Emotional durch die Mangel gedreht

Armin Krüger

Von Armin Krüger

Mo, 14. Oktober 2019

Offenburg

Die Henry Girls, drei irische Schwestern, haben mit mit viel Gefühl im Salmen die Weltmusiksaison des Kulturbüros eröffnet.

Am Freitag Abend wurde im Salmen die Folk & Weltmusik-Saison des Offenburg Kulturbüros mit einem Konzert der Henry Girls eröffnet. Die drei irischen Schwestern folgten der Einladung nach Offenburg bereits zum dritten Mal und das war wohl auch der Grund weshalb das Haus mit rund 250 Konzertbesuchern nahezu ausverkauft war. Viele von ihnen kannten die Henry Girls und konnten sich auch diesmal nicht ihrem Charme und dem herzerwärmendem Sound des irish-american Folk entziehen.

Karen, Lorna und Joleen Mc Laughlin sind Multiinstrumentalistinnen und durchweg begnadete Vokalistinnen. Mit einem Eröffnungshymnus der einem Willkommensgruß an die guten Mächte als auch einem allumfassenden Liebesschwur gleichkommt, spielten sie schon im Auftakt ihre stärkste Karte; ihren unvergleichlichen a-cappella-Klang. Bald folgten Balladen, gefiddelte Tanzlieder und musikalische Reminiszenzen an die 20er-Jahre in Amerika, als die europäischen Immigranten ihre Heimatklänge mit der schwarzen Musik in St. Louis verwoben und der Folk zu swingen begann. Es kamen so famose Girl-Groups wie die Andrew Sisters in Mode.

Umspielt wurden das Programm mit bewährt sympathischer Moderation. Nach gefühlten fünf Jahren Deutschlandfunk Live-Übertragung des Brexit-Krieges aus dem britischen Unterhaus ist man hierzulande des Hoch-Englischen mächtig aber der irische Slang überfordert manchen Festländer. So wurde im Anschluss an den Titel "No More Maybes" darauf hingewiesen, dass es eben nicht "No More Babies" heißt. Das Publikum hatte viel Spaß und wurde emotional durch die Mangel gedreht. Die irische Musik hält dafür jede Menge Werkzeuge bereit. Das Epische mit viel "coming home"-Vokabular und herzergreifenden Mollparallelen. Nicht umsonst ging die Titanic beim Klang einer synthetisierten Tinwhistle unter. Die Ausgelassenheit: schnelle, in Terzen einander jagende Motive die im ständigen Rundlauf das Mitklatschen und Stampfen geradezu erzwingen. Und die schmerzhaft schöne Traurigkeit, die in einer Ballade über einen jungen Belfaster im IRA-Umfeld den emotional erschütternden Höhepunkt des Abends markierte.

Das Alles geschah bei den Henry Girls in musikalischer High-End-Qualität und dazu gab es auch noch ein Bühnenbild im wörtlichen Sinne. Es stand zentral auf der Bühne auf einer Staffelei, nicht weit vom Instrumentenlager der Girls und zeigte eine pastellfarbene Landschaft mit Baum, Schwan, See und Berg. Das Bild wurde als Druck zusammen mit den CDS und einem Workshop zum Kauf angeboten.

Da stellt sich die Frage wie gut man eigentlich sein muss, um als Musiker über die Runden zu kommen. Die Henry Girls sollten definitiv über die Runden kommen, denn sie sind fantastisch. Daher waren auch zwei Zugaben nötig um das Publikum zu befrieden.