Erste Kliniken verlegen OPs

dpa

Von dpa

Do, 08. April 2021

Südwest

Intensivmediziner im Land: mehr Corona-Patienten / Bundesregierung für kurzen, härteren Lockdown.

(dpa/hsl/BZ). Weil die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen steigt, bereiten sich Kliniken im Südwesten auf eine dritte Welle vor. Erste Krankenhäuser verschieben geplante Operationen, sagte der Koordinator der intensivmedizinischen Versorgung von Corona-Patienten in Baden-Württemberg, Götz Geldner.

Das Ortenau Klinikum erweitert seine Intensivkapazitäten und schränkt am Standort Lahr die OP-Kapazitäten um rund 40 Prozent ein. In Offenburg werden zwei Intensivstationen zusammengelegt, so wird Personal gebündelt. Weitere OPs sollen so möglich bleiben, teilte das Klinikum mit. Das Klinikum Mittelbaden habe an den Standorten Rastatt, Baden-Baden und Bühl alle verschiebbaren Operationen abgesagt, um die Kapazitäten zu bündeln, sagte eine Sprecherin. Ausgenommen seien Notfälle und dringliche Tumor-OPs. "Die dritte Welle übertrifft an Heftigkeit leider alle bisherigen Corona-Wellen", so der medizinische Geschäftsführer Thomas Iber. Auch am Uniklinikum Ulm würden gut planbare Operationen verschoben, hieß es dort. Auf Nachfrage teilte die Uniklinik in Freiburg mit: "Momentan müssen noch keine planbaren Operationen verschoben werden."

Beim Blick aufs ganze Bundesland zeigt sich laut Geldner, dass die Zahl der Corona-Patienten im Vergleich zur Vorwoche um 20 Prozent gestiegen ist. Landesweit sei bereits ein Drittel der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt, so der Ärztliche Direktor der Ludwigsburger RKH-Kliniken. "Wenn die Zahl der Intensivpatienten weiter steigt, haben wir in ein bis zwei Wochen ein Problem", sagte er.

Seit Mitte März steigt die Zahl der Corona-Patienten in Intensivbehandlung im Südwesten. Lag sie am 10. März bei 236, waren es am Mittwoch 469, wie aus dem Divi-Intensivregister hervorgeht. Bisheriger Höchststand waren 642 am 29. Dezember. Von 2400 betreibbaren Intensivbetten im Land sind 88 Prozent belegt.

Derweil plädiert die Bundesregierung dafür, das öffentliche Leben herunterzufahren. Sie unterstützt damit indirekt den "Brücken-Lockdown" von CDU-Chef Armin Laschet. Auf die Frage, wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Vorschlag bewerte, sagte Regierungssprecherin Ulrike Demmer, die Zahl der belegten Intensivbetten spreche eine sehr deutliche Sprache. Deswegen sei ein kurzer Lockdown richtig. "Auch ein gemeinsames bundeseinheitliches Vorgehen wäre hier wichtig." Für das von Laschet vorgeschlagene Vorziehen der Bund-Länder-Runde am kommenden Montag gebe es derzeit aber "erkennbar keine Mehrheit".

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte, die sozialen Folgen eines Lockdowns seien immens, die Grundrechtseingriffe immer weniger verhältnismäßig. Beim Testen, Impfen und bei Schutzkonzepten seien die Möglichkeiten nicht ausgeschöpft.