"Es braucht Zeit und Geduld"

bz, sat

Von BZ-Redaktion & Sarah Trinler

Fr, 16. August 2019

Zell im Wiesental

Ein Jahr Freiwilligendienst in der Wohnanlage St. Josefshaus in Zell / Lena Wiesler aus Wieden ist dankbar für die Erfahrung.

ZELL/WIEDEN (BZ/sat). Rund 100 000 Menschen absolvieren Jahr für Jahr einen Freiwilligendienst. Dabei leisten sie einen wichtigen Beitrag für das gesellschaftliche Miteinander. Gerade junge Menschen bekommen aber auch vielfältige Anregungen für das künftige Leben und lernen, wo ihre Stärken liegen. So erging es auch Lena Wiesler aus Wieden, die für ein Jahr ältere Menschen mit Behinderungen begleitet hat. Ihren Bundesfreiwilligendienst in der Wohnanlage St. Josefshaus in Zell würde sie jederzeit wieder machen.

"Nach meinem Realschulabschluss fand ich es schwierig, mich für ein Berufsfeld zu entscheiden. Dann kam mir die Idee, einen Freiwilligendienst bei der Caritas zu machen. Ich dachte mir: Warum eigentlich nicht?", erinnert sich Lena Wiesler rückblickend. Über das Regionalbüro der Freiwilligendienste Hochrhein in Bad Säckingen bekam sie dann erste Infos über die verschiedenen Möglichkeiten – Freiwilliges Soziale Jahr (FSJ) und Bundesfreiwilligendienst (BFD) – sowie einen Überblick über die freien Einsatzstellen im Landkreis. Die heute 17-Jährige hat sich für die Wohnanlage in Zell entschieden. Dort begleitete sie nun für ein Jahr ältere Menschen mit verschiedenen körperlichen oder geistigen Einschränkungen im Alltag. Ende August geht Lena Wieslers Freiwilligendienst zu Ende.

"Es braucht natürlich Zeit und Geduld, die Bewohner zu verstehen und Vertrauen aufzubauen. Ich musste schnell feststellen, dass es etwas anderes ist, mit Kindern oder eigenen Familienmitgliedern umzugehen als mit erwachsenen älteren Menschen, die einem zunächst fremd sind", sagt Lena Wiesler. Gerade in der Pflege sei Vertrauen und eine gute Beziehung zu den Menschen sehr wichtig. Mit der Zeit seien ihr die Bewohner aber alle ans Herz gewachsen: "Ich möchte die kleinen alltäglichen Begegnungen und Momente nicht missen."

In ihrem Freiwilligendienst hat Lena Wiesler viel über Werte und das gesellschaftliche Miteinander gelernt. "Ich finde, man sollte behinderte Menschen viel mehr in die Gesellschaft integrieren. Viele Menschen haben Scheu davor, mit Menschen mit Behinderung zu sprechen – aber wenn sie es dann doch tun, merken sie, dass es gar nicht so schwer ist."

Während des Freiwilligendienstes hat Lena Wiesler auch die Seminare der Caritas besucht. In insgesamt fünf Bildungswochen hat sie Theorie und Praxis in der Arbeit reflektiert, aber vor allem auch die Möglichkeit genutzt, um sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen und neue Freundschaften zu schließen.

"Die Erfahrungen und Einblicke im Bereich der Heilerziehungspflege haben mich in meinem Berufs- wie auch Privatleben sehr bereichert. Man kriegt so viel fürs Leben mit. Ich würde es auf alle Fälle wieder tun", so das Fazit der 17-Jährigen.