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Eine Wanderung entlang der deutsch-schweizerischen Grenze mitten im Wald auf der Eisernen Hand

Willi Adam

Von Willi Adam

Sa, 08. August 2020 um 07:06 Uhr

Lörrach

Zwischen Lörrach, Riehen und Inzlingen kann man sich auf Trampelpfaden genau zwischen zwei Ländern bewegen. Die Schweizer Landzunge der Eisernen Hand war eins Schlupfloch für Flüchtlinge.

Nirgendwo lässt sich der Begriff "grüne Grenze" so lebhaft erfahren wie an der Eisernen Hand, die sich als Schweizer Landzunge bei Lörrach, Inzlingen und Riehen tief ins deutsche Staatsgebiet vorschiebt. Heutzutage ist die Grenze mitten im Wald fast nicht mehr erkenntlich. Doch es gab auch dunklere Zeiten. Im Dritten Reich war die Eiserne Hand zunächst ein Schlupfloch für Flüchtlinge, ehe Stacheldrahtzaun ein Durchkommen verhinderte. Auch diese geschichtliche Facette wird von der hier beschriebenen Wanderung gestreift.

Wer sich zur Eisernen Hand aufmachen möchte, sollte idealerweise beim Zoll Lörrach/Riehen starten. Dies nicht nur, weil dort in der Nähe leicht ein Auto abzustellen ist und direkter Anschluss an Tram, Bus und (etwas weiter in Stetten) an die S-Bahn besteht. Allein der Eindruck des alten Zollhofs, der – außer fürs Abstempeln der grünen Zettel – völlig überdimensioniert wirkt, gibt eine gute Einstimmung, um über den Wandel des Begriffs Grenze nachzudenken.

Spannender Überblick über die Region

Vom Zoll geht es dann zunächst bergauf, immer zwischen der südlichen Bebauung von Lörrach und der Landesgrenze hindurch. Oberhalb der letzten Blocks und Reihenhäuser geht es mit wunderbarer Aussicht über die Wiesen. Basel, dahinter das Jura, Tüllingen, Rötteln vor Schwarzwaldkulisse, Dinkelberglandschaft bis zum Salzert – einen spannenderen Blick gibt es selten in der Region.

Nun geht es direkt zum Waldrand und auf dem Asphaltsträßchen über die Grenze und am Maienbühlhof vorbei. Unmittelbar nach dem Hof und unmittelbar bevor schon wieder deutsches Gebiet beginnt, zweigt links ein Wanderweg ab, der Eiserne-Hand-Weg. Nach ein paar hundert Metern im Wald fällt am Fuß eine Tafel auf, die auf eine metallene Kapsel in der Krone des Baums verweist. Dieser Punkt ist auch vom Lörracher Dreiländermuseum aus sichtbar, damit sich Besucher der regionalgeschichtlichen Ausstellung ein Bild davon machen können, wie mitten im Wald eine Landesgrenze, mehr noch: eine EU-Außengrenze verläuft.

Immer der Grenze entlang

Bequemerweise könnte man auf dem Eiserne-Hand-Weg bis zur Spitze des Schweizer Zipfels gehen. Interessanter ist es jedoch, gleich links ins dichte Gehölz abzubiegen und den Grenzsteinen zu folgen. Auch auf dem Rückweg von der Spitze muss man bei einer Biegung des Hauptwegs einen Pfad nach links nehmen. So geht man immer genau auf der Grenze, ohne genau zu wissen, in welchem Land man ist – ein kindliches Vergnügen.

Wer nach dem Rückweg, der vom Maienbühlhof direkt hinunter nach Riehen führt, sollte man sich unbedingt in Riehen das privat betriebene Dokumentationszentrum über Geflüchtete im Dritten Reich anschauen.