Ende eines harten Ringens

Alexander Huber Ralf Strittmatter

Von Alexander Huber Ralf Strittmatter

So, 26. Juli 2020

Müllheim

Das BBM hat sich aufgelöst – nach sieben Jahren intensiven Engagements.

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hat sich das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) aufgelöst. Ihr Hauptziel, die Tieflage der neuen Güterzugtrasse zwischen Hügelheim und Auggen, hat die über sieben Jahre engagierte Initiative nicht erreicht. Nun will sich ein Teil in der MUT einbringen.

Die Enttäuschung bei den Mitgliedern des BBM war schon seit Monaten spürbar, spätestens mit Beginn der Bauarbeiten der DB vor allem in Auggen und später dann auf Gemarkung von Müllheim wurde augenfällig, dass der Kampf verloren war. Diese Enttäuschung war bei der Auflösungsversammlung am vorvergangenen Freitagabend spürbar. Bis heute sind die Vertreter des BBM fest davon überzeugt, dass sie nicht nur berechtigte Kritik an den DB-Plänen zum Ausbau der Rheintalbahn zwischen Hügelheim und Auggen vorgebracht, sondern vor allem auch eine Alternative mit, aus Sicht des BBM, deutlichen Vorteilen gegenüber der Bahnplanung entwickelt hatten.

Die optimierte Kernforderung 6 (OKF 6), die mitunter auch als "Beste Lösung" firmierte und mehrfach von den BBMlern im Detail weiterentwickelt und modifiziert wurde, sah die Tieflage der Güterzugtrasse vor – und damit in gewisser Weise die Verlängerung der sogenannten Bürgertrasse im nördlich anschließenden Planfeststellungsabschnitt zwischen Bad Krozingen und Hügelheim. Dass sich dort die Tieflage nach der massiven Intervention der Region durchsetzen ließ, in dem sehr viel kürzeren Abschnitt weiter südlich aber nicht, ist ein Umstand der das BBM und ihr Umfeld besonders gewurmt hat. Wenig verwunderlich war da von Ungleichbehandlung die Rede.

Einen besseren Lärmschutz, weniger Landschaftszerschneidung und damit weniger Beeinflussung des Mikroklimas, ein besserer Schutz von Gefahrguttransporten auf der Schiene – all’ das und noch mancherlei mehr Argumente sah das BBM für die OKF 6 sprechen. Die DB freilich wollte dem nicht folgen. Besonderer Knack- und Streitpunkt waren die Kosten. Die DB sah einen unverhältnismäßig hohen Aufschlag bei der OKF 6 gegenüber ihren Planungen, das BBM warf der Bahn vor, sie habe die OKF 6 künstlich teuer gerechnet – tatsächlich sei der Kostenunterschied nicht gravierend.

Einen letzten Anlauf versuchten die Bahnkritiker bei der Geschwindigkeitsfrage. Es sei nicht nötig, so die Argumentation des BBM, dass die ICE im Abschnitt zwischen Hügelheim und Auggen so schnell fahren wie von der Bahn veranschlagt. Daraus resultierende Kosteneinsparungen beim Streckenausbau könne man in die Tieflage investieren. Für die Bahn indes blieb die geplante Höchstgeschwindigkeit sakrosankt. Daran könne man nicht rütteln, wolle man das Konzept des auch international abgestimmten Fahrplans nicht gefährden, hieß es von der DB.

Letztlich war der Streit um die OKF 6 ohnehin nicht zwischen Bahn und Bahnkritikern zu entscheiden, sondern auf politischer Ebene. Zumal die Bahn nach der abgewiesenen Klage der Gemeinden Auggen und Müllheim vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ihr Baurecht noch einmal höchstrichterlich bestätigt bekommen hatte. Doch mit Ausnahme des FDP-Bundestagsabgeordneten Christoph Hoffmann machten die südbadischen Bundestagsabgeordneten von CDU, Grünen und SPD Anfang 2019 deutlich, dass sie keine Chance sahen, das mühsam errungene und vom Bundestag abgesegnete Gesamtpaket zu Baden 21, betreffend den Ausbau der Rheintalbahn zwischen Offenburg und Basel, für den Abschnitt zwischen Hügelheim und Auggen wieder aufzuschnüren.

BBM: Kritik war wichtig

Waren die Bahnkritiker zu spät dran mit ihren Forderungen? Diese Frage wurde inner- und außerhalb des BBM kontrovers diskutiert. Und von vielen Engagierten verneint. Man habe rechtzeitig auf die vorliegenden Probleme hingewiesen, war vonseiten der BBM-Verantwortlichen immer wieder zu hören. Mindestens genauso regelmäßig kam aber auch das Klagen über eine vermeintlich oder tatsächlich mangelnde Unterstützung durch die Kommunen. Dass man den Kampf für die OKF 6 zu halbherzig geführt habe und zu schnell auf die Linie der Bahn geschwenkt sei – dieser Vorwurf an die Rathäuser in Müllheim und Auggen war bis zur Auflösungsversammlung stets präsent.

Hätte man mit einem anderen Timing, mit einem anderen strategischen Vorgehen, mit einer besseren Mobilisierung der Öffentlichkeit auch für den Bereich zwischen Hügelheim und Auggen die Tieflage erreichen können? Die Frage kann Stoff für leidenschaftliche Diskussionen bieten – nüchtern betrachtet wird sie wohl unbeantwortet bleiben.

So ganz nur in Trauer und Enttäuschung aufhören wollten die BBMler dann aber doch nicht. Die kritische Begleitung der Bahnplanung war dennoch wichtig, hieß es – etwa im Hinblick auf den Lärmschutz. "Es war wichtig, dass wir da waren", zog BBM-Vorstandsmitglied Peter Pilger ein Fazit über die vergangenen sieben Jahre teilweise sehr intensiven Engagements. Nun soll für die BBM-Mitglieder die Möglichkeit bestehen, sich bei der Partner-BI MUT zu engagieren, auch der Restkassenbestand in Höhe von 700 Euro des BBM wird an die MUT transferiert.

Im Fokus der hiesigen Raumschaft steht die geplante Ausgestaltung des Hügelheimer Knotens, im Planfeststellungsabschnitt 8.4., zu dem gerade die Pläne offengelegt wurden. Hier möchte die MUT erreichen, dass das geplante Schienenbauwerk deutlich platzsparender ausfällt, als von der Bahn vorgesehen.