Enkeltricks und andere Maschen

Gudrun Gehr

Von Gudrun Gehr

Mi, 11. Dezember 2019

Steinen

Polizeibeamtin Brixa stellte Abzockmethoden bei Zeitbank vor.

STEINEN. Sehr gut besucht war das monatliche Treffen des Vereins Zeitbankplus in Steinen. Als Referentin hatte Gruppenleiterin Angelika Messer Polizeihauptkommissarin Helena Brixa aus Lörrach eingeladen, die unter dem Motto "Vorsicht Abzocke" verschiedene Tricks Krimineller vorstellte und erläuterte, wie man sich schützen kann.

Aus Schaden klug werden: Die Polizeibeamtin erläuterte den Gästen das Ziel der Veranstaltung: "Unsere Idee ist die Vorbeugung, damit wir kritische Situationen besser einschätzen können". Mit einem Spruch von Konrad Adenauer eröffnete Brixa ihren Vortrag: "Es hindert uns niemand, jeden Tag etwas klüger zu werden". Dann stellte die Referentin den gebannt zuhörenden Gästen die verschiedenen Maschen vor, mit welchen Betrüger vorwiegend ältere Personen schädigen.

Abzocke per Telefon: Insgesamt 6,8 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr allein in Baden-Württemberg von sogenannten "Anruftätern" erbeutet, die über Telefonanrufe ihre Betrügereien vorbereiteten. Da wird beispielsweise als angeblicher Polizist von korrupten Bankangestellten oder von Einbrüchen in der Nachbarschaft berichtet, um die Angerufenen zu einer Geld- oder Schmuckübergabe an wildfremde Personen zu bewegen. Teilweise wird dabei das Täuschungsmanöver des "Spoofing" verwendet: Auf dem Telefondisplay des Angerufenen erscheint dann die vertrauenerweckende Notrufnummer 110. Dabei würde diese Nummer bei einem wirklichen Anruf der Polizei natürlich niemals erscheinen.

Der Enkel wird erraten: Natürlich stand auch der mittlerweile in vieler Munde stehende Enkeltrick auf dem Warnzettel der Polizeibeamtin. Bei dieser verbreiteten Betrugsmasche holt der Täter bei einem Anruf den in Frage stehenden Namen aus seinem Opfer heraus. Brixa stellte klar, dass eine Abzocke aus dem Metier des "Enkeltricks" nicht zwangsläufig bedeutet, dass ein angeblicher Enkel als mutmaßlich Bedürftiger anruft. Die Palette reiche bis zu weitläufigen ehemaligen Bekannten.

Der vorgegaukelte Gewinn: Beim Gewinnversprechen geht es um die Erlangung einer Vorleistung für einen vorgegaukelten Gewinn. Das geht dann nach dem Motto: "Ich verwalte hier die 30 Millionen von XY. Wenn Sie mir 10 000 Euro als Verwaltungsgebühr überweisen, bekommen Sie fünf Prozent von dieser Summe.

Die Liebe: Eine weitere Masche ist das "Romance scamming" mit dem romantischen Betrüger, auch als Heiratsschwindler bekannt. Kommissarin Brixa weiß aus ihrer langjährigen Berufserfahrung: "Liebe kennt kein Alter, und Liebe macht blind für die Realitäten." Hier werden Gefühle vorgetäuscht, um das Opfer zu Geldinvestitionen zu veranlassen.

Was es sonst noch für Tricks gibt: Bei einem falschen Microsoft-Mitarbeiter steckt nicht die Firma Microsoft dahinter, sondern der Geschädigte soll möglichst viel von sich preisgeben, am liebsten die Daten seiner Kreditkarte. Weiter ging der kriminalistische Bogen zu sogenannten "Klemmbrettbetrügern", welche die Unterstützung einer (oft nicht existierenden) Hilfsorganisation vortäuschen und Geld einfordern. Das Opfer wird hier mit subtilen Methoden unter Druck gesetzt, die Täterschaft generiert sich oft als taubstumm, um damit lästigen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Brixa beschrieb auch den "Zwei-Euro-Trick", ein Vorgehen, um an den (geöffneten) Geldbeutel des Opfers zu gelangen.

Wie kommen Täter an Opfer? Aber wie kommen die Täter überhaupt an die Telefonnummern der Opfer? Hauptkommissarin Brixa: "Vorwiegend werden aus dem Telefonbuch Personen mit älter klingenden Vornamen als Opfer herausgesucht, da sich auf diese Weise die Täter ein leichteres Spiel versprechen." Der Tipp der Kommissarin? "Überlegen Sie, ob es notwendig ist, ihren kompletten Namen und zusätzlich noch Ihre Adresse hier präsentieren zu müssen."

Weitere Info: polizei-beratung.de und per Mail: freiburg.pp@polizei.bwl.de