed Countries, einer Liste von derzeit 47 Staaten, die Armutskriterien der UN erfüllen.