BZ Hautnah

Entspannen in der Natur: Der Wald steht still und schweigt nicht immer

Benedikt Sommer

Von Benedikt Sommer

Fr, 16. Oktober 2020 um 12:00 Uhr

Emmendingen

Bei einer zweieinhalbstündigen Erkundung im herbstlichen Freiämter Forst konnten 15 Teilnehmer der Aktion BZ-Hautnah ein ganz neues Gesicht des Waldes entdecken. Unser Autor war dabei.

Der Wald hat Konjunktur. Und das nicht nur als anschaulicher Indikator für den Klimawandel oder als privater Rückzugsort in Lockdown-Zeiten. Ganz im Zeichen der Gesundheitsprävention stand er am vergangenen Mittwoch. Im Rahmen der Reihe BZ Hautnah und geführt von einem Förster, einer Ärztin und einer Künstlerin, brachen 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einer spannenden 2,5-stündigen Erkundung in den herbstlichen Freiämter Wald auf.

Das mit der Achtsamkeit ist so eine Sache. Da stehe ich jetzt im Wald und sehe Bäume, aber irgendwie will die Farbe Grün so gar nichts in mir auslösen. Und wo bitte soll ich hinatmen, wo mir doch noch tausend Dinge durch den Kopf schwirren. Aber Petra von Stengel, Ärztin und Physiotherapeutin, spricht ruhig weiter. Nach und nach führt sie mich und die anderen 15 BZ-Leserinnen und -Leser, die sich da malerisch auf der Lichtung im Corona-Abstand verteilt haben, durch unsere Sinneswahrnehmung, wendet sich nach dem Sehen dem Hören zu, und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf die vielfältigen Geräusche des Waldes. Förster Bernd Nold hat uns auf schmalen Pfaden extra ein gutes Stück weit vom Rollberg-Spielplatz weggeführt, aber trotzdem dringen da Töne zu uns, die hier nicht hingehören. Ein Motor heult auf, ein Vater weist seine Tochter zurecht. Zulassen, nicht werten, nicht beurteilen, wiederholt von Stengel fast mantraartig und lenkt dann unsere Aufmerksamkeit auf die vielen Gerüche.

Nach so vielen Anregungen tut es gut, dass Bernd Nold die Gruppe dann erst einmal "in den Wald schickt". Mit Sitzkissen ausgestattet verschwinden alle im Dickicht, suchen sich einen Baum oder auch nur einen Blick in seine Krone, machen es sich gemütlich und haben einfach eine Viertelstunde Zeit. Und kommen zur Ruhe. Jetzt ist im Rauschen der Blätter das fallende Geräusch der Bucheckern plötzlich eine Sensation, das herbstliche Laub duftet betörend, die Sonne findet einen Weg durch Äste und Zweige und tastet sich mit einzelnen Strahlen durch den hohen Raum, den die alten Buchen bilden.

Überraschende Erfahrungen

Viele Bäume in diesem Waldstück seien mehr als 160 Jahre alt, erzählt Bernd Nold später. Und schon sprudeln die Geschichten über ihre Nutzung, ihre Symbolik und Mythologie nur so heraus aus dem Förster und Umweltpädagogen. Überraschend offen berichten auch die Teilnehmer von ihren Erfahrungen der letzten Viertelstunde, vom Baum, den sie sich ausgesucht haben und was sie an ihm schätzen. "Mein Großvater war ein Wagner, ein Krummholzer", erzählt ein gebürtiger Eichstätter, "aus der Eiche da hätte er Deichseln gemacht". "Ich habe hier einen neuen Freund gefunden, den ich sicher noch oft besuchen werde", sagt eine Teilnehmerin. Andere fragen sich, was die alten Bäume alles erzählen könnten.

"Es geht jetzt nicht darum Kunst zu machen", beruhigt Künstlerin Michelle Schepman etwas später – und noch tiefer im Wald – die Teilnehmer. "Erinnern Sie sich lieber an die Langeweile, die Sie als Kind früher erlebten, und was Sie daraus machten". Land Art, das Gestalten mit aufgefundenem Material aus und in der Natur, will sie uns nahebringen. "Gestalten Sie doch einmal ihr Selbstporträt", schlägt sie vor und alle legen los, suchen Zweige und Blätter, Äste und Eicheln und legen und stecken etwas zusammen, die Schüchternen irgendwo im Wald, die Mutigen auf der Lichtung.

Die fertigen Werke überraschen alle. Vom feingewirkten Mandela bis zum wilden Wildschweinkopf reicht das Spektrum. "Ich hab es normalerweise nicht so mit der Kreativität", gab eine Buchholzerin auf dem Rückweg zu, "aber das hat Spaß gemacht". Eine andere Teilnehmerin brachte es auf den Punkt: "Einfach nur entspannend. Das war ein schöner Nachmittag, der den Kopf frei gemacht hat".