Einsatz vor Ceuta

"Es war kalt und bewegte sich nicht": Spanischer Taucher rettet ertrinkendes Baby im Mittelmeer

Reiner Wandler

Von Reiner Wandler

Do, 20. Mai 2021 um 14:57 Uhr

Ausland

Ein Bild geht um die Welt: Ein Taucher der Guardia Civil rettet im Mittelmeer ein Baby, das die Mutter bei der Flucht auf den Rücken geschnallt hatte. Die marokkanische Polizei schaute tatenlos zu.

"Traumatisch" ist das Wort, das Juan Francisco dieser Tage oft benutzt. Seit der Taucher der spanischen Guardia Civil ein Baby aus den Grenzgewässern zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta rettete und ein Bild dieser Aktion um die Welt ging, reißen die Interviewanfragen nicht mehr ab.

Vielerorts ist das Foto zu sehen, wie Francisco das Menschlein über Wasser hält, während er sich auf einen Rettungsring stützt und Richtung Land schwimmt. Die Guardia Civil verbreitete das Foto über Twitter. "Ich sah das Baby, so blass und so regungslos, dass ich nicht wusste, ob es ihm gut ging oder nicht", erinnert er sich an den Einsatz.



Francisco gehörte zu den Polizisten und Soldaten, die in den vergangenen Tagen verzweifelt versuchten, einen nie dagewesenen Ansturm von Flüchtlingen Herr zu werden. Um die 8000 Menschen sollen es gewesen sein, die den Grenzzaun überwanden, die das nordafrikanische Königreich Marokko von der spanischen Garnisonsstadt Ceuta trennen. 1500 davon waren Minderjährige, die meisten unbegleitet.

"Es war kalt, nass und es bewegte sich nicht." Juan Francisco, Guardia Civil
Während die marokkanischen Grenzpolizisten tatenlos zuschauten, waren Francisco und seine Kollegen zehn bis 15 Stunden durchgehend im Wasser. "Mein Kollege Braulio und ich dachten, dass die Frau da im Wasser einen Rucksack auf dem Rücken hatte, aber bei einer der Bewegungen merkten wir plötzlich, dass es ein Baby war, das sie auf den Rücken geschnallt hatte", erinnert sich Francisco. Braulio kümmerte sich um die Frau, die kaum schwimmen konnte, Francisco um das Baby. "Es war kalt, nass und es bewegte sich nicht", erinnert sich Francisco. An Land kümmerten sich die Sanitäter um die beiden, denen es mittlerweile wieder gut gehe.

Rettungskräfte werden zum Hassobjekt in sozialen Netzwerken

Nicht alle Rettungseinsätze gingen in diesen Tagen so gut aus. Das schlimmste Erlebnis an jenem Tag sei der Tod eines Migranten gewesen, berichtet Francisco, der versuchte, nach Ceuta zu schwimmen. "Leider haben wir eine Person verloren. Wir haben ihn einfach nicht gesehen. Es kamen so viele Menschen gleichzeitig vorbei, dass es unmöglich war", sagt Francisco.

Während Spaniens Regierung illegale Migranten umgehend nach Marokko zurückbrachte, war in den sozialen Netzwerken viel Lob zu lesen für die Rettungsaktion der Guardia Civil. An einem anderen Foto aber schieden sich die Geister. Zu sehen ist eine der Sanitäterinnen, die am Ufer Flüchtlinge versorgen. Die junge Rot-Kreuz-Helferin Luna Reyes Segura hält einen offensichtlich erschöpften jungen Schwarzafrikaner im Arm. Die Tränen stehen ihm in den Augen. Reyes Segura tröstet ihn, während ihre Kollegen verzweifelt versuchen einen Freund des Migranten wiederzubeleben. Luna wurde zum Hassobjekt für viele im Netz. Nach einem Sturm der Entrüstung, der rassistische Kommentare enthielt, und Todesdrohungen hat sie alle ihre Auftritte in den sozialen Netzwerken geschlossen.

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