Hanf

Erste Demo in Lahr zur Legalisierung von Cannabis

Vera Doering

Von Vera Doering

So, 02. Februar 2020 um 11:40 Uhr

Lahr

Sollte Cannabis legalisiert werden? Das ist ein Thema, an dem sich die Geister scheiden. Am Samstag demonstrierten in Lahr Menschen für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis in Deutschland.

Bei einer Demo für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland sind am Samstag rund 200 Leute durch die Innenstadt gezogen. Sie war die erste in Lahr mit diesem Anliegen und stand unter dem Motto "Cannabis normal – keine Pflanze ist illegal".

Das Publikum
"Ihr seid nicht nur viele, sondern auch vielfältig", brachte es Tobias Pietsch, Organisator der Demonstration, auf den Punkt. Trotz des Regens, der pünktlich zu Beginn eingesetzt hatte, waren rund 200 Leute gekommen. Da waren Menschen, die aufgrund ihres Stils das verbreitete Vorurteil bedienen, sie würden sicher Cannabis rauchen: Dreadlocks (oder zumindest langhaarig), Piercings im Gesicht, Tunnels in den Ohrläppchen. Doch der deutlich größere Teil der Teilnehmer war eher unauffällig gekleidet: Jeans, Jacke, "vernünftige" Haartracht. Altersmäßig reichte die Spanne von etwa 18 Jahren bis hin zu einer Dame über neunzig, die der Demo mit dem Rollator folgte.

Die Stimmung
Die Atmosphäre war insgesamt sehr friedlich und entspannt und dennoch ein wenig aufgekratzt. Florian Stech moderierte die Reden auf dem Rathausplatz und später auf dem Marktplatz an. Dazwischen gab es immer wieder Reggaemusik zu hören, bei dem die ein oder anderen mitwippten. Die Reden wurden stellenweise bejubelt und auch beim Dank an die Polizisten, die die Demonstration begleiteten, wurde höflich applaudiert. Die Demonstranten zogen vom Rathausplatz über die Alleestraße, am Kino vorbei in Richtung Altes Rathaus und von dort über die Marktstraße zum Marktplatz. Passanten reagierten meist amüsiert auf den erstaunlich langen Zug, einige wenige schlossen sich an. Zum Abschluss spielte "Mikarus" aus Bad Krozingen Songs auf der Gitarre.

Die besten Sprüche
"Cannabistage statt Chrysanthema" wurde auf einem der mitgetragenen Schilder gefordert. Angelehnt an ein schwäbisches Volkslied war die folgende Ermunterung: "Schaffe, schaffe, Jointle baue." Während des Umzugs zum Marktplatz wurde immer wieder lautstark skandiert "THC statt AfD". Bejubelt wurden die Aussagen von Tobias Pietsch "Wenn sich alle Kiffer öffentlich zeigen würden, würde dieser Platz hier nicht reichen!" und "Deutschland wäre entspannter, wenn es eine kontrollierte Abgabe von Cannabis gäbe" wie FDP-Stadträtin Regina Sittler behauptete.


Die Reden
Jürgen Durke (Linke Liste /Tierschutzpartei) und Enrico Schandl (Grüne Jugend Ortenau) gingen in ihrer Rede auf die Hanfpflanze und ihre vielfältige Verwendungsmöglichkeiten ein, die man sich wieder zu Nutzen machen sollte, sowohl als Rohstoff, für medizinische Zwecke und auch als Genussmittel. Regina Sittler, Chris Mehnert (die Partei) sowie Tobias Pietsch sprachen sich deshalb für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis für Volljährige aus. Norman Schäfer, Epilepsiepatient, ging auf die medizinische Wirkung von Cannabis ein.

Das Fazit
Die Redner brachten gute Argumente für die Legalisierung vor. Gerade im Punkt Jugendschutz, der oft angeführt wird, um das Verbot zu begründen, sei eine kontrollierte Abgabe sinnvoll. Gekifft werde so oder so – aber mit Waren vom Schwarzmarkt, wo es weder Altersgrenze noch Kontrolle über Inhaltsstoffe gebe. Ob das aber für eine Legalisierung reicht? Legale Hanfwaren wie Kosmetik und Lebensmittel bekommt man jedenfalls in Tobias Pietschs Laden "Hanfnah". Er eröffnete am selben Tag am neuen Standort in der Goethestraße. Pietsch wird allerdings in einer Anklage vorgeworfen, er habe illegal Cannabidiol (CBD)-Blüten und -Haschisch angeboten. Er selbst hält die Produkte für harmlos wegen ihrer geringen berauschenden Wirkung.

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